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Insgesamt 106 Patienten-Beschwerden

Facharzt lehnte Behandlung von Dortmunder (89) ab

24.02.2016 | 02:37 Uhr
Behandlungsfehler werden eher aus Krankenhäusern gemeldet, in Arztpraxen geht's mehr um Nicht-Behandlungen.
Behandlungsfehler werden eher aus Krankenhäusern gemeldet, in Arztpraxen geht's mehr um Nicht-Behandlungen.Foto: dpa

Dortmund..  Weil er fast 90 Jahre alt war, ist einem Patienten von einem Dortmunder Facharzt die Behandlung verweigert worden. Der verärgerte Mann meldete das der Ärztekammer. Es war eine von 106 Beschwerden aus Dortmund im Jahr 2015. Eine Ärztegruppe ist besonders betroffen.

Ziemlich schroff wurde der 89 Jahre alte Herr abgebügelt. Ein Facharzt ließ ihn mit den folgenden Worten abblitzen: "Sie werden 90, da tut man sowieso nichts mehr." Der Mann hatte eine Überweisung von seinem Hausarzt dabei und wurde aber dennoch nicht untersucht, es fand keine Erhebung seiner Laborwerte statt und es gab keinen Bericht an den Hausarzt.

Der Fall landete bei Dr. Bärbel Wiedermann, die seit knapp einem Jahr Bezirksvorsitzende der Ärztekammer Westfalen-Lippe ist. "Es hätte eine Untersuchung stattfinden müssen", stellte sie fest.

Eine "gelbe Karte" der Kammer erhielt auch ein anderer Spezialist, in dessen Vorzimmer ein Patient trotz Überweisung ebenfalls abblitzte. Dies, obwohl auf seiner Überweisung sogar eine Dringlichkeit vermerkt worden war. Man müsse erst mit seinem Hausarzt sprechen, hörte der Patient. Vorher gebe es keine Behandlung, so die Arzthelferinnen. Der Mann wandte sich an seine Krankenversicherung, und die schaltete die Ärztekammer ein. Das Ergebnis laut Dr. Wiedermann: "Der Arzt hat seine Praxisorganisation komplett umgestellt und die Abläufe werden jetzt auch kontrolliert."

Immer wieder muss die Bezirksvorsitzende auch eingreifen, wenn Ärzte ihren Patienten Unterlagen verweigern oder Krankenhäuser diese nicht rausrücken. Aber auch Patienten werden von Dr. Bärbel Wiedermann gestoppt, wenn sie gleich klagen wollen: "Ein Arzt muss Patienten nur über die häufigsten Risiken aufklären, nicht über alle", sagt sie.

106 Beschwerden liefen im Jahr 2015 insgesamt im Verwaltungsbezirk Dortmund der Ärztekammer Westfalen-Lippe auf. 2014 waren es nur 75. Die meisten Beschwerden betrafen Internisten (darunter auch hausärztliche Internisten), gefolgt von Allgemeinmedizinern und Orthopäden. Zum Verwaltungsbezirk gehören noch Hamm und der Kreis Unna. Mit 6040 Mitgliedern hat der Bezirk nach Münster die größte Arztdichte innerhalb der Kammer.

Ulrike Böhm-Heffels

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Facharzt lehnte Behandlung von Dortmunder (89) ab
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2016-02-24 02:37
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