Fans starten Online-Portal zu Sicherheit im Stadion
01.11.2012 | 12:05 Uhr 2012-11-01T12:05:00+0100
Dortmund. Eine Debatte über Sicherheit in und um Fußballstadien jagt die andere. Jüngst stand das DFL-Konzept "Sicheres Stadionerlebnis in der Kritik. Den Ball nehmen nun einige Fußball-Fans auf und starten das Online-Portal "Ich fühl mich sicher".
Wie sicher sind Fußballstadien? Glaubt man manchen deutschen Ministern und Polizeigewerkschaftern, ist der Fußball zum Hort der Gewalt verkommen. Befeuert wurde diese Ansicht noch durch die Ausschreitungen beim 141. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke.
Eine Gruppe Fußballfans möchte nun darauf aufmerksam machen, dass Fußballstadien sehr wohl sichere Orte seien. Die Darstellung in Medien und Politik sei jedoch einseitig auf Gewalt fokussiert. Die Fans proklamieren: "Ich fühle mich sicher" und haben dazu die Internetseite www.ich-fuehl-mich-sicher.de ins Leben gerufen.
"Wir wollen der schweigenden Mehrheit der Fans eine Plattform geben", erklärt Arne Steding vom BVB-Fanzine schwatzgelb.de den Gedanken hinter der Webseite. Schließlich bekämen die allermeisten Fans, die Woche für Woche in die Stadien pilgern, von Gewalt gar nichts mit. "Im Stadion tobt nicht der Mob", so Steding. Den Fans gehe es nun auch darum, die Deutungshoheit über das Thema Sicherheit nicht den Innenministern und Polizeigewerkschaftern zu überlassen, sondern denen, die wöchentlich hautnah erleben, wie es in deutschen Stadien zugeht: stimmungsvoll, aber friedlich.
Gewalttäter dürfen nicht die Wahrnehmung bestimmen
Natürlich könne niemand verhehlen, das es rund um den Fußball Gewalt gebe, sagt Steding. Doch der BVB-Fan und seine Mitstreiter wollen die Relationen geraderücken: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Gewalttäter das Bild und die öffentliche Wahrnehmung bestimmen", fordert er. Die Diskussion über Gewalt müsse versachlicht werden, um Gewalttaten klar benennen und verurteilen zu können. Durch pauschale Verurteilungen und Sicherheitskonzepte, denen sich alle Fans unterwerfen müssten, fühle man sich jedoch als harmloser Fan "mit Gewalttätern in einen Topf geworfen."
Auf der Webseite sind nun Fans aus ganz Deutschland aufgerufen, sich in eine Liste einzutragen, um zu demonstrieren, dass die einzige Angst, die sie im Stadion haben, die ist, dass ihr Verein verlieren könnte. "Lasst uns ihnen (den Innenministern, Anm. d. Red.) und unseren Vereinen und Verbänden demonstrieren, dass wir unsere Spielstätten und den Fußball lieben, so wie sie sind. Dass wir Wochenende für Wochenende keineswegs ängstlich das Stadiontor durchschreiten", heißt es auf der Seite.
Fans aller Vereine sollen sich beteiligen
Die Macher betonen auch, dass das Projekt vereinsunabhängig sein soll und hoffen auf rege Beteiligung von Fans anderer Klubs. Zwar müssten die Fans Daten wie Name, Alter, Postleitzahl und Wohnort angeben, aber Steding versichert: "Wir reichen die Daten nicht weiter." Auch der Nachname kann auf Wunsch verschlüsselt dargestellt werden.
14:45
Vielleicht ganz nett gedacht, die Aktion - in der Tat wird oft übertrieben in der Berichterstattung. Das Signal, das die Website jetz aber aussendet verfehlt völlig den Zweck: es klingt ganz nach Verdrängung und Verharmlosung - egal ob gewollt oder nicht. Das dürfte der Debatte wohl kaum helfen.
ich verstehe die Aktion so, dass eben genau dem entgegen gewirkt werden soll.
Dass man wieder zu einer differenzierten Betrachtung der Dinge kommt.
Und nicht vorverurteilt und verallgemeinert.
Meiner Meinung nach findet doch genau das statt.
Wenn man nämlich mal die nüchternen Zahlen betrachtet, ist ein Besuch des Oktoberfestes weit gefährlicher als der Besuch eines Bundesligaspiels.