Feucht-fröhliche Feier von BVB-Fans im Kreuzviertel und in der Westfalenhalle

12.000 beim zweiten Titel hintereinander: Beim Public Viewing in der Westfalenhalle Dortmund war die Stimmung unter den BVB-Fans meisterlich. Foto: Franz Luthe
12.000 beim zweiten Titel hintereinander: Beim Public Viewing in der Westfalenhalle Dortmund war die Stimmung unter den BVB-Fans meisterlich. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe
Was wir bereits wissen
Der Meister-Samstag in Dortmund bot mal wieder ein buntes Bild in der Stadt. Tausende BVB-Fans feierten die Titelverteidigung der Borussia bis Sonntag. Musikalisch, ausgelassen und vor allem feucht-fröhlich ging es im Kreuzviertel und in der Westfalenhalle zu. Hier ein paar Aussetzer, äh Auszüge.

Dortmund.. Ein ausgelassenes Zwischenspiel: Zwei Wochen nach dem Meisterstück gegen Gladbach und sieben Tage vor der Chance auf das Double feierte Borussia Dortmund mit seinen zahllosen Anhängern die Schale. In der ganzen Stadt jubelten Fans am Samstag bis zum frühen Sonntag mit dem Titelverteidiger. Hier ein paar Auszüge:

Wettergott ist Borusse

Letztlich ist der Wettergott auch Borusse: Drückte vor Spielbeginn der nervige Dauerregen doch etwas die sonst übliche Euphorie, war dies nach dem Spiel völlig egal. Es hatte aufgehört zu regnen und die Dortmunder hatten die Schale. Besser geht‘s nicht. Auch draußen konnte gefeiert werden. Die vielen Bierwagen, die Gastronomen im Kreuzviertel nach draußen gestellt hatten, waren dicht umlagert. Zudem: die ersten Kneipen wie das „Barrock“ waren schon mittags voll.

Fassungslos

Völlig fassungslos reagierten Verkäufer an den Devotionalien-Ständen auf die Frage nach der kultigen Pöhler-Kappe von Erfolgstrainer Jürgen Klopp. „Die ist doch schon seit Wochen ausverkauft.“ Also ehrlich...

Polonaise

Polonaise im Kreuzviertel: Um kurz vor 19 Uhr spielte vor dem B-trieb der Casino Express auf. Deren Hit „Rubbeldikatz“ setzte der ausgelassenen Stimmung noch eins drauf. Ein Lindwurm der Fans tanzte über Kreuz- und Große Heimstraße. Und die nächste Truppe ließ nicht lange auf sich warten: Die Steeldrummer von PanKultur kamen. Einmal mehr wurde auf der Kreuzstraße getanzt.

Die Schale

Wie später auch im Dreieck von „Taormina“, „Schönes Leben“ und „El Mundo“ am Neuen Graben: PanKultur kam vorbei, ansonsten unterstützte ein DJ mehrere Hundert Fans bei ihren Gesängen.

Und wie im letzten Jahr hieß es „Wir wollen die Schale sehen“. Und ein Mieter in der oberen Etage öffnete das Fenster und zeigte sie - seine große Obstschale. Ein Riesengejohle folgte.

Ein Schalker

Umlagert und gebremst wurde auch ein Wagen mit GE-Kennzeichen auf der Kreuzstraße. Gott sei Dank hatte er einen BVB-Aufkleber auf dem Blech.

Fan-Gesänge

Am stimmungsvollsten war es dort immer, wenn die BVB-Lieder angestimmt wurden. Mit voller Inbrunst wurde mitgesungen. Zum wiederholten Mal auch „You never walk alone“. Immer wieder, immer wieder.

Feier-Meister

Jörg war mit seinen Freunden aus Hagen zum Feiern gekommen. Schon immer Borussen-Fans. „Das ist unglaublich“, sagte er. „Und nächstes Wochenende bin ich schon wieder hier.“ Beispielsweise in der Westfalenhalle, die am 12. Mai erneut zum Public Viewing einlädt. Einlass zum kostenlosen Rudelgucken beim Pokalfinale ist ab 18 Uhr. Jörg meint: „Und wir werden wieder gewinnen.“

Meisterbus

Auf der Strobelallee fuhr um 14.05 Uhr der schwarz-gelbe Mannschaftsbus vor. Die Polizei bahnt sich als Eskorte einen Weg durch die Massen: „Vorsicht, bitte den Weg frei machen“, tönt es aus dem Lautsprecher des Polizei-Vans. Als der Bus mit dem Noch-Kennzeichen DO-DM-2011 einbiegt, jubeln die Fans. Einige halten Meisterschalen aus Pappe in die Höhe.

Borussia-Hits in der Westfalenhalle

In der Westfalenhalle 1 schmetterten die Fans ab 13 Uhr Borussia-Hits. Sängerin Dani thronte auf dem zweiten Oberrang und sang „Leuchte auf, mein Stern Borussia“. Zigtausende stimmen ein, und es werden noch mehr. Sicherheitshalber öffnet die Halle 4 ihre Pforten.

Am Ende waren insgesamt gut 12.000 Fans allein in den Westfalenhallen. Eine halbe Südtribüne. Und genauso war die Stimmung: Thorsten Rietz reiste mit fünf Freunden extra aus der Nähe von Hamburg an. „Der Verein und die Stadt bieten den Fans hier schon was“, sagte er. Sie alle waren von Kopf bis Fuß schwarz-gelb gekleidet. Eine Ballonhose mit etlichen BVB-Emblemen, Borussia-Trikot, darüber eine Jeansjacke mit Aufnähern und Ansteckern und selbst schwarzgelbe Kopftücher zieren die Nordlichter. Nächste Woche sind Thorsten und seine Freunde in Berlin. „Wir haben Karten für das Pokalfinale.“

Polonaise und BVB-Hits

Auf der Bühne heizte Moderator Frank Neuenfels mit Songs ein. Matthias „Kasche“ Kartner kam dazu und intonierte „Wer ist deutscher Meister? BVB Borussia“. Das Spiel hatte noch nicht begonnen, da waren die meisten Fans schon schweißnass. Früh versuchten sich die Fans vor der Bühne an einer Polonaise. Eine echte Meisterfeier vor der Übergabe der Schale.

Alte Namen und Stress für Verkäufer

Auf den Oberrängen ruhten sich manche zwischenzeitlich auf den Sitzplätzen aus. Zwischen den Götze-, Kuba- und Hummels-Trikots saßen auch einige fast Vergessene: Hajnal, Petric, Frei und Ricken stand auf diesen älteren Trikots. Ein „Hajnal“ hatte für sich und seinen Freund eine Lage Bier in die oberste Sitzreihe getragen. Hier sei die Sicht am besten, sagte er. Sein Sitznachbar kaufte von einem mobilen Verkäufer eine Brezel. Auch die waren besonders gefordert. „Dadurch, dass so viele Leute da sind und es fast nur Stehplätze gibt, ist es schwierig durchzukommen“, sagt Fabian, einer der Brezelverkäufer. „Aber es macht Spaß.“ Für den Fußball interessiere er sich weniger, verrät er.

Einzigartiger Gesang

Das sah bei den 12.000 Besuchern anders aus. Als das Spiel beginnt, startete ein einzigartiger Gesang. Denn während über die Lautsprecher und die Leinwand die Südtribüne zu sehen und hören war, stimmten die Fans in der Halle mit ein. Es wirkte wie ein einstudiertes Duett, das nur durch die frühe und deutliche Führung aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Oftmals war die Stimme des TV-Kommentators durch die Fangesänge nicht mehr zu hören.

Japanisches Kamerateam

In den ersten Reihen filmte ein asiatischer Kameramann vier Männer. Sie standen, die Arme um die Schultern gelegt, leicht schwankend vor der Kamera und sangen ihrem japanischen Helden zu Ehren: „Kagawa, Shinjiiiii!“

Junggesellenabschied

Mitten drin im Rund tauchte eine Gruppe von Männern auf, die einen Junggesellenabschied feierte. „Gibt es einen besseren Moment als heute, um zu feiern?“, fragte Michael Pfeffer, einer der Junggesellen. Seit elf Uhr tummelten sie sich an der Westfalenhalle. Anders als der BVB hatten sie für den künftigen Bräutigam noch einige Spiele vorbereitet.

Boden klebt vor Bierstand

Am Bierstand im hinteren Teil der Halle hatten die Servicekräfte alle Hände voll zu tun. Vor dem Wagen klebte der Boden. Als das zweite Tor für Dortmund fiel, gab es bei den Fans kein Halten mehr. Fremde sprangen zusammen Arm in Arm vor dem Bierstand in die Luft.

Für das Personal am Zapfhahn bedeutete dies eine kurze Verschnaufpause. Vom Spiel bekamen sie ohnehin nichts mit. „Das Dach ist im Weg“, sagt Frank. „Aber das darf uns eh nicht interessieren, selbst wenn die 20:0 gewinnen.“ Zwischenzeitlich sah es ja fast danach aus...

Feier-Fans

Gegen 17 Uhr wurde das Geschehen auf dem Rasen in ganz Dortmund nicht mehr so wichtig genommen: Die Fans in den Kneipen feiern sich gegenseitig. Und auch die Dortmunder wünschen den Freiburgern „Nie mehr zweite Liga“.

Unbelehrbare

Ärgerlich für die Mehrheit der Fans, dass ab der 80. Minuten wieder die Unbelehrbaren auf die Zäune an der Südtribüne kletterten. Bengalos und Böller wurden gezündet, das Spiel kurz unterbrochen. Da der Rasen doch rund zehn Minuten nach Abpfiff gestürmt wurde, blieb es eine seltsame distanzierte Feier zwischen den zehntausenden Vernünftigen und der Mannschaft.

Ruhe vor dem Jubelsturm

Auch in der Westfalenhalle wurde es nach dem vierten Tor für die Borussia merklich ruhiger. Allen schienen sich nun auf die Übergabe der Meistertrophäe vorzubereiten. Und als es etwa anderthalb Stunden später so weit war und Sebastian Kehl auf der Westtribüne des Stadions die Schale in die Luft reckte, gab es plötzlich auch in der Westfalenhalle kein Halten mehr. Als hätten 12.000 Menschen für die letzten Minuten die Luft angehalten. Tausende Arme strecken die Pappschalen in die Luft.

Welle machen

Im ersten Oberrang versammelte sich zum Schluss ein Dutzend Fans über der Tür zum Hauptausgang und verabschiedete jeden gehenden Fan mit einer kleinen Welle. Über ihnen hing eine gut zehn Quadratmeter große Fahne, unter ihnen liefen vier Fans mit ihren Fahnenstangen wild durch die Menge und feierten den Verein und sich selbst für die Saison.