Fehlzündung im blauweißen Verhältnis
22.10.2007 | 00:17 Uhr 2007-10-22T00:17:35+0200Die Liebe zu BMW bleibt, die Liebe zum Konzern indes hat bei Helmut Wüstenhöfer stark gelitten. Die Münchener haben "Wüdo" zum 1. Februar 2008 den Händlervertrag gekündigt. Das, was bei manchem eine Krise auslösen würde, bringt ihn nicht ins Schlingern. E
Pünktlich zum 60. Geburtstag erreichte Wüstenhöfer die Nachricht. Eine, die er zwar so nicht erwartet hat, die aber "eine fällige Entscheidungshilfe für eine Fragestellung ist, die wir schon mehrere Jahre vor uns her geschoben haben". Wüstenhöfer gilt als Kritiker der Vertriebspolitik von BMW. Grund u.a.: Das Unternehmen knebele die Händler mehr und mehr.
Ihn störte noch nicht mal, dass BMW ein Motorradgeschäft in ihre lokale Niederlassung eingegliedert hat. Er ist nach 25 Jahren in Eving 2000 nach Holzwickede ausgewichen - gegenüber vom vom Flughafen hat er 1,2 Mio. Euro investiert. Wohl wissend, "dass immer dort, wo Niederlassungen aufgemacht worden sind, dem kleinern Händler gekündigt worden ist". So war er zwar woanders - aber in erreichbarer Nähe für die Boxer-Gemeinde.
Ihn stört, wie der Konzern die Käuferschaft einschätzt, zu welchen Aktionen er die Händler zwingt. BMW rüste die Modelle oft mit überflüssigem Schnickschnack aus, der die Kräder immer teurer mache. "Warum sollen die Fahrer sich nicht mal bücken, um den Ölstand oder die Luft zu prüfen - nein, es muss ein Bordcomputer sein." Die Verkaufszahlen sänken, vor zehn Jahren habe er noch 120, zuletzt aber nur noch 90 neue Kräder verkauft. Ein defizitäres Geschäft - vor allem, wenn man betrachte, was man andererseits ausgeben müsse.
Händler fühlen sich ausgebremst
Die Händler fühlten sich ausgebremst, wenn BMW von ihnen die Einrichtung von "Biker's-Bars" verlangt, die Anschaffung teurer Außenkennzeichnung für die Werkstätten. Selbst Prospekt-ständer würden vorgeschrieben. Das ganze Gediegene: "Wer soll das bezahlen", fragt er - und warum? Das alles rücke Biker immer weiter in die Nähe von Autofahrern.
Er konzentriert sich jetzt auf den Handel mit gebrauchten Maschinen (auch anderer Marken), Reparaturen und den weltweiten Vertrieb des von ihm entwickelten BMW-Zubehörprogramms. Er führt weiterhin Inspektionen bei Neufahrzeugen durch. "Das Wissen ist mit der Kündigung ja nicht flöten gegangen", meint er. Er nimmt nun Quads auf BMW-Basis mit ins Programm - was der Konzern argwöhnisch betrachte. Blau-weiß bleibt ihm also ins Herz gesenkt, und schlagen tut es immer noch wie ein Boxer.
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