Familienstreit mit Kopfstoß am Spielautomat endet vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Dortmund wurde ein Familienstreit in einer Kneipe rekonstruiert. Damals gab es einen Kopfstoß vorm Spielautomaten.
Vor dem Amtsgericht Dortmund wurde ein Familienstreit in einer Kneipe rekonstruiert. Damals gab es einen Kopfstoß vorm Spielautomaten.
Was wir bereits wissen
Mit einem kräftigen Kopfstoß soll ein 54-Jähriger in der Dortmunder Kneipe „Sternkieker“ den ungeliebten Ex-Freund der Tochter schachmatt gesetzt haben. In dem Prozess vor dem Amtsgericht wurde deutlich, wie sehr die Fronten in dem Familienstreit verhärtet sind.

Dortmund.. Mit gleich zwei blauen Augen verließ ein Gast am 4. März tief in der Nacht die Kneipe „Sternkieker“ in Hörde. Kurz zuvor hatte ein schon langer schwelender Familienstreit seinen traurigen Höhepunkt in der Pinte erreicht. Stammgast Willi (54), wie ihn seine Freunde nennen, hatte laut Anklage dem früheren Lebensgefährten seiner Tochter einen kräftigen Kopfstoß gegeben..

Und so landete Willi nach langer Zeit wieder einmal auf der Anklagebank, was ihn sichtlich erschütterte: „20 Jahre lang habe ich mir nichts zu Schulden kommen lassen, und jetzt das“, sagte er aufgewühlt. Zwar könne er sich wegen diverser Bierchen an nichts erinnern, aber ganz bestimmt sei er völlig unschuldig. Was der Ex-Freund der Tochter ganz anders sah.

„Das ist doch der Opa meiner Kinder“

Dessen Schilderung: „Ich war noch nicht lange in der Kneipe, stand am Spielautomaten, da packte er mich plötzlich und haute mir seinen Kopf ins Gesicht“, erinnerte sich der 28-Jährige, der sich gegen den Angriff des stämmigen Willis nicht gewehrt haben will: „Das ist schließlich der Opa meiner Kinder. So etwas macht man doch nicht.“

Die Fronten sind seit Jahren verhärtet

Das Dilemma ist groß, die Fronten in dem unschönen Familienstreit seit Jahren verhärtet. Wie sehr, das offenbarte sich in wenigen Sätzen: Als der Ex-Freund gefragt wurde, ob eine Bestrafung des Angeklagten für ihn wichtig sei, brach es aus dem Opfer heraus: „Ich will meine Kinder sehen.“ Er sei mit seinen Kräften am Ende, wolle einfach nur seine Ruhe. Und er habe keine Lust mehr, mit eingezogenem Kopf an Hörder Kneipen und Läden vorbeizugehen. Aber er sagte auch sehr bestimmt: „Ich habe aber keine Angst vor ihm, auf gar keinen Fall.“

„Der kriegt von mir kein Geld“

Die Emotionen kochten jedenfalls hoch, damals im „Sternkieker“ und auch am Freitag wieder im Amtsgericht. Richter Tim Bollenbach gelang es mit der tatkräftigen Unterstützung von Verteidiger Christian Weyer immer wieder, den Prozess in ruhiges Fahrwasser zurückzuführen. Nur in einem Punkt, da kannte Willi kein Pardon. „Der kriegt von mir kein Geld“, wetterte der 54-Jährige bei dem Vorschlag, das Verfahren gegen Zahlung eines Schmerzensgeldes einzustellen. Dann solle man ihn lieber in den Knast stecken.

300 Euro für die Staatskasse

Soweit ist es natürlich nicht gekommen. Das Verfahren wurde eingestellt, Willi zahlt 300 Euro – nicht an das Opfer, sondern in die Staatskasse. Das Geld kann er in Raten abstottern, sechs Monate lang hat er dazu Zeit. Bleibt zu hoffen, dass jetzt ein bisschen Frieden einzieht.