Filmender Frauenarzt immer noch nicht vor Gericht

Zwar war die Akte des Dortmunder Frauenarztes, der vor drei Jahren Patientinnen heimlich gefilmt und fotografiert hatte, schon beim Amtsgericht. Doch die Sachbearbeiter reichten sie jetzt zurück ans Landgericht. Das Verfahren wird sich weiter verzögern - wir erklären warum.

Dortmund.. Mehr als ein Jahr nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat gegen den inzwischen 54-jährigen früheren Dortmunder Frauenarzt, der Patientinnen heimlich filmte und fotografierte, reicht das Amtsgericht die Akte zurück ans Landgericht. Sie sei zu umfangreich für das Amtsgericht, erfuhr Dr. Gerhard Breuer, Sprecher des Amtsgerichts, von der zuständigen Kollegin.

Verhandlungstermin nicht in Sicht

Ob der Fall nun vor dem Landgericht verhandelt wird und dem - mit einem Berufsverbot belegten - Arzt damit theoretisch ein Strafmaß von über vier Jahren Haft droht, steht völlig in den Sternen. Es könnte ebenso gut sein, dass die Akte nach Prüfung durch das Landgericht an das Amtsgericht zurückgegeben wird, deutete Henner Kruse als Sprecher der Staatsanwaltschaft an.

Und damit ist ein Verhandlungstermin nach mehr als drei Jahren seit dem Auffliegen der heimlichen Filmerei des Gynäkologen weiter nicht in Sicht. Den betroffenen Patientinnen dürfte dies schwerlich zu vermitteln sein.

Angeklagt in mehr als 50 Fällen

Im Juni 2012 hatte die Polizei die Praxisräume des Frauenarztes in der Innenstadt durchsucht und jede Menge belastendes Film- und Fotomaterial beschlagnahmt. Zwei Jahre später, am 28. Mai 2014, erhob die Staatsanwaltschaft beim Schöffengericht Anklage gegen ihn.

Der Arzt wurde in mehr als 50 Fällen wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses angeklagt. In 58 Fällen wird er beschuldigt, durch seine heimlichen Bild- und Videoaufnahmen den höchstpersönlichen Lebensbereich seiner Patientinnen verletzt zu haben. Die ersten Aufnahmen datieren bereits aus 2010.