Envio: PCB-Werte von 135 Mitarbeitern ermittelt
12.08.2010 | 12:58 Uhr 2010-08-12T12:58:00+0200
Dortmund.Die Blutwerte weiterer 135 Mitarbeiter von Envio-Nachbarfirmen liegen vor. Das Ergebnis: Bei 16 Prozent der Untersuchten weist das Blut einen erhöhten PCB-Wert auf. Das Gesundheitsamt empfiehlt ihnen eine Nachbetreuung.
Der Bezirksregierung Arnsberg und dem Gesundheitsamt der Stadt Dortmund liegen die Ergebnisse von 135 weiteren Blutuntersuchungen auf PCB vor. Alle Proben stammen von Mitarbeitern, die bei Firmen auf dem Envio-Gelände beschäftigt sind. Die Blutentnahmen waren am 15. Juni und 12. Juli durchgeführt worden.
Der PCB-Entsorger Envio im Dortmunder Hafen ist inzwischen stillgelegt, nachdem im Frühjahr bekannt geworden war, dass das Unternehmen für die erhebliche PCB-Belastung weiter Teile des Hafens und umliegender Gebiete verantwortlich ist.
Ergebnisse der 135 Proben:
47 Prozent der Untersuchten (64 Personen) haben unauffällige Werte, wie sie auch die Allgemeinbevölkerung aufweist. Ein Nachbetreuungsbedarf ist nicht gegeben.
37 Prozent der Untersuchten (50 Personen) weisen geringe bis leichte Auffälligkeiten beim PCB-Wert im Blut auf. Eine Nachbetreuung ist aus Sicht der Experten zwar nicht erforderlich – wird den Betroffenen aber auf Wunsch angeboten.
Bei 16 Prozent der Untersuchten (21 Personen) überschreiten die PCB-Werte entweder den vorsorglichen gesundheitlichen Richtwert oder zeigen deutlich auffällige Werte – die aber in jedem Fall erheblich unter den Werten der Envio-Belegschaft liegen. Experten empfehlen dennoch eine Nachbetreuung.
Gesundheitsamt hat insgesamt 545 Proben genommen
Insgesamt 545 Blutproben hatte das städtische Gesundheitsamt vom 2. Juni bis 12. Juli entnommen. Untersucht wurden Beschäftigte von Unternehmen rund um die Firma Envio (455 Proben) sowie Kleingärtner und Anwohner (90 Proben). Es liegen inzwischen 387 Ergebnisse vor.
Beschäftigte von Envio oder Nachbar-Firmen werden auf Wunsch durch die Berufsgenossenschaft für Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM) in ein Untersuchungs- und Nachsorgeprogramm aufgenommen. Infos erteilt die BG ETEM: 0221/3778 -5002, - 5100 oder - 5120.
Zusätzlich zu Envio-Beschäftigten und Leiharbeitern können auch Beschäftigte von Nachbarfirmen und Beschäftigte, die mit Materialien der Firma Envio umgegangen sind, ihr Blut untersuchen lassen. Dieses Angebot gilt auch für Familienangehörige.
Nachuntersuchung über bis zu zehn Jahre
In einer zweiten Stufe schließen sich für alle mit PCB belasteten Personen weitere Untersuchungen an – je nach Belastung über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren ausgelegt.
Hafenanwohner, die ebenfalls mit PCB belastet sein könnten, können ihr Blut ebenfalls wieder untersuchen lassen. Infos und Termine gibt’s beim Gesundheitsamt: 0231/ 502 35 78 oder in der Sprechstunde mittwochs von 14.30 bis 17.30 Uhr beim Quartiersmanagements an der Schützenstraße 42.
Auch diesem Personenkreis wird in Abhängigkeit von einer festgestellten PCB-Belastung eine Angebot zur Nachbetreuung unter Federführung der BG ETEM gemacht.
Internetportal zu PCB freigeschaltet
Auf www.pcb-info.dortmund.de sind alle Infos zu PCB-Belastungen im Envio-Umfeld zusammengefasst. Neben allgemeinen Fakten zu PCB und den Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit gibt es Handlungsempfehlungen und Beratungsangebote für Betroffene sowie die wichtigsten Untersuchungsergebnisse von Luft, Boden, Wasser, Pflanzen und Staub aus den Betrieben.
Auch über die laufenden Blutuntersuchungen wird in anonymisierter Form berichtet. Für den schnellen Überblick gibt es außerdem einen Block, in dem die am häufigsten gestellten Fragen beantwortet werden. Zahlreiche Links’ führen zu weiterführenden Informationen bei anderen Institutionen.
Alle Nachrichten, Meldungen und Videos zum Envio-Skandal gibt’s auch auf DerWesten.de.
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