Feurige Leidenschaft für Dortmunds Theaternacht
05.09.2010 | 15:55 Uhr 2010-09-05T15:55:00+0200
Dortmund.Für die Kunst der Bühne begeistern, mit feuriger Leidenschaft - das sollte die Dortmunder Theaternacht auch in ihrer neunten Ausgabe. Tausende fanden sowohl Inspiration als auch Desillusion.
Dortmund feiert seine Theater. An der Pforte in der Kuhstraße ist man ständiges Kommen und Gehen gewohnt. Selten aber ist es so voll, dass die Menschen bis auf die Straße stehen. Sie alle wollen im Ballettsaal die Proben der Compagnie von Xin Peng Wang sehen. „Unten stehen fast noch 100, die rein wollen. Aber mehr packen wir nicht“, sagt Ballettsprecher Stefan Kriegl. Auf der Galerie und unten im Saal sitzen die Kulturfreunde und schauen auf die Tänzer, die in weiten Pullovern und dicken Puschen ihre Körper verbiegen. „Das machen wir auch jeden Morgen“, scherzt eine Theatermitarbeiterin. Als aber Ballettmeister Zoltan Ravasz das Training beginnt und die Tänzer in ausdrucksstarker Präzision folgen – da herrscht beeindruckte Stille.
Gespannt lauschen auch die vielen Besucher im Opernhaus, als Regisseur Markus Kupferblum ihnen erklärt, wer die vielen „Heinzelmännchen“ sind, die der Zuschauer sonst nie sieht. „Ohne die Technik wäre Theater nicht möglich.“ Der Technische Direktor Thomas Meissner freut sich, auch über das ungewöhnliche Bühnenbild: Eine riesige Schreibmaschine. „Das ist alles begehbar“, erklärt Meissner. Schauspieler Dominik Freiberger hopst auf der Leertaste entlang, singt ein schmalziges „Una fiesta sui prata“ – und lässt sich von einer Frau in High Heels mit „Verpiss Dich“ traktieren.
Kurzweil, Applaus und Abschluss am U-Turm
Das wäre auch das passende Lied für Molières „Menschenfeind“. Ein Stück, das das Ensemble des Fletch Bizzel vor ausverkauftem Haus zu einer kurzweiligen Komödie in der Gegenwart macht. Und dafür viel Applaus erntet.
Und nun ist endgültig die Nacht der Theater angebrochen, auf zum U, zum großen gemeinsamen Fest. Die erste große Enttäuschung: Das U ist geschlossen. Veranstalter Horst Hanke-Lindemann erklärt, dass diese Woche eine wichtige Baubesprechung ansteht – und die Theaternacht sollte die Arbeiten nicht gefährden. Die Massen verteilen sich also. Auf die Stufen vor dem U, wo sie Franziska Mense-Moritz und Sandra Schmitz bei derben Ruhrgebietsliedern lauschen. In das Foyer, um in Daria Nitschkes Märchen und intensivem Flamenco-Tanz zu versinken. Oder auch im Spiegelzelt, vor dem sich Schlangen bilden, weil Claus Dieter Clausnitzer Texte von Gerhard Polt liest und zwei neue Schauspielmitglieder als „Stützstrumpfjäger“ schräge Lieder singen. Weil das Zelt aber schnell voll und die Pforten zu sind, bleiben viele im Biergarten - und lauschen den beschwingten Zucchini Sistaz oder erleben die Performance von der Theaterwerkstatt im Depot, mit roten Stühlen und Koffern, ein Menschentag im Zeitraffer.
Als es Zeit wird für das große Abschlussevent, ist es doch noch nicht Zeit: Das Programm auf der großen Bühne hat sich verschoben; Bruno Knust soll erst noch seine Gags beenden dürfen. Unruhe auf der Leonie-Reygers-Terasse. Endlich beginnen die Evil Flames mit einer Show voller Flammen, Funken, feuriger Flügel, brennender Peitschen und skurriler Konstruktionen. Beeindruckende Bilder. Auf die sie sich hätten besinnen sollen: Die Dramaturgie stockt, der Versuch, das Geschehen mit Bedeutung aufzuladen, scheitert. Zuschauer schütteln die Köpfe und gehen. „Die Message kommt nicht so rüber“, sagt eine Frau. Und das ist im Theater nicht unwesentlich.
Kommentar
„Traumhaft schön“, fand Veranstalter Horst Hanke-Lindemann die Theaternacht. Aber auch Träume müssen sich an der Realität messen lassen: Die Stimmung auf dem großen Fest am U war diesmal nicht die, die man von anderen Theaternächten kennt. Sei es, dass das U - für viele ein Anziehungspunkt - doch nicht geöffnet war. Oder das Spiegelzelt immer wieder geschlossen wurde, was dem Fest ein wenig den sonstigen Charakter des Reinschnupperns nahm.
Nach langem Warten die Zuschauer dann auch noch mit einer dürftigen Dramaturgie zu konfrontieren, wo es ein Feuerspektakel getan hätte, verfestigte den Eindruck, dass es dem Theaterfest diesmal an lebendiger, inspirierender Atmosphäre mangelte. Vielleicht war die letzte Feier am U zu schön, um sie noch einmal wiederholen zu können. Schade.
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