PCB im Essen? Pfui Teufel!
11.08.2010 | 20:39 Uhr 2010-08-11T20:39:00+0200
Es wird immer schlimmer, immer abenteuerlicher, immer beklemmender, immer dreister. Jetzt also auch Gift am Essenstisch. Die gut besuchte Kantine des Envio-Nachbarn ABP ist mit PCB verseucht – und niemand hat’s gemerkt.
Weil im Juni niemand auf die Idee kam, auch nur eine Probe in Küche oder Speisesaal zu nehmen. Das muss man sich einmal vorstellen: Auf dem Flur, dem Zugang zur Kantine, fand sich „eine marginale Belastung“, wie Arnsberg gestern bestätigte. Die Essenszone selbst jedoch, diesen hochsensiblen Bereich, in dem das Gift direkt über die Nahrung aufgenommen werden kann – den ließen die Experten außen vor.
Die Wut derer, die ahnungslos im Speisesaal saßen und aßen, mag man sich vorstellen. Sie kommt wahrscheinlich unmittelbar nach dem Brechreiz hoch. Pfui Teufel! Pasta in der PCB-Kantine – ein widerliches Gericht, das unfähige Verantwortliche arglosen Gästen serviert haben. Wieder hat die Bezirksregierung geschludert, wieder müssen Unschuldige die Nachlässigkeit dieser Behörde büßen, möglicherweise wieder mit Folgen für die Gesundheit. Arnsberg hat auf breiter Front versagt.
Die Giftfirma stoppt die Reinigung des Firmengeländes – mit dem Hinweis: entweder eine Sicherheitsleistung von 1,5 Millionen oder eine Sanierung. Beides könne man nicht stemmen. Das klingt nicht nach langem Atem. Und der Skandal wird teuer. Die Kosten sind längst unüberschaubar. Wir alle werden am Ende wohl zuzahlen.
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Pasta in der PCB-Kantine – ein widerliches Gericht, das unfähige Verantwortliche arglosen Gästen serviert haben.
Wenn schon Neupert und Co. jetzt auch noch Kantinenchefs bei den Nachbarn gewesen sein sollen, waren sie nicht unfähig, sondern berechnend, zynisch und menschenverachtend. So zumindest lesen sich *alle bisherigen Statements dieser Verbrecher, auch das gestrige zum Thema Sanierungskosten.
Trotzdem darf in der ganzen öffentlichen Diskussion nicht außen vor bleiben, dass den an dieser Entsorgungs- und Recycling-Industrie unbeteiligten Bürgern zwar immer wieder und gern was von größtmöglicher Sicherheit, umfangreichen Kontrollmechanismen und einem Höchstmaß an Umweltbewusstsein eingeflötet wird, aber die wirklich Beteiligten in Management und Produktion solcher Betriebe ganz selbstverständlich von Zwängen, Wirtschaftlichkeit und offen von Solange Keiner hinguckt, wird es halt so gemacht, wie es grade passt erzählen.
Da ist uns in den letzten 15 Jahren ein Wolkenkuckucksheim präsentiert worden, das im Schatten vermeintlich grüner Bewusstseinsprägung ein hochgefährliches Eigenleben entwickeln konnte.