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Fingerabdrücke in Sekunden

25.01.2012 | 18:32 Uhr
Fingerabdrücke in Sekunden
Die Kriminalhauptkommissare Andreas König (re.) und Gerhard Kleinert begutachten die Fingerabdrücke.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.  Fingerabdrücke sind aus der heutigen Kriminalistik nicht wegzudenken. Schon seit 1903 werden Fingerabdrücke, deren Muster genetisch festgelegt sind und sich bis zum Tode nicht mehr ändern, genommen, um Verbrechen zu klären. Linien und Verästelungen führen Kriminalisten oft auf die Spur des Täters.

Fingerabdrücke sind aus der heutigen Kriminalistik nicht mehr wegzudenken. Schon seit dem Jahre 1903 (Dresden) werden Fingerabdrücke, deren Muster genetisch festgelegt sind und sich bis zum Tode nicht mehr ändern, genommen, um Verbrechen zu klären. Denn die feinen Papillarlinien eines jeden Menschen sind einzigartig und so führt das Gewirr dieser kleinen Linien und Verästelungen die Kriminalisten häufig auf die Spur des Täters. „Auch wenn die Technik noch so modern und fortgeschritten ist, sie kann den Menschen, den Daktyloskopen etwa in unserem Team, bislang nicht ersetzen“, betont Kriminalhauptkommissar Gerhard Kleinert, Leiter der Kriminaltechnik (KTU) im Polizeipräsidium.

Wie die moderne Technik die Arbeit in der Kriminaltechnik verändert hat, zeigen die High Tech-Scanner, die in Dortmund seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Einsatz sind. Mussten die Kripobeamten die Fingerabdrücke von Verdächtigen früher mit Hilfe von schwarzer Tusche nehmen, jede einzelne Fingerkuppe auf einem Blatt Papier „abrollen“, um so die zehn Fingerabdrücke zu sichern, so erledigt diese Arbeit heute der Kollege Computer - und das in Windeseile.

Neue Scanner seit 2006 im Einsatz

„Die Apparate wurden bei uns 2006 erstmals eingesetzt“, erläutert Kriminalhauptkommissar Andreas König, einer von vier Daktyloskopen, speziell ausgebildete Kriminaltechniker der Kriminalpolizei in Dortmund. Damals habe man schnell arbeiten müssen, um Verdächtige, die während der WM in Deutschland straffällig wurden, zu erfassen und ihre Daten auch abgleichen zu können, um so auch zeitnah Ergebnisse vorliegen zu haben. „Denn die WM dauert eben nur einen Monat.“

Heute stehen zwei solcher Scanner im Polizeipräsidium an der Markgrafenstraße. Mit Hilfe der Technik werden die einzelnen Finger und auch ganze Handballen eingelesen, während auf vier anderen Wachen noch herkömmlich „Finger abgerollt“ werden. Die dort auf herkömmliche Weise gewonnenen Fingerabdrücke werden dann nachträglich digitalisiert und alle zum Bundeskriminalamt (BKA) geschickt. Dort lagern die Fingerabdrücke von rund 3,2 Millionen Menschen in der Datenbank „AFIS“, dem Au-tomatischen Fingerabdruck-Identifizierungssystem, das in Deutschland 1993 in Betrieb genommen worden ist.

Diese im AFIS vorhandene Software, so König, markiere anatomische Merkmale, etwa Unterbrechungen der Strukturen, der sogenannten Papillarlinien, Gabelungen oder Verästelungen auf einer zweiten Ebene über den eigentlichen Fingerabdrücken. „Die Software versieht die auffälligen Merkmale mit sogenannten Richtungsfähnchen“, erklärt Andreas König. Diese Markierungen vergleicht sie mit anderen Datensätzen und wirft dann auch schon mal eine Vielzahl an Vergleichsmustern aus. Was für die Spezialisten der Spurensicherung problematisch ist: Nicht jeder von derselben Person genommene Fingerabdruck ist hundertprozentig optisch deckungs-gleich. Er ändert sich je nachdem, wie der Abdruck genommen worden ist, in welchem Winkel oder mit welchem Druck. Die markanten Merkmale, die auch von der Software aufgespürt werden, verändern sich jedoch nicht. Eine hundertprozentige Zuordnung könne jedoch nur der erfahrene Daktyloskop vornehmen, auch wenn die Software ständig verbessert wurde und die Trefferzahl weiter zunimmt. „Wichtig dabei“, betont Andreas König, „wir ermitteln nicht den Täter, sondern denjenigen, der die Spur gelegt hat.“

Auswertungen können auch tage dauern

So dauern solche Auswertungen je nachdem, wie stark der Kontrast der vorliegenden Abdrücke ist, auch schon mal ein, zwei Tage, brüten gleich mehrere Spezialisten über den Abdrücken. Da müssen die Abdrücke dann auch mit Lupe oder mit dem PC vergrößert werden. „Auch hier ist die Erfahrung des Spezialisten durch nichts zu ersetzen“, so König, der seit 1994 als Daktyloskop arbeitet. Wie wichtig und bedeutungsvoll die Arbeit ist, zeigt die Tatsache, dass Kriminaltechniker erst nach fünf Jahren Berufserfahrung eine mehrere Monate dauernde Sachverständigenspezialausbildung beim Bundeskriminalamt, die sowohl mehrstündige Klausuren als auch auch Vorträge vor Fachprüfungskommissionen umfasst, beginnen dürfen.

Die Daten blieben bis zum Ende der Verjährungsfrist im „AFIS“ gespeichert. „Und so können wir dann auch mal nach ein paar Jahren noch einen Treffer landen, um einen Fingerabdruck einem Tatverdächtigen zuzuordnen“, so König. So sind dann auch schon Fälle nach Jahren mit Hilfe der kleinen Papillarlinien aufgeklärt worden.

Die Maxime der Daktyloskopen im Dortmunder Präsidium: „Akribisch müssen wir in diesem wissenschaftlichen Bereich der Polizeiarbeit immer arbeiten, egal ob es sich um eine Beleidigung oder um Mord handelt.“

Andreas Winkelsträter

Kommentare
31.01.2012
14:43
Fingerabdrücke in Sekunden
von nothdurft | #1

und dann sind es doch Tage ?

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2012-01-25 18:32
Dortmund, Tatort, Kriminalistik, Fingerabdrücke, Kriminaltechnik
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