Envio-Prozess: Neue heftige Attacken gegen Gutachter

Die Nebenkläger im Envio-Prozess am Landgericht lassen nicht locker: Mit heftigen Attacken gegen Gutachter Professor Albert Rettenmeier hat Rechtsanwältin Jordana Wirths am Donnerstag einen weiteren Befangenheitsantrag gegen den Arbeitsmediziner begründet.

Dortmund.. Wirths nannte Rettenmeier "unprofessionell und unsachlich". Sein Gutachten sei "fachlich falsch". Außerdem warf sie dem Sachverständigen vor, allen Prozessbeteiligten bewusst die Wahrheit verschwiegen zu haben. Rettenmeier habe in seinem im Sommer 2014 erstatten Gutachten kein Wort darüber verloren, dass ihm bei der Erstellung der Expertise wichtige Untersuchungsergebnisse gar nicht vorgelegen hatten.

Dies hatte er erst Ende Oktober zugegeben, als die Nebenkläger einen ersten Befangenheitsantrag gegen ihn gestellt hatten. "In den Augen der Betroffenen hat der Gutachter seine Sorgfaltspflicht nicht mit dem gebotenen Ernst erfüllt", sagte Wirths am Donnerstag. Rettenmeier habe eine "unsachliche, tendenziöse und unprofessionelle Arbeitsweise" an den Tag gelegt und Studienergebnisse stellenweise bewusst verfälscht.

Ziel: Verurteilung wegen Körperverletzung

Inhaltlich geht es um die Frage, ob die bei 29 betroffenen Ex-Arbeitern festgestellten Zellveränderungen auf die Belastung mit PCB zurückzuführen sind. Die Nebenkläger erhoffen sich diesen Nachweis - und damit auch den Durchbruch in ihrem Bemühen, die angeklagten Ex-Manager des Entsorgungsbetriebes wegen Körperverletzung verurteilt zu sehen.

Das Gericht wird über den neuen Befangenheitsantrag frühestens in einigen Wochen entscheiden. Gibt es dem Antrag statt, könnte der Prozess im schlimmsten Fall sogar platzen.