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Fans suchen Dialog mit Vereinen und planen weiteren Protest

12.12.2012 | 18:52 Uhr
Rund 2000 BVB-Fans zogen am Samstag durch Dortmund. Sie demonstrierten für den "Erhalt der Fankultur".Foto: Foto: Stefan Reinke/WNM

Dortmund.  Die DFL hat mit großer Mehrheit das Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" verabschiedet. Fans fürchten, dass nun Kollektivstrafen wie verkleinerte Kartenkontingente in den Liga-Alltag Einzug halten. Darum wollen sie ihren Protest fortsetzen, erklärt Fanvertreter Jakob Scholz im Interview.

Das Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" wurde von der DFL angenommen. Auch die umstrittenen Punkte, wonach Vereine auf eigene Initiative einzelne Spiele als Risikospiele definieren und das Kartenkontingent für Gästefans verringern können, wurden verabschiedet. Fanvertreter wollen weiterhin den Dialog mit den Vereinen suchen und gegen die beschlossenen Maßnahmen protestieren.

Wir sprachen mit Jakob Scholz, Vertreter der Fans von Borussia Dortmund und einer der Sprecher der Organisatoren der Fan-Demonstration vom vergangenen Samstag in Dortmund.

Herr Scholz, wie und wann haben Sie von der Entscheidung der DFL erfahren, das Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" in allen Punkten anzunehmen?

Jakob Scholz: Ich habe einen Ticker verfolgt und da zeichnete sich relativ früh ab, dass das komplette Papier durchgeht. Das war sehr enttäuschend und traurig in meinen Augen. Aber jetzt müssen wir schauen, dass wir mit dem, was wir da haben, vernünftig weiterarbeiten können.

Was ist eigentlich das Schlimme an der Entscheidung? Richtig strittig waren doch nur die Anträge 11 und 14, in denen es um die Begrenzung der Kartenkontingente für Gästefans und die Möglichkeit der Vereine, einzelne Spiele zu Risikospielen zu erklären .

Video
Dortmund, 08.12.12: Rund 2000 Fans von Borussia Dortmund nahmen an der Demo für den Erhalt der Fankultur teil. Dabei zogen sie vom Platz der alten Synagoge am Stadtgarten zum Max-Ophüls-Platz in Richtung Stadion.

Scholz: Das sind auch die Punkte, die uns da weiter stören. Ärgerlich ist aber auch, dass die Einbeziehung von Fanvertretern in die Arbeit der Kommission "Sicheres Stadionerlebnis", sie ja offenbar weiterarbeiten wird, immer noch als "gegebenenfalls" deklariert ist. Man lässt sich also offen, ob man Fanvertreter einbezieht. Antrag 11 hätten wir natürlich am liebsten geändert oder ganz gestrichen. Aber das, was jetzt beschlossen wurde, ist noch schwammiger als das, was vorher dort stand.

Was befürchten Sie jetzt konkret als Folge für Fans?

Scholz: Erst einmal nichts. Ich denke, es liegt jetzt an den Vereinen, das Konzept umzusetzen. Das DFL-Konzept lässt aber sehr viel Raum. Deswegen setzen wir jetzt darauf, weiter mit dem Verein im Dialog zu bleiben. Ich hoffe, dass unser Verein vernünftig mit dem umgeht, was da jetzt vorliegt. Ein Großteil des Konzepts ist ja schon umgesetzt. Speziell bei den Punkten aus Antrag 11, bei denen es um Gästefans und die Einstufung von Risikospielen geht, sind jetzt die Vereine gefordert, individuelle Lösungen zu finden. Da sind auch alle Fanvereinigungen in Deutschland gefragt.

Werden denn zeitnah Gespräche geführt werden? Am Sonntag spielt der BVB in Hoffenheim - besteht da die Gefahr, dass es seitens einiger Fans zu einer Reaktion kommt?

Scholz: Zu befürchten steht's. Ich hoffe aber, dass der Protest weiter in der Art und Weise fortgesetzt wird wie bisher, nämlich mit den vernünftigen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen - wie bei den Demonstrationen am vergangenen Wochenende oder der Website www.ich-fuehl-mich-sicher.de . Wir werden vor dem Hoffenheim-Spiel mit dem Verein sprechen, das ist schon anberaumt, damit im Vorfeld eine gewisse Klarstellung erfolgen kann. Das war heute, auch wenn Rauball es andersherum gesagt hat, eine Showveranstaltung für die Politik. Die Politik dürfte jetzt zufrieden sein und wir können endlich sachlich mit den Vereinen über das Konzept sprechen.

Die Debatte ist dennoch sehr emotional. Bei den Ultras gibt es gemäßigte und eher hitzköpfige Vertreter. Was bedeutet die Entscheidung für deren Verhältnis?

Scholz: Menschen reagieren immer unterschiedlich, wenn sie für eine Sache gekämpft haben und dann so vor den Kopf gestoßen werden, wie uns das heute widerfahren ist. Wir müssen jetzt schauen, dass die gemäßigten Leute, diejenigen mitnehmen, die eventuell zu einer Überreaktion neigen und den Protest so fortführen wie bisher. Wenn am kommenden Spieltag überreagiert würde, würden man denen in die Karten spielen, die die ganze Zeit schon sagen, ein Stadionbesuch in Deutschland sei nicht sicher.

Demnach steht jetzt erst einmal Kommunikation in alle Richtungen im Vordergrund?

Scholz: Das Telefon glüht heute. Wir müssen jetzt sehen, dass wir wieder alle Fans mitnehmen und nicht mit gespaltener Zunge reden und am Ende Ultras und andere Fanclubs unterschiedliche Stellungnahmen abgeben.

Wie könnte der Protest jetzt weitergehen? Die Schweigeaktion könnte sich allmählich abnutzen.

Scholz: Ich kann mir vorstellen, dass es die Schweigeaktion noch einmal gibt. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Spiele komplett boykottiert werden . Da muss man aber sehen, wie die Akzeptanz ist. Das vermag ich jetzt noch nicht einzuschätzen, dafür ist die Entscheidung noch zu frisch.

Demo für die Fankultur

Stefan Reinke

Kommentare
15.12.2012
04:24
Fans suchen Dialog mit Vereinen und planen weiteren Protest
von BVBDauerkarte | #7

Wir können froh sein, dass die Vereine ein Sicherheitskonzept erstellt haben.
Wenn dieses nicht enwickelt worden wäre, hätten die Innenminister der...
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/fans-suchen-dialog-mit-vereinen-und-planen-weiteren-protest-id7388583.html
2012-12-12 18:52
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