Envio reicht statt Konzept erneut eine Klage ein
29.09.2010 | 19:33 Uhr 2010-09-29T19:33:00+0200
Dortmund.Ein PCB-verseuchtes Gelände – und keine Sanierung in Sicht: Envio klagt nun auch gegen das von der Bezirksregierung eingeforderte Gesamtsanierungskonzept für sämtliche Außenflächen und Hallen. Wieder geht Arnsberg in Vorlage und sucht nun selbst einen Gutachter, der einen solchen Plan erstellt.
Die Dortmunder Skandalfirma Envio weigert sich den Forderungen der Bezirksregierung nachzukommen und ein Gesamtsanierungskonzept für die PCB-verseuchten Außenflächen und Hallen zu erarbeiten. Stattdessen hat das Unternehmen erneut Klage eingereicht. Arnsberg muss sich nun selbst auf die Suche nach einem Gutachter machen.
Envio müsste den von der Bezirksregierung Arnsberg erarbeiteten Plan zur Sanierung des PCB-verseuchten Geländes im Dortmunder Hafen dann umsetzen – oder erneut klagen. Der Auftrag für das Reinigungskonzept werde „kurzfristig vergeben“, kündigt der Arnsberger Sprecher Jörg A. Linden an. „Es laufen noch Gespräche.“ Ein Name stehe noch nicht fest. Ende November solle die Sanierung aber beginnen.
Auch die Kosten der bisher erfolglosen Reinigungsversuche vermochte die Bezirksregierung auf WR-Anfrage nicht zu beziffern. Die von den Firmen eingereichten Rechnungen würden gerade geprüft, hieß es.
„Inkompetenz der Verantwortlichen“
Die Sanierung des Envio-Geländes, bisher ebenso langwierig wie erfolglos und teuer, krankt an der Inkompetenz der Verantwortlichen. Das sagt ein weltweit tätiger Experte: Michael Müller, PCB-Berater der Vereinten Nationen (UN). Er warnt vor einer unendlichen Geschichte. Auch vor einer Verschleppung von Giften.
„Die neuen PCB-Aufkommen im Außenbereich kommen eindeutig von Zelt und Hallen“, glaubt Müller, der das Envio-Gelände bestens kennt. Von 1997 bis 2003 arbeitete er am selben Standort für ABB. Aus dem Dortmunder Standbein des Konzerns ging die Skandalfirma Envio hervor.
Die bisherigen Fehlschläge führt er auf mangelndes Fachwissen zurück – beim Auftraggeber wie bei Ausführenden. „Keine Behörde ist dazu in der Lage, Angebote qualifiziert zu überprüfen“, sagt der 55-Jährige. Bei PCB-belastetem Material heiße es meist nur: „Das Ding muss von A nach B. Wie teuer ist das? Die Problemlösung überlässt man der Firma. Selbst hat man keine – und auch keine Idee.“
Diese Praxis verschärfe nur das Dortmunder PCB-Sanierungsproblem. Müller rät zu einem professionellen Vergabeverfahren. International üblich: eine Ausschreibung, die einen technischen und einen kaufmännischen Teil fordere. Nur wenn der Bewerber für seine technische Kompetenz eine bestimmte Punktzahl erreicht, kommt das Finanzielle zur Prüfung – ein Prozedere mit glasklaren Vorgaben, das UN-Standard ist.
„Schon für die Bewertung des technischen Teils brauchen sie Fachleute – und die sind rar“, weiß Müller. Er ist einer der wenigen anerkannten PCB-Experten; einer von internationalem Rang, der mit einem Netzwerk von Kollegen kooperiert. „Wir wissen, was wir wollen. Und wie es geht.“ Die Arbeit beginne mit der Überprüfung aller Angebote. „Sind sie fachlich korrekt? Sind die Firmen zertifiziert? Stimmen Anforderungen und Angebot überein?“
Müller bekundet Interesse, das verseuchte 55 000 Quadratmeter-Areal an der Kanalstraße zu sanieren – nicht als Ausführender, sondern als Subunternehmer. „Wir wollen es nicht selbst machen, sondern vorgeben, wie es gemacht werden muss.“ Für den Auftrag müssten „wahrscheinlich zwei bis drei Firmen angeheuert werden, die sich den Job teilen“. Europaweit kämen dafür nur sechs Firmen in Frage. Denn bei der Envio-Sanierung sei höchste Vorsicht geboten. „Unvorstellbar, was passieren kann, wenn PCB-kontaminiertes Material anderswo auftaucht.“ Für die verseuchten Hallen gelte: „Dreckiges muss erst gesäubert, dann ausgeschleust werden. Die Gifte müssen im Schwarzbereich bleiben.“
Eine Art Sarkophag empfohlen
Für das Zelt, eine massiv belastete Leichtbaukonstruktion, empfiehlt Müller eine Art Sarkophag. Die Hülle könne über das Giftlager gestülpt werden, um das Material darin erst kontrolliert zu bearbeiten und dann zu verlagern. „Eine drohende Flugkontamination durch Feinstäube wird so vermieden.“ Im Schwarzbereich müssten lecke Stahlwannen zerlegt werden, durch die PCB gesickert sei. „Dafür muss eine Technik her, die Dioxine und Furane ausschließt.“
„Dass Hallen und Zelt derzeit weder versiegelt noch polizeilich bewacht sind“, hält Müller für „unzumutbar“. Das öffne Manipulationen Tür und Tür – „schon seit Monaten“.
12:26
Treffen sich zwei Dortmunder. sagt der Eine: Envio reicht statt eines Sanierung-Konzeptes erneut eine Klage ein. Sagt der Andere: ja normal - so eine Klage verschafft doch erst einmal Zeit und ist doch allemal viel billiger als ein Sanierungskonzept oder gar die aufwendige fachgerechte Sanierung der verseuchten Anlagen.
14:16
Ich gebe zu, mein Bauch ist nicht immer vernünftig. In solchen Fällen versucht er, mich davon zu überzeugen, daß man solchen Leuten zunächst was auf die Fr. esse geben sollte. Nur gut, daß mein Gehirn da anders entscheidet...
13:21
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11:32
Sitzen die aus der Chefetage immer noch nicht im Knast?
10:21
mhh, also wenn die Firma Lobbe keine Fachfirma ist, die dort gerade auf dem gelände tätig ist, dann wundert es mich doch sehr.
08:33
Enteignen und die Schuldigen wegen Mordanschläge verurteilen.
01:49
@ #7
Mit einem Disclaimer wäre zwar einer gewissen formalen Anforderung genüge getan, aber trotzdem spielt mir Herr Müller ein wenig zu heftig auf der Geige Sie haben keine Ahnung und keine Experten und deswegen brauchen Sie uns!.
Sein Auswahlkriterium über die Zertifizierung von Angebotsfirmen ist ebenso ein wenig, sagen wir - sarkastisch. Envio hatte schließlich auch alle benötigten Zertifikate...
23:58
Egal ob H. Müller den Stein der Weisheit gefressen hat. Als ehemaliger Akteur im Dunstkreis von Evino sollte Er sich geschlossen halten, aber da sieht man mal wieder, GELD GELD GELD!!!!!! Ich hoffe, dass der neue RP diese unendliche schlimme Geschichte zu einem schnellen und positiven Ergebniss führt!
Tja, das wird aber nicht einfach, denn die Rechtsvertreter (Anwälte) werden die mahnenden und anklagenden betroffenen Menschen schon mit Abmahnungen überschütten.
23:50
@ valki:
Danke für den Link. Die Aussage ist M.E. okay. Ein Disclaimer sollte aber bei den Aussagen des Herrn Müller im Sinne der Transparenz angezeigt sein.
23:45
@ #3, Nachtrag:
dass hier ein Expertenwissen zum Nachkarten eines persönlichen Interesses ausgenutzt wird.
Mal abgesehen davon, dass die organisatorischen Abhängigkeiten zwischen Neupert und Müller nirgendwo so richtig transparent nachzulesen sind (außer vielleicht ein paar dotted lines in die Schweiz) und dass Sie Ihren Namen leider nicht sagen können - Ihre Anmerkung erinnert mich ein bisschen an Envios Kommentare zum Ex-Betriebsleiter...