Ex-BVB-Boss Niebaum hatte 16 Millionen Euro Schulden

Unter seiner Präsidentschaft gewann der BVB den Weltpokal, jetzt steht Gerd Niebaum vor Gericht.
Unter seiner Präsidentschaft gewann der BVB den Weltpokal, jetzt steht Gerd Niebaum vor Gericht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Untreue und Kreditbetrug - heute begann der Prozess gegen den Ex-BVB-Boss Gerd Niebaum. Die Anklage wurde verlesen, Niebaum selbst äußerte sich nicht.

Dortmund.. Der tiefe Fall von Gerd Niebaum - seit Freitag steht der Ex-BVB-Boss in Dortmund vor Gericht. Zum Prozessauftakt hat er erst einmal geschwiegen. Doch das soll sich schon am nächsten Verhandlungstag ändern. Es geht um Betrug, Untreue und Urkundenfälschung. Bei der Anklage-Verlesung kam heraus, wie groß Niebaums Schulden tatsächlich waren.

Es war viertel nach neun, als Gerd Niebaum den Gerichtssaal betrat. Der 66-Jährige musste sich seinen Weg durch eine Traube von Kamerateams, Fotografen und Journalisten bahnen. Er wirkte ernst und angespannt. Anschließend wurde er minutenlang fotografiert. Reden wollte der Ex-Präsident von Borussia Dortmund erst einmal nicht. Zumindest nicht am ersten Verhandlungstag.

16 Millionen Euro Schulden

Niebaum wird sich erst am 16. Januar äußern. Er wird einiges zu erklären haben. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Ex-BVB-Präsident konstant Bankschulden von 16 Millionen Euro, dazu kamen private Darlehen im siebenstelligen Bereich.

Zuschauer waren nur wenig da. Ein Fan, 67-Jahre alt, sagte auf dem Gerichtsflur: "Für Borussia hat er viel getan. Seine Leistung muss man anerkennen. Ohne ihn hätten wir Amoroso nie kennen gelernt. Dass er so abstürzen kann, hätte ich nie gedacht."

Justiz Die Staatsanwaltschaft wirft Niebaum vor, in seiner Funktion als Anwalt und Notar nicht ehrlich gewesen zu sein. Einmal soll er sich als Testamentsvollstrecker aus einem Nachlass ein Darlehen gewährt haben, in einem anderen Fall geht es um Kredite, bei denen er die Banken nicht über seine tatsächlichen Schulden informiert hat. Auch ein verstorbener Schwager gehört zu den Opfern - dazu Mandanten. Insgesamt geht es um rund 1,8 Mio Euro.

Wie es Niebaum heute geht? "Schlecht", sagte sein Verteidiger am Rande des Prozesses. "Er hat zu lange den Kopf in den Sand gesteckt."

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft auf einen Blick:

  • Unterschriftenfälschung:Niebaum soll laut Staatsanwaltschaft die Unterschrift seines toten Schwagers gefälscht haben. Der hatte Niebaum zwei Darlehen im Wert von insgesamt 600.000 Euro gewährt. Die waren eigentlich 2006 und 2007 ausgelaufen, doch forderte der Schwager das Geld erst einmal nicht zurück. Dann starb er 2008. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fälschte Niebaum in einer Vereinbarung die Unterschrift des Toten, um die Darlehen bis 2010 zu verlängern.
  • Untreue:Niebaum soll sich 2005als Testamentsvollstrecker aus einem Nachlass ein rund 460.000 Euro hohes Darlehen selbstgewährt haben. Das habe er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht tun dürfen, da er zu diesem Zeitpunkt persönlich überschuldet gewesen sei, sodass eine Vermögensgefährdung vorgelegen habe.
  • Kreditbetrug:Von 2006 bis 2008 soll Niebaum laut Staatsanwaltschaft bei der Beantragung neuer und der Aufstockung bestehenderKredite in Höhe von insgesamt rund 650.000 Euro das ganze Ausmaß seiner Verbindlichkeiten verschwiegen zu haben.
  • Betrug:Als Chef seiner Anwaltskanzlei wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, von 2005 bis 2009 fällige Gelder in Höhe von etwa 15.000 Euro nicht an Mandanten und andere dritte Personen ausgezahlt zu haben.
Die Niebaum-Chronologie: