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Feltz sieht Orchester als Platzhirsch

16.01.2013 | 19:00 Uhr
Feltz sieht Orchester als Platzhirsch
Im Opernaus erklärt Gabriel Feltz Theater und Konzertfreunden seine Vorhaben.Foto: Jörg Schimmel

Zu einer gemütlichen Plauderei hatte sich der designierte Generalmusikdirektor Gabriel Feltz am Dienstagabend im Theaterfoyer eingefunden. Trotz sympathischer Plauderei, blieb er vage, was die Dortmunder von seinem Programm erwarten dürfen.

Zu einer gemütlichen Plauderei hatte sich der designierte Generalmusikdirektor Gabriel Feltz am Dienstagabend im Theaterfoyer eingefunden. Doch wollte sich der Dirigent seinem Publikum nicht nur als Gast einer Gesprächsrunde vorstellen, sondern auch als Musiker: Bei Giuseppe Verdis Banquo-Arie aus der Oper Macbeth erwies er sich als aufmerksamer Klavierbegleiter. Danach stellte sich Feltz den Fragen von Prof. Michael Hoffmann, dem Vorsitzenden der Theater- und Konzertfreunde.

Zur musikalischen Biographie

. . . des neuen GMD: Sein Vater sei als Geigenprofessor sehr darauf aus gewesen, das Musikinteresse seiner Kinder zu wecken. Ein wenig Klarinette habe er neben dem Hauptinstrument Klavier gespielt, doch habe ihn auch Sport oder Geschichte interessiert. Das musikalische Schlüsselerlebnis sei dann nicht die vom Vater geschätzte Wiener Klassik, sondern Richard Wagners „Parsifal“ gewesen. Nach dem Studium und einer – wie Feltz es augenzwinkernd nennt – „Ochsentour“ als Korrepetitor und Assistent übernahm er als GMD das Orchester von Altenburg und Gera. „Heute entstehen Karrieren anders“, sagt Feltz mit Blick auf jüngere Kollegen, die er dadurch aber nicht abgewertet wissen möchte.

Zur Tätigkeit als GMD

. . . in Dortmund: Feltz machte klar, dass er sowohl bei den Philharmonischen Konzerten, als auch bei Oper und Ballett als Dirigent tätig werde – als GMD in Stuttgart betreute er in den letzten Jahren ein reines Konzertorchester. Allerdings konnte er in Basel als erster Gastdirigent bei zahlreichen Opernaufführungen mitwirken; jetzt freut er sich darauf, mindestens drei Opernproduktionen federführend einstudieren zu können.

Zur Programmgestaltung

. . . der Spielzeit 2013/14: Einen lockeren Gesprächston wählte Feltz und wusste die Sympathien der Zuhörer zu gewinnen. Inhaltlich blieb er hingegen vage; vorsichtig wurden allerlei Pläne angedeutet, doch Hoffmann hatte es mit einem geschickten „Diplomaten“ als Gesprächspartner zu tun, nicht nur bei der unvermeidlichen Frage nach seiner Meinung zum Regietheater. So scheint auch das Programm der ersten Spielzeit unter Feltz eine vorsichtige Annäherung ans Publikum zu sein – konkret nannte er das Programm des Eröffnungskonzertes mit Beethovens 6. Sinfonie („Pastorale“) und der „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Beim Musiktheater wolle er noch nichts verraten, insgesamt jedoch einen Schwerpunkt auf der spätromantischen Oper setzen und an die Wagner-Tradition des Hauses anknüpfen. Ebenso bleiben die „bewährten Reihen“ wie GMD Jac van Steen sie einführte inklusive Familienkonzerten und den „Wiener-Klassik-Konzerten“ erhalten.

Die „A-Frage“

Die Frage nach der Auslastung der Theater-Veranstaltungen wollte Hoffmann dem neuen GMD nicht ersparen. Feltz stellt sich vor, das Publikum ernst zu nehmen, indem man sich als städtisches Orchester als „Platzhirsch“ positioniert und programmlich von den „Reiseorchestern“ (im Konzerthaus-Programm) absetzt, aber zugleich Werke spielt, die die Zuhörer gerne hören. Das könnte auch mal eine Live-Stummfilmvertonung sein, oder, wie in der nächsten Spielzeit, Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in einer Aufführung ohne Dirigenten, so dass dem Orchester Verantwortung übertragen wird. Nicht zuletzt hat Feltz bereits die kommende Spielzeit unter enger Abstimmung mit dem Konzerthaus-Verantwortlichen geplant, so dass sich unnötige Doppelungen vermeiden lassen.

Die nächsten Schritte

Einige personelle Veränderungen im Team sind bereits auf den Weg gebracht. Feltz wird mit seiner Familie nach Dortmund ziehen. Da schrecken ihn auch nicht die „vielen Ballmetaphern“ ab, mit denen man in dieser Stadt konfrontiert werde.

Helmut Krokowski von den Theater- und Konzertfreunden zeigte sich zufrieden: „Herr Feltz macht einen kompetenten Eindruck und kann mit 41 Jahren bereits auf einen großen Erfahrungsschatz als Dirigent zurückgreifen.“ Er habe die Hoffnung, dass nun ein Dirigent einmal länger als fünf Jahre in dieser Stadt arbeiten dürfe – ein Wunsch, dem sich viele im Publikum gewiss anschließen würden.

Burkhard Sauerwald



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