Behörden prüfen Sicherheitsmängel auf PCB-verseuchtem Envio-Gelände in Dortmund
04.08.2011 | 17:56 Uhr 2011-08-04T17:56:00+0200
Dortmund.Der WR-Bericht über Sicherheitsmängel auf dem PCB-verseuchten Envio-Gelände in Dortmund hat nicht nur ein Nachspiel im Landtag, sondern animiert auch die Behörden. Die wollen nun weitere Bodenproben-Entnahmen veranlassen.
Das Multimedia-Spezial zu Envio
Gleich drei zuständige Stellen nehmen sich nun laut Mitteilung den Sicherheitsmängeln auf dem PCB-verseuchten Envio-Betriebsgelände in Dortmund an, die die WAZ-Mediengruppe aufgedeckt haben. Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz sowie das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales und schließlich die Bezirksregierung Arnsberg teilten mit, dass sie im Zuge der Berichterstattung die Sachlage überprüft und Berichte der zuständigen Behörden angefordert hätten.
„Wir nehmen die Vorwürfe ernst und haben nach Bekanntwerden der Vorwürfe gemeinsam mit der Bezirksregierung Arnsberg umgehend gehandelt“, erklärte etwa NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Bernd Müller, Umwelt-Abteilungsdirektor bei der Bezirksregierung Arnsberg, ergänzte: Die Situation stelle keine gesundheitliche Gefahr für Bürger vor Ort und für Arbeitnehmer auf dem Gelände dar.
Von Envio geht keine Gesundheits-Gefahr aus
Das Gelände sei gesichert, „es werden keine PCB-haltigen Stäube in die Umgebung geweht.“ Die Bezirksregierung Arnsberg habe zudem weitere Sicherungsmaßnahmen veranlasst, die aber nicht näher erläutert wurden.
Die Ergebnisse der aktuell vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) durchgeführten Untersuchungen von Fegestaubproben vom Betriebsgelände zeigen laut Mitteilung keine Notwendigkeit für weitere Reinigungsmaßnahmen. Gleichwohl werde die Bezirksregierung in Abstimmung mit der Stadt Dortmund, dem LANUV und dem Umweltministerium in dieser Woche Boden-Probennahmen veranlassen. Diese haben das Ziel, die Ergebnisse der Fegeproben von den befestigten Flächen und der Depositionsmessungen zu erhärten.
Die Bezirksregierung bzw. das LANUV werden vom Umweltministerium kurzfristig aufgefordert, folgende Schritte zu unternehmen:
- Überprüfung und Anpassung sämtlicher Sicherungsmaßnahmen auf dem Envio-Gelände
- Darstellung und Erläuterung der aktuellen Messplanung sowie Erläuterung der Messergebnisse als Veröffentlichung im Internet
- Bericht über die vorgesehenen Untersuchungen und Maßnahmen zur Ermittlung und Beseitigung weiterer PCB-Quellen
- Entnahme und Analyse von Bodenproben im Umfeld der Anlage.
20:59
2 Monate sind eindeutig zu lang, um einer spontanen Sorge um Umwelt und Gesundheit der Menschen nachzukommen und somit soziales und ökologisches Gewissen zu demonstrieren. Da scheint mir Taktik im Spiel ...
12:17
@ #5
Ich konnte mich Anfang Mai am gleichen Tag wie Herr Brandt vor Ort davon überzeugen, dass die *Absicherung* ungenügend war.
Es stellt sich natürlich die Frage, warum diese Informationen erst 2 Monate lagerten, um dann quasi als Aufhänger für ein Multimedia-Special über Envio zu dienen. Aber die Liste der jetzt angekündigten Maßnahmen zeigt auch, dass dringender Nachholbedarf besteht.
08:57
Was stimmt denn nun? Ist das Gelände sicher oder nicht? Entweicht Gift oder nicht? Der obige Text lässt den Schluss zu, dass die von der WAZ aufgedeckten Mängel gar nicht solchermaßen existieren. Falls die Einlassungen der Behörden zutreffen, überschreitet der Brandtsche Investigativjournalismus fast die Grenze zur Panikmache.
12:08
@ #2
Das lässt sich relativ einfach recherchieren, weil diese Reste in speziellen Verbrennungsöfen vernichtet werden und deren Betreiber wie z.B. die Bayer-Tochter CURRENTA in Krefeld solche Chargen über das Informationssystem AIDA/ASYS melden müssen.
Kritisch waren die angeblich gereinigten Metall-Reste aus den Trafos, die hochbelastet bei Schrottverwertern landeten. Deren Abnehmer wiederum waren Firmen wie der Georgsmarienhütte-Konzern eines Jürgen Großmann, der ja auch RWE-Chef ist und damit ein Groß-*Einlieferer* von PCB-Trafos.
Entsorgung und Recycling von PCB-Trafos war schon allein durch den rasant steigenden Kupferpreis der letzten Jahre ein lukratives Geschäft, sowohl für den Einlieferer als auch für den Schrottabnehmer und den Reste-Vernichter - und natürlich Envio selbst, da man auf dem Rücken der Arbeitnehmer billig produzierte und mit solchen Zahlen die Börse verar...te.
12:03
Die Behörden schauen doch nur zu gerne weg, wenn die Wirtschaft etwas verbotenes tut. Rigoros durchgegriffen wird nur beim normalen Bürger und das ohne Gnade und irgenwelche Skrupel...
10:01
Jetzt kommen neue Fragen auf. Wie und wo wurden denn die ganzen Jahre die Öle und Stäube denn entsorgt? Wo und welche Firmen sind da evt. noch mit im PCB Spiel?
09:37
Die Unfähigkeit der im Fall Envio handelnden - oder besser planlos agierenden und am Skandal mit verantwortlichen - Behörden scheint grenzenlos zu sein. Da kann man als Bürger vertrauensvoll auf seinen Staat blicken und sich zuverlässig behütet und geschützt fühlen. Muhahahaha ..........