Fatale Selbstdiagnosen mit Dr. Google
10.05.2010 | 21:09 Uhr 2010-05-10T21:09:00+0200
Dortmund. „Ich hab' im Internet geguckt - und da steht was von Krebs!” Dortmunds Ärzte müssen immer öfter Patienten beruhigen, die mit einer dramatischen Selbstdiagnose in die Sprechstunde kommen. Google macht's möglich. Aber die Suchmaschine hat längst nicht immer recht.
Früher gingen kranke Menschen zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen. Heute bringen die Patienten oft gleich die fertige Diagnose mit, fein säuberlich ausgedruckt. Der Suchmaschine „google” im Internet sei Dank. Das erfreut nicht immer die Hausärzte, zumal die selbst gestrickten Diagnosen meist dramatischer ausfallen als der ärztliche Befund.
Wer Brust und Schmerzen eingibt, ist nur noch einen Mausklick von Brustkrebs entfernt. Magenschmerzen münden schnell bei Magenkrebs. Und die Lymphknotenschwellung ist natürlich auch durch eine bösartige Krankheit und nicht die harmlose Erkältung verursacht.
Schlimme Selbstdiagnosen
„Die Leute kommen hier mit den schlimmsten Diagnosen an”, weiß Dr. Hermann Sons, Dortmunder Arzt für innere Medizin. „Ich hab' im Internet geguckt”, gestehen ihm Patienten mit Panik in den Augen. „Da steht 'was von Krebs”, kommen sie mit der schlimmen virtuellen Diagnose herüber. „Es ist komisch”, findet Sons, „gerade bei den Ängstlichsten ist die Internetsuche nach Krankheiten am verbreitetsten.” Dabei sei das Internet so aufgebaut, dass der Suchende zuerst bei schwersten Krankheiten lande. Er müsse alle Kunst der Überzeugung aufbringen, um die eigene Dia-gnose zu vermitteln, die zumeist harmloserer Natur ist.
„Das Problem ist die Bewertung der Befunde”, bestätigt Dr. Karl-Josef Scholl. Auch seine Patienten kämen manchmal geradezu aufgelöst in die Praxis, weil sie sich zuvor durch wilde Vermutungen in zweifelhaften Foren aufgeschaukelt hätten. Die Selbstdiagnosen hält er eher für einen Fluch des weltweiten Internets. Den Kranken fehle schlicht das Wissen. „Mit Tumor meinen Mediziner zum Beispiel nur eine Schwellung, ein Abszess. Für den Patienten ist es aber gleichbedeutend mit Krebs”, so Scholl.
"Hausflurberatung"
Patienten, die mit zehn säuberlich ausgedruckten Seiten aus dem Internet in die Sprechstunde kommen, kennt Hausarzt Dr. Ulrich Schmidt-Rosenbaum aus Eving eher von den Erzählungen der Kollegen. Im Dortmunder Norden - zumal bei den älteren Patienten - sei das „Googeln” noch nicht sehr ausgeprägt. Verbreitet dort dafür eine nicht minder lästige „Seuche”, die der Mediziner „Hausflurberatung” nennt.
„Die Nachbarin weiß alles immer ganz genau”, so Schmidt-Rosenbaum. Und die Kranke macht sich deren Laien-Diagnose zu eigen, anstatt auf die medizinische Kompetenz des Hausarztes zu vertrauen. „Sie gehen doch auch nicht in eine Werkstatt und sagen dort ,meine Nockenwellenbeleuchtung ist kaputt'”, leistet der Arzt Überzeugungsarbeit. Auch bei der „Flur-Diagnostik” werde eher dramatisiert, so die Erfahrung des Mediziners.
Seriöse Informationen
Im Dschungel der Informationen berät auch eine Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung. Am anderen Ende sitzt unter anderem Dr. Marion Wüller, die eine differenzierte Meinung zum Thema Diagnose aus dem Internet hat. Nicht alles laufe auf dem primitiven Chatroom-Niveau ab. „Es gibt durchaus auch qualifizierte Seiten”, sagt sie und verweist auf die Stiftung „Health on the net” (Gesundheit im Netz), deren Startseite unter www.hon.ch zu finden sei. Diese Stelle vergebe ein Gütesiegel, das auf qualifizierten Medizinseiten zu finden sei.
Entscheidend sei, dass ein Kranker die Symptome richtig deuten könne. Und da sei im Zweifel der Arzt der richtige Ansprechpartner, „denn der hat das Fach studiert”.
16:50
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01:29
Magenschmerzen münden schnell bei Magenkrebs
Mal abgesehen vom Rechtschreibfehler - dieselbe WAZ, in deren Portal dieser Satz erscheint, lässt im hauseigenen WAZ-Medizinforum am 25.09.09 folgenden Satz münden:
Ganz wichtig sei es, die Geschwüre so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln. „Bauchbeschwerden sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden” , sagte Dr. Klaus Mönkemüller
Tja, liebe WAZler, was sollen denn jetzt eure Leser machen?
23:14
Erstens stellt Google keine Diagnosen. Zweitens empfiehlt Google keine Behandlungsmethoden. Drittens werden auch keine Heiler und sonstiges bei Google angepriesen.
Google verweist lediglich auf Links, hier kann sich jeder selber und eigenverantwortlich informieren.
Übrigens indirekt verdanke ich Google, dass ich hier heute Abend noch sitze und diesen Kommentar schreiben kann. Habe ich doch vor 4 Jahren, nach einer zunächst erfolglosen Krebsbehandlung, über das Internet, über Google, die Klink gefunden, die mich nach angstvollen 6 Monaten endlich erfolgreich behandeln konnten.
14:11
Für dieses Phänomen gibt es einen eigenen Begriff: Cyberchondrie.
13:24
Ich kann mir das Prima vorstellen...als Beispiel gebe ich stechender Schmerz Atmung Seite ein...der erste Treffer ist vermutlich eine nahezu tödliche Diagnose, also suche ich weiter in dieser Richtung. Und finde immer mehr Symptome die angeblich zutreffen. Natürlich hab ich mich schon seit 14 Tagen schlappe gefühlt...usw. Aber das allereinfachste, was Google usw. nicht kann... Was Google nicht weiss, ich hab ne leichte, kaum merkbare Grippe gehabt, war joggen und hatte dann wegen falscher Atmung Seitenstechen...was dann die Diagnose an 5. Stelle der Google-Ergebnisliste gewesen wäre... In solchen Zeiten möchte ich kein Arzt sein...
12:59
Mit Google findet man viel Wissen ohne viel Aufwand. Ist schon ne super Sache.
12:45
Was soll denn schon wieder dieses Google-Bashing? Google sagt gar nichts zu Krankheiten, sondern zeigt bei entsprechender Eingabe in die Suchmaske Webseiten an, die Informationen anbieten. Mehr nicht.
12:30
Manche Ärzte sind auch nicht besser als Google.
Ein Vertretungsarzt hat einen Kollegen wegen Nachtschweiß und schlechten Blutwerten zum Onkologen geschickt und was kam dabei raus....eine simple Erkältung.
Der Kollege ist seitdem total unruhig sobald er eine Erkältung oder andere Probleme hat.
11:51
Besonders schlimm ist es im Bereich der Tiermedizin. In den Hundeforen tummeln sich die selbsternannten Experten nur so und verteilen Ratschläge, die an Absurdität mitunter nicht mehr zu überbieten sind. Ein Großteil dieser Hobbymediziner besteht aus gelangweilten Hausfrauen, die bei jedem Pickel am Po ihres geliebten Haustieres sofort stundenlang alle möglichen Krankheiten auf Google absuchen und am Ende tatsächlich glauben, sie wüssten Bescheid. Aber damit nicht genug: Sie verspüren dann auch noch den starken Drang, ihr angelesenes Halbwissen in Form von Ferndiagnosen unters Volk zu bringen. Mit tun die armen Ärzte leid, die sich mit solchen durchgeknallten Patienten rumärgern müssen.
11:38
Bei Google wird man mehr richtige Informationen finden als bei einem einzelnen Arzt, nicht wahr die Herren Götter in düster weiß?