Ex-BVB-Großaktionär Florian Homm im Museum verhaftet

Was wir bereits wissen
Der mutmaßliche Finanzbetrüger und einstige Groß-Aktionär von Borussia Dortmund, Florian Homm, ist jetzt in Italien festgenommen worden. Sechs Jahre wurde er gejagt, mit Kopfgeldjägern und einer Belohnung in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Florenz/Dortmund.. Das Ende ist, wie so oft im Leben, viel undramatischer, als es die Vorgeschichte eigentlich verlangt. Um den halben Erdball haben sie den mutmaßlichen Finanzbetrüger Florian Homm gejagt. Fast sechs Jahre lang. Wie im Actionkrimi. Mit Kopfgeldjägern und einer Belohnung in Höhe von 1,5 Millionen Euro, die geprellte Anleger auf ihn ausgesetzt hatten. Am Freitagnachmittag ließ der 53-Jährige sich von italienischen Polizisten in Zivil widerstandslos abführen. Homm hatte seine Ex-Frau und seinen Sohn in Florenz getroffen und mit ihnen die „Uffizien“ besucht, das weltberühmte Kunstmuseum. Ein FBI-Mann hatte einen Tipp bekommen und das amerikanische Konsulat in Mailand alarmiert. Denn die Amerikaner wollen Homm vor Gericht bringen.

Florian Homm ist der Großneffe von Josef Neckermann

Vor der Statue der kauernden Venus in der ersten Etage ging die bemerkenswerte Flucht eines Mannes zu Ende, der den Menschen hierzulande vor allem als einstiger Großaktionär von Borussia Dortmund in Erinnerung geblieben ist. Ein Geldscheffler, der sich am liebsten mit Zigarre zwischen den Lippen fotografieren ließ und nicht nur damit alle Klischees der Großmannssucht übererfüllte. Seht her, ich habe Erfolg, wollte er mit jeder Faser seines 2,03 Meter langen Körpers ausdrücken. Der millionenschwere Hedgefonds-Manager aus Oberursel, Großneffe des einstigen Versandhauskönigs Josef Neckermann, genoss die Bewunderung anderer Raffkes. Jetzt sitzt er hinter Gittern und wird wahrscheinlich an die USA ausgeliefert.

Kopfgeld In Kalifornien liegt eine Strafanzeige gegen ihn vor. Betrug bei Wertpapiergeschäften in großem Stil wirft ihm die Börsenaufsicht vor. Sie verlangt 56 Millionen Dollar Schadenersatz. Homm soll für Verluste von Investoren in Höhe von rund 200 Millionen Dollar verantwortlich sein. Die Geschädigten sollen ihr Geld in die Hedgefonds-Gesellschaft Absolute Capital Management gesteckt haben, die Homm gegründet hatte. Mit einem cleveren Betrugssystem soll er den Wert von Aktien künstlich in die Höhe getrieben haben, die wertlos waren. Wird er verurteilt, drohen ihm bis zu 75 Jahre Haft.

Wilde Geschichten kursierten über Homm, seit er mit Kundengeldern in dreistelliger Millionenhöhe 2007 in Panama untergetaucht war. Sogar über eine Gesichtsoperation spekulierten Boulevardblätter, über ehemalige Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad, die ihn als Leibwächter beschützen würden. Mit falschen Pässen tauchte er unter anderem in Venezuela und Liberia auf, der von Anlegern beauftragte Kopfgeldjäger Josef Resch blieb ihm mit seiner internationalen Fahndertruppe auf den Fersen.

Plötzlich tauchte er im Fernsehen auf

Zuletzt allerdings schien es fast, als sei Florian Homm müde vom ewigen Leben auf der Flucht. Interviews mit ihm erschienen, wenn auch an geheimen Plätzen geführt, und er warb für ein Buch über sich, das unlängst veröffentlicht wurde. Sogar im deutschen Fernsehen tauchte Homm urplötzlich auf, plauderte vor einer Woche bei Moderator Peter Hahne im ZDF und beteuerte vor den Kameras, er wolle ein besserer Mensch werden. Anschließend verschwand er wieder, und die Nachfrage, warum die Polizei sich für den Auftritt nicht interessiert habe, beschied Josef Resch mit der Antwort, dass es in Deutschland keinen Haftbefehl gegen Homm gebe. Er selbst hatte den Auftrag, ihn zu stellen, zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr.

Als die Italiener zugriffen, freute Resch sich dennoch. „Endlich ist er im Knast. Es war viel Arbeit.“