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Fans und Spieler brauchen Urlaub

17.12.2012 | 12:56 Uhr
Fans und Spieler brauchen Urlaub
Fan-Proteste auf der Südtribüne.Foto: Lars Baron

Dortmund.   Wie schreibt man eine Kolumne aus der Sicht eines Fans, wenn man selbst nicht weiß, was es in der heutigen Zeit überhaupt noch bedeutet – „Fan“ zu sein? Die Borussia hat ein wichtiges Pokalspiel vor der Brust und als Fan fragt man sich: „Singen oder schweigen?“

Borussia Dortmund schickt sich an, das Kalenderjahr 2012 mit einer erfolgreichen Betriebswoche zu beenden. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Hinrunde feierte der Deutsche Meister einen unspektakulären aber verdienten 3:1 Auswärtssieg in Hoffenheim. Drei Tage vor dem letzten Leistungstest des Jahres - dem Pokal-Achtelfinalheimspiel gegen Hannover 96 – belastet aber nicht die zeitweilig etwas pomadige Spielweise der Klopp-Elf in Sinsheim, sondern weiterhin das DFL-Sicherheitskonzept die Fan-Seele.

Wie schreibt man eine Kolumne aus der Sicht eines Fans, wenn man selbst nicht weiß, was es in der heutigen Zeit überhaupt noch bedeutet – „Fan“ zu sein? Dass am Mittwoch in Frankfurt verabschiedete Sicherheitskonzept der DFL liegt uns allen weiter schwer im Magen und ausgerechnet bei der Suche nach Antworten wartet schon das nächste, wichtige Spiel. Die nächsten 90 Minuten Borussia.

Singen oder Schweigen? Pfeifen oder Klatschen? Wer weiß schon, was heute richtig ist? Gilt man als Netzbeschmutzer, wenn man sich am 90-minütigen Boykott der Ultragruppierungen aus Sorge um die sportlichen Ziele nicht beteiligt? Gilt man überhaupt noch... also als Fan im herkömmlichen Sinne?

Interessiert irgendwen eigentlich noch, was ich, der Fan, so denke und mache? Herr Watzke? Herr Rauball? Bei allem Respekt. Der Fan steht derzeit bundesweit im Regen. Auch weil es sein Verein – unsere Borussia – deutlich verpasst hat, im Vorfeld der letzten Woche eindeutiger Stellung zu beziehen und nach draußen zu kommunizieren, für welche Werte man steht, welche Anträge man verteidigt und welche man doch gern zum Wohle der betroffenen Anhängerschaft optimieren möchte. Das alles ist erst dann geschehen, als es um das gesamte Konzept und damit auch um uns Zuschauer geschehen ist.

Wieso genau diese Art der Transparenz wichtig ist, haben wir am Wochenende alle eindrucksvoll erfahren können. Die Fans in Deutschlands Stadien sind gespalten in der Frage, wie man denn als Zuschauer in diesen Tagen zu reagieren hat, angesichts der Steilvorlage aus Frankfurt am Main, Anno 12.12.12.

Wenn man mich fragt: Dann bitte weiter laut und kreativ, statt ruhig und gespenstisch, wie am Sonntag in Hoffenheim. Dort schwieg der Anhang des BVB über 90 Minuten und machte die traditionell überschaubar schlechte Stimmung in der Rhein-Neckar Arena noch ein ganzes Stück weit katastrophaler. Auf perfide Weise passte es vielleicht zur Grundstimmung in den Fankurven der Republik, doch gerade jetzt laufen die Fans Gefahr, es mit dem Boykott zu überstrapazieren beim Gros der normalen Fans. Wie trostlos unsere Stadionwelt aussieht, wenn Fans schweigen, haben die deutschen Fanszenen jedem Funktionär, jedem Zuschauer, jedem Verein und jedem Pressevertreter in den vergangenen Wochen mit den immer wiederkehrenden 12 Schweigeminuten eindrucksvoll zu verstehen geben. Genau jetzt wäre es eigentlich an der Zeit zu beweisen, dass man keinerlei Angriffsfläche für die exemplarische Anwendung eben jenes strittigen Papiers bietet.

Es wäre daher unsererseits fatal, mit einem weiteren Boykott am Mittwoch im Pokal-Heimspiel gegen Hannover einen Keil in das eigene Fanlager zu treiben. Zumal der BVB – und damit wären wir im sportlichen Teil dieser Kolumne angelangt – am Sonntag in Hoffenheim gezeigt hat, dass er gerade jetzt jegliche Unterstützung von den Rängen bitter nötig hat! Das Team von Jürgen Klopp lechzt am Ende einer langen und nervenaufreibenden Hinrunde nach einer Ruhepause. Und obwohl wir schon heute dank Double-Sieg und Champions-League auf das erfolgreichste Jahr in der fast 103-jährigen Vereinshistorie von Borussia Dortmund zurückblicken dürfen, entscheidet sicherlich auch das Ergebnis am Mittwoch über die „Grundstimmung“ unter dem schwarz-gelben Weihnachtsbaum.

Es wäre ein weiterer großer Erfolg für den BVB, wenn er mit einem Sieg gegen Hannover auch im dritten laufenden Wettbewerb auf Kurs bleiben könnte. Ein möglicher Einzug in das Pokal-Viertelfinale würde deutlich unterstreichen, dass die Dortmunder mit der Ausbeute in der zweiten Jahreshälfte ungeachtet des erheblichem Rückstandes auf Spitzenreiter München durchaus zufrieden sein dürfen.

(17.12.12 – Christoff Strukamp – die-kirsche.com)

Christoff Strukamp



Kommentare
19.12.2012
12:49
Fans und Spieler brauchen Urlaub
von Zimmermann1 | #6

Ich kann verstehen, wenn Fans sich über Kontengentierungen bei Auswärtsspielen, aufregen und die Abschaffung der Sitzplätze fürchten.
Welche Auswirkungen das haben kann, das haben wir erst jüngst bei dem traurigen Support der City-Fans gesehen. Deren Block wirkte so wie der einer Mannschaft aus dem Ostblock vor 25 Jahren.
Ich kann auch verstehen, wenn jungen Leuten - daraus besteht ja ein großer Teil der Ultra-Szene - erst einmal ein Dialog mit der Polizei suspekt ist und man in dem Alter erst einmal Contra gibt. Aber jetzt ist ein Punkt erreicht an dem mal befürchten muß, das der Disput radikaler wird, weil bestimmte Fangruppen auch politisch gesteuert werden.
Ich kann bespielsweise die Sprechchöre gegen das Stadionverbot überhaupt nicht verstehen. Wenn Neonazis oder Randalierer (dazu zähle ich auch Leute die Böller oder Pyro in die Menge schmeißen) wieder ins Stadion dürften, wäre das fatal. Hinter 12:12 stecken so viele Interessen, die ich nicht unterstützen kann. Also feuert an!

17.12.2012
21:49
Fans sollten einfach mal nachdenken und auf die Katatrophe 1985 in Brüssel zurückblicken
von haraldbeisemann | #5

Ich habe zwar eine Dauerkarte auf Schalke, mag jedoch auch den BVB seit meiner Jugend. Und die Stimmung im Stadion, ebenso wie die auf Schalke. Dem Grunde nach, und deshalb nervt die ganze Diskussion zwischenzeitlich, wäre ein Sicherheitspapier überflüssig, wenn sich die sogenannten Fans an sportliche Regeln und Gesetze gehalten hätten. Jeder weiß, was damit gemeint ist. Keine Kloppereien, keine Bengalos. Ich war letzte Woche in Brüssel und natürlich auch mal wieder im Heysel-Stadion (heute König-Baudouin-Stadion) und am Denkmal für die 39 toten Fußball-Fans aus dem Jahr 1985. Beim Endspiel um den Landesmeisterpokal randalierten seinerzeit die Fans aus Turin aber insbesondere die sogenannten Fans aus der Hooligan-Szene vom FC Liverpool und neben den Toten gab es auch 400 teils schwer verletzte Menschen. Danach wurde England von europäischen Wettbewerben über Jahre ausgeschlossen, die Sitzplatzstadien eingeführt. Muss es in Deutschland auch soweit kommen? Also einfach Stimmung machen...

17.12.2012
19:23
Fans und Spieler brauchen Urlaub
von bladimeri | #4

Die Fan-Anzahl dürfte ab dem kommenden Jahr sowieso sinken, denn Karten sind sowieso nicht für alle. Und wenn jetzt noch die Audio-Rechte durch die DFL verkloppt werden (siehe bundesliga.de), wird das Interesse für Fußball sinken. Dann wird es durch SKY und Co. ohnehin nur noch etwas für die Besser verdienenden sein. Es geht doch nur noch um Kohle - und das ist schlecht und schadet dem Sport!

17.12.2012
16:00
Fans und Spieler brauchen Urlaub
von Suedborusse74 | #3

Das Ganze nimmt doch irgendwann keiner mehr ernst. Fans feuert eure Mannschaft an. Randale und Pyro braucht kein Mensch und wenn Ultras sich ohne nicht wohlfühlen, dann sollen sie zu hause bleiben. Solche Fans braucht niemand, man siehe nur den Mist bei der Meisterehrung. In den 80er und 90 Jahren hatten wir auch tolle Stimmung auch ohne diese Super Ultra Fans. Was verschlechter sich denn mit dem neuen Konzept, Recht und Gesetz galten immer im Stadion und wer sich korrekt verhält braucht auch keine Vermummung. Also Ultras entweder wieder zum Verein stehen oder zu Hause bleiben. Und vor allem.....ohne Watzke und Rauball hättet ihr gar keinen BVB 09 mehr.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.12.2012
15:05
@conzon09 | #1
von vaikl2 | #2

Genau. Damit die ganze Nation mitbekommt, welche Fans überhaupt begriffen hatten, um was es die letzten Wochen ging, welche Fans überhaupt einen Dialog wollten und welche "Fans" sich eigentlich nur über ein bisschen Theaterdonner und nutzlose Bambule definieren.

1 Antwort
Fans und Spieler brauchen Urlaub
von conzon09 | #2-1

fährst du zu Auswärtsspielen?

17.12.2012
13:59
Fans und Spieler brauchen Urlaub
von conzon09 | #1

Mittwoch wieder 12.min.12 schweigen- dann VOLLGAS!!!

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