Feuerwehr darf bei Notfällen keine Handys mehr orten

Weil Datenschützer den Missbrauch von Handydaten befürchten, darf die Feuerwehr verunglückte Mobiltelefon-Besitzer vorerst nicht mehr orten. Wer mit seinem Handy den Notruf 112 wählt und den Unglücks-Ort nicht kennt, muss auf Suchtrupps warten. Wir erklären die Hintergründe.

Dortmund.. Bis 2011 nutzte die Leitstelle der Feuerwehr an der Steinstraße ein Computerprogramm der Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden bei Stuttgart, um Mobiltelefone zu orten. Das konnte immer dann hilfreich sein, wenn Anrufer einen Notfall melden, aber den Unglücksort nicht nennen konnte.

Bei Herzinfarkten, Schlaganfällen, schweren Blutungen nach einem Unfall oder anderen Notlagen können Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Der Abruf der elektronisch übermittelten Geodaten kann die Suche nach einer verunglückten Person beschleunigen.

"Angst, dass die Daten missbraucht werden"

"Wir sind schon oft auf den Widerstand der Datenschützer gestoßen", berichtet Stiftungs-Sprecherin Anna Eberchart, "sie haben Angst, dass die Daten missbraucht werden könnten." Mit ihren Bedenken konnten sich die Datenschützer zunächst einmal durchsetzen.

Die Björn-Steiger-Stiftung stellte die Such-Software den Feuerwehr-Leitstellen in ganz Deutschland kostenlos zur Verfügung. Denn Björn Steiger, der Sohn der Stiftungs-Gründer, starb 1968 im Alter von 9 Jahren nach einem Verkehrsunfall an einem Schock.

Professionelle Hilfe kam viel zu spät. Die Stiftung unterstützt seit über 40 Jahren Ideen für einen effizienten Rettungsdienst. Inzwischen gibt es eine bundesweit einheitliche Notruf-Richtlinie und ein überarbeitetes Telekommunikations-Gesetz.

Neue Software

Die Dortmunder Feuerwehr hat deshalb den Kauf einer neuen Ortungs-Software ausgeschrieben. "Vielleicht können wir sie im ersten Quartal 2016 in Betrieb nehmen", sagte Feuerwehrsprecher Andr Lüddecke. Er betont das "Vielleicht".

Die Software lokalisiere nur die Funkzelle, in der sich der Anrufer befindet, aber nicht die genauen Koordinaten. Andr Lüddecke: "Im ländlichen Bereich kann so eine Funkzelle zwölf Quadratkilometer groß sein."

Die Björn-Steiger-Stiftung erprobt mit der Polizei in Hessen eine Software, die viel genauer arbeitet. Laut Anna Eberchart funken Datenschützer immer wieder dazwischen. Wegen dieser Datenschutz-Bedenken muss die Feuerwehr in Notfällen ohne technische Ortungs-Hilfe auskommen. Im Extremfall sterben die Opfer, weil sie nicht rechtzeitig gefunden werden.