Ermittler von Straftaten ersticken in der Datenflut

Immer mehr Arbeit für die Ermittler von Straftaten: Die Masse an digitalen Beweisen ist enorm gestiegen. Ausgewertet werden Computer-Festplatten, USB-Sticks, DVDs und Handys. Damit keine Verfahren platzen, sollen nicht mehr alle sichergestellten Beweise ausgewertet werden.

Dortmund.. Die 291 Mitarbeiter der öffentlichen Anklage in Dortmund, darunter zwölf Oberstaatsanwälte, 54 Staatsanwälte und 24 Amtsanwälte, mussten sich 2013 um 90.738 Ermittlungsverfahren kümmern. Wie viele Datenträger dafür ausgewertet wurden, vermag niemand zu sagen. Darüber wird keine Statistik geführt.

64 Beamte für den Fußball

Nach unbestätigten Angaben soll sich im Mobilfunkbereich das Datenvolumen verachtfacht haben.Bei Fußballspielen wird der technische Überwachungsaufwand immer höher. Cornelia Weigandt, Sprecherin im Polizeipräsidium Dortmund, sagt, allein für Ermittlungsverfahren rund um den Fußball seien 64 Beamte abgestellt.

Das Revierderby am 20. Oktober 2012, wo es zwischen Schalkern und Dortmundern rund ums Stadion fast zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen kam, bescherte den Ermittlern fast ein Jahr lang Arbeit mit Auswertung von Videos und Handydaten.

Verschlüsselte Dateien knacken

Und der Frauenarzt, der vom Intimbereich seiner Patientinnen Videos und Fotos gemacht haben soll, steht noch immer nicht vor Gericht - seine Behandlungsräume wurden im Juni 2012 durchsucht.Auch extrem gut verschlüsselte Dateien mussten von Experten "geknackt" werden. Die Ermittlungen sind mittlerweile abgeschlossen.

Was sind die Folgen, wenn die Auswertung zu lange dauert? Neun Monate beträgt die Frist, in der sichergestelltes Beweismaterial - zum Beispiel Computer - ausgewertet worden sein muss. Andernfalls haben Verdächtige das Recht, alles zurückzubekommen.Damit keine Verfahren platzen, sollen nicht mehr alle sichergestellten Beweise ausgewertet werden.

Das sind die Zahlen:

  • Im Präsidialbereich der Dortmunder Polizeibehörde wurden 2013 insgesamt 88.240 Straftaten bearbeitet. Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor.
  • Bei Fällen, in denen das Internet als Tatmittel diente, gab es 2013 eine Steigerung von 17,5 Prozent auf 2392 Straftaten.
  • Steigende Fallzahlen sind auch bei der Verbreitung pornografischer Erzeugnisse zu verzeichnen, und zwar um 52,8 Prozent auf 73 bekannt gewordene Fälle. Privat angefertigte pornografische Bilder aus verflossenen Liebesbeziehungen werden zunehmend an Fremde geschickt.