Florian Silbereisen und Gäste begeisterten die Fans

"Volksmusik macht Spaß, auch wenn's nicht jeder zugibt!" Das Motto prangt auf einer Leinwand, bevor das "Fest der Feste" am Mittwochabend in der Westfalenhalle 3A seinen Lauf nimmt. Florian Silbereisen ist mit musikalischen Gästen auf Tournee. Ein alter Hase wie DJ Ötzi ist dabei, Lucy von den No Angels, dazu die derzeit heißeste Boygroup der Volksmusik, Voxxclub. Hier gibt's unsere Schnellkritik.

Dortmund.. Das Sextett aus Musicalsängern trägt Punkshirt und Szene-Accessoires zur kurzen Lederhose. Genau so stellt man sich die Kostümierung einer Truppe vor, die die gute alte Senioren-Hüttengaudi als hip und fresh und cool verkauft. Seit Andreas Gabalier weht ein anderer Wind durch den Stadl. Und Florian Silbereisen, lange Zeit die Ein-Mann-Boygroup unter den Volksmusikern, greift den Trend gerne auf.

Zugpferd der Show

Beim Fest der Feste ist Silbereisen, Musiker, Sänger, Moderator, großer Zampano und Zugpferd der Show. Er spielt Akkordeon und Gitarre, er singt nicht einmal schlecht, selbst wenn er dabei mit Fans für Fotos posieren muss. Die Masse der 1200 Besucher ist um die 60 Jahre oder älter, man ahnt, warum die volkstümliche Branche sich krampfhaft verjüngen will.

Obwohl die Älteren ein dankbares Publikum sind. Die lassen die allerforscheste Animation über sich ergehen, werden keine 30 Sekunden nach dem ersten Hallo von Silbereisen aus dem Sitz kommandiert - und machen jeden Schabernack mit. Viervierteltakt mit ordentlich Bumms gibt den Klatschrhythmus vor, auch ein DJ Ötzi weiß um die Kraft der Parolen: "Und jetzt die Hände! Und alle! Hey, seid ihr noch da?" Ötzi singt seine Hits, "Hey, Baby", den "Anton", den "Stern, der Deinen Namen trägt".

Keine Tricksereien

Egal, wie alt, egal, wie abgegriffen:Was beim Fest der Feste von der Bühne tönt, muss Laune und Stimmung machen. Voxxclub haben die frischesten Hits,knallig produziert, und weil von Konserve, genau im Sound ihrer zwei Alben. Dass beim Live-Gesang nicht allzuviel getrickst wird, wollen wir gerne glauben.

Lucy singt den ersten No Angels-Hit, etwas Russisches, nach einem Nichts von Überleitung auch "Guten Abend, gut Nacht". ABBAs "Chiquitita" in Hippie-Verkleidung kommt immer gut, 70er-Jahre-Schlager ("Eviva Espana" , "Theo, wir fahr'n nach Lodz") zünden sowieso."Kufsteinlied", "weißes Rössl" und die "Holzhackerbuam" (Silbereisen solo am Akkordeon) sind volkstümliche Evergreens. Ach, und sechs Tänzer gab es auch, ebenfalls zuhause im Stimmungsfach.

Brüder begleiten die Oma

Timo Güldner (17) und sein Bruder Tobias (21) zählen mit Sicherheit zu den jüngsten Besuchern der Show: "Am besten fanden wir DJ Ötzi, die Schlager kannten wir aber auch." Die beiden kommen aus Essen, sind aber eigentlich als Begleitung ihrer Oma Marion angereist. "Die Oma hatte am 11.Februar ihren 70. Geburtstag. Wir haben ihr die Karte geschenkt und sind mitgefahren", erzählt Tobias. "Sie ist ein Riesenfan von Florian Silbereisen und wollte den immer mal live sehen. Jetzt ist sie happy."

Nein, erzählt Timo, er habe sich nicht groß überwinden müssen: "Ich bin gern mit dabei, die Musik geht schon in Ordnung." Von der trendschnittigen Jungtruppe Voxxclub haben die Brüder aber erst durch die Großmutter erfahren. "Wir kannten die gar nicht, bis Oma von denen erzählt hat."