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Envio-Skandal

PCB-Spezialisten in Brackel

19.08.2010 | 11:20 Uhr
PCB-Spezialisten in Brackel

Dortmund. Ein Ärzteteam aus dem Universitätsklinikum Aachen mietet sich am 1. September im Brackeler Knappschaftskrankenhaus ein – für einige Wochen. Der Auftrag der Spezialisten: die fachgerechte medizinische Betreuung der mit PCB vergifteten Opfer des Envio-Skandals. Rund 200 Personen werden untersucht.

Das Universitätsklinikum Aachen schickt ab 1. September Experten für die medizinische Betreuung der vergifteten Opfer des Envio-Skandals nach Dortmund-Brackel. Prof. Dr. Thomas Kraus, Chef des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin an der Uniklinik Aachen, führt den sechsköpfigen Expertenstab an. Von ihm stammt auch das Konzept für die Untersuchungsreihe.

Landesregierung lobt umfassendes Konzept

Rund 200 Opfer des Envio-Skandals werden von Experten des Klinikums Aachen untersucht. Foto: Franz Luthe

Die Grundidee: eine möglichst kompakte Versorgung – nah, zeitnah, bedarfsgerecht. Bisher reisten Betroffene des Giftskandals zu Untersuchungen nach Aachen. Jetzt kommen die Experten zu ihnen.

Die Hotelzimmer sind gebucht, die Blutröhrchen bestellt, die Operation PCB-Hilfe kann beginnen. In einem Bausteinsystem ergänzen sich unterschiedliche medizinische Fachrichtungen. „Alle Bereiche, die von Auswirkungen der PCB-Belastungen bei den Betroffenen berührt sein können, sind vertreten“, erläutert Kraus. Und PCB kann vieles auslösen, nicht nur Krebs. „Haut, Leber, Hormonhaushalt, Nervensystem und Psyche können geschädigt werden.“ Die innere Belastung der Personen, die das Gift im Körper haben, sei enorm; der Verlauf kaum absehbar. Zumal es nicht allein um PCB-Verbindungen gehe, sondern auch um Dioxine und Furane.

Rund 200 Patienten werden schriftlich zu den Untersuchungen eingeladen, die in zwei Blöcken laufen (siehe Info-Box). Phase eins erstreckt sich über zunächst 13 Tage und umfasst allgemeine Untersuchungen. Ab 20. September schließen sich gezielte Tests an. Wie lange das gesamte Betreuungsprogramm laufen wird – Kraus weiß es nicht. „Das hängt davon ab, wie viele sich anmelden. Möglicherweise werden wir nicht alles in einer Serie abarbeiten können.“ Wer beim ersten Mal nicht zum Zuge komme, werde nachuntersucht.

Das Konzept des Aachener Institutsleiters genießt das Vertrauen der Landesregierung. „Ein guter Ansatz“, sagt eine Sprecherin des Arbeitsministeriums, das über die medizinische Behandlung der Envio-Mitarbeiter und ihrer Angehörigen wacht. Eine solch „umfassende Betreuung, die nicht auf Klein-Klein angelegt ist“, habe man sich vorgestellt, loben die Düsseldorfer.

Vorfreude auf
renommierte Kollegen

Kraus gibt das Kompliment weiter an den Gastgeber. „Die Unterstützung hier in Brackel ist super. Die haben sich die Beine ausgerissen, um uns das zu ermöglichen.“ Für Dr. Karl-Heinz Bauer, Ärztlicher Direktor im Knappschaftskrankenhaus, eine Selbstverständlichkeit. „Wir sind froh darüber, dass Prof. Kraus uns ausgewählt hat“, ist er stolz über das Vertrauen „einer sehr renommierten Klinik“.

Heute trifft sich erstmals der vom Land eingesetzte Experten-Arbeitskreis, der die medizinische Betreuung der Opfer des Giftskandals koordiniert. Dort stellt Kraus sein Konzept vor. Mit ihm am Tisch sitzen Prof. Michael Wilhelm, Chef der Kommission Human-Biomonitoring beim Umweltbundesamt, sowie Vertreter von Landesgesundheitsamt, Landesumweltamt, Bezirksregierung, Gesundheitsamt und Berufsgenossenschaft.

Klaus Brandt

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