März ist Aktionsmonat
Erfolge gegen Darmkrebs
07.03.2010 | 17:47 Uhr 2010-03-07T17:47:00+0100
Dortmund. Vor acht Jahren rief die Felix Burda Stiftung den Darmkrebsmonat ins Leben. Immer im März machen Mediziner und Initiativen verstärkt auf die guten Heilungschancen bei Früherkennung der heimtückischen Krankheit aufmerksam und animieren die Menschen zur Vorsorge.
Bei Bärbel K. hat leider nicht so gut geklappt. Vor vier Jahren ging die heute 61-Jährige zum Arzt und ließ sich den Darm spiegeln. Treffer. „Der Polyp ist so groß, dass ich ihn ambulant nicht abtragen kann”, sagte Dr. Elmar Zehnter. Der Gastroenterologe empfahl ihr dringend einen baldigen Eingriff im Krankenhaus.
Auch im Brief an den Hausarzt machte er das deutlich. Nach zwei Jahren wurde die Patientin routinemäßig (wie alle Patienten mit Befund) wieder angeschrieben und zur Kontrolluntersuchung gebeten. Keine Reaktion. Erst im vergangenen Herbst kam Bärbel K. wieder zur Untersuchung; sie hatte Blut im Stuhl.
Und Zehnter traute seinen Augen nicht: Der Polyp war damals nicht entfernt worden. Jetzt wucherte ein Krebsgeschwür in der Darmwand. Der Hausarzt habe ihr damals gesagt, dass es nicht so schlimm sei, sagt die Frau. Auch das Erinnerungsschreiben habe sie ihm gezeigt. Seine Reaktion: „Die wollen doch alle nur Geld verdienen.”
Bärbel K. wurde operiert. Der Krebs war fast so groß wie ein Tischtennisball. Und Metastasen hatten sich auch schon gebildet.
Seit 2004 wird die kostenlose Vorsorgeuntersuchung auf Darmkrebs von den Kassen angeboten. „Leider kommen immer noch zu wenige”, sagt Zehnter. „Trotzdem merken wir inzwischen, dass die Maßnahme greift. Aufgrund der Untersuchungen konnten wir deutschlandweit rund 14 000 Krebsfälle verhindern.” Um 15 Prozent sei dadurch die Sterblichkeitsrate gesenkt worden.
Doch noch immer ist Darmkrebs in Deutschland bei Frauen wie Männern die Krankheit mit der zweithöchsten Neuerkrankungs- und Sterblichkeitsrate. Über 70 000 neue Fälle zählt die Statistik pro Jahr, mehr als 25 000 Menschen sterben daran in dieser Zeit.
Offenbar ist die Angst vor der Untersuchung und wohl auch vor ihrem Ergebnis noch immer groß. "Die Darmspiegelung ist eine medizinische Untersuchung und keine Mutprobe”, sagt Zehnter. „Sie ist normalerweise gut auszuhalten. Sollten bei der Untersuchung Schmerzen auftreten, bekommt der Patient eine Kurznarkose, die binnen weniger Sekunden wirkt.” Dann aber müsse er aus Sicherheitsgründen zwei Stunden in der Praxis verweilen und später abgeholt werden. Das Unangenehmste sei das Trinken vor der Untersuchung, räumt der Arzt ein.
Die Ursachen für eine Darmkrebserkrankung sind noch immer nicht hinreichend bekannt. Sicher ist, dass die genetische Anlage eine große Rolle spielt. 30 Prozent der Betroffenen haben ihre Krankheit „geerbt”.
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