Envio-Prozess - Richter stellen sich hinter Gutachter

Der Envio-Prozess kann vorerst wie geplant fortgesetzt werden. Das Gericht stellt sich hinter den Gutachter.
Der Envio-Prozess kann vorerst wie geplant fortgesetzt werden. Das Gericht stellt sich hinter den Gutachter.
Foto: Dieter Menne
Was wir bereits wissen
Das Landgericht in Dortmund lehnte im Envio-Prozess um viel zu hohe PCB-Werte einen Befangenheitsantrag der Nebenkläger gegen den Haupt-Sachverständigen ab.

Dortmund.. Der Envio-Prozess kann vorerst wie geplant fortgesetzt werden. Das Landgericht hat am Donnerstag einen Befangenheitsantrag der Nebenkläger gegen den Haupt-Sachverständigen Professor Albert Rettenmeier zurückgewiesen. Als Reaktion kündigte Opfer-Anwalt Reinhard Birkenstock weitere Anträge an.

Wichtige Studie nicht berücksichtigt?

Die betroffenen ehemaligen Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens werfen Rettenmeier vor, eine wichtige Studie über die Auswirkungen des Umweltgiftes PCB auf menschliche Zellstrukturen nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Um aber sein Ansehen nicht zu verlieren, habe der Arbeitsmediziner bei der Erstattung seines Gutachtens bewusst die Unwahrheit gesagt. Dieses Verhalten sei unprofessionell, einseitig und unsachlich.

[kein Linktext vorhanden] Die Richter sehen dies jedoch ganz anders. Die Behauptung der Nebenkläger, Rettenmeier habe falsche Angaben gemacht, um eigene Fehler zu kaschieren, entbehre jeder Grundlage, hieß es am Donnerstag. Wenn überhaupt, dann seien dem Sachverständigen "handwerkliche Fehler" unterlaufen, die jedenfalls nicht zu einem Ausscheidenaus dem Verfahren führen könnten.

Kein Urteil wegen Körperverletzung

Solange die Richter nicht an dem Haupt-Sachverständigen rütteln, ist eine Verurteilung der Angeklagten wegen Körperverletzung so gut wie ausgeschlossen. Rettenmeier hatte stets erklärt, keinen kausalen Zusammenhang zwischen der PCB-Belastung der Betroffenen und etwaigen gesundheitlichen Beschwerden zu erkennen.

Unterdessen haben die Richter das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten ohne Auflagen eingestellt. Dem Mann sei strafbares Verhalten nicht nachzuweisen. Damit verbleiben nur noch Ex-Geschäftsführer Dirk Neupert und der damalige Betriebsleiter von Envio auf der Anklagebank.