Envio-Opfer hoffen auf Gerechtigkeit
29.04.2012 | 15:57 Uhr 2012-04-29T15:57:00+0200
Dortmund. Die Zahl der Nebenkläger im Envio-Prozess nimmt zu. Promi-Anwalt Dr. Reinhard Birkenstock weiß von vier weiteren Nebenkläger-Vertretern im Strafverfahren gegen Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und drei weitere Beschuldigte. Am Freitag kam Birkenstock zu einem Arbeitstreffen nach Dortmund.
Die Zahl der Nebenkläger im Envio-Prozess nimmt zu. Promi-Anwalt Dr. Reinhard Birkenstock weiß von vier weiteren Nebenkläger-Vertretern im Strafverfahren gegen Envio -Chef Dr. Dirk Neupert und drei weitere Beschuldigte. Am Freitag kam Birkenstock zu einem Arbeitstreffen nach Dortmund.
Birkenstock, der sich selbst einen „begeisterten Strafverteidiger“ nennt, vertritt inzwischen 22 ehemaliger Mitarbeiter der PCB -Firma Envio. 21 Vollmachten wurden allein Freitag unterzeichnet. Finanziert wird sein Engagement, wie berichtet, durch die Gewerkschaft IG BCE. Auch die IG Metall unterstützt eine weitere Nebenklage der Geschädigten, die krebserregende Stoffe in ihrem Blut haben.
Verfahren eine große Herausforderung
„Das Verfahren“, ist Birkenstock sicher, „stellt alle, die beteiligt sind, vor eine große Herausforderung.“ Ziel sei natürlich ein Schmerzensgeld für die Nebenkläger. Oder Schadensersatz.
Einer der Geschädigten ist Christian Althoff. „Ich freue mich“, sagte er am Freitag, „dass es endlich losgeht.“ Man habe jetzt einen der besten Anwälte. Alle hofften, dass nun die Gerechtigkeit Einzug halte. Auch der ehemalige Envio-Mitarbeiter Heiko Tuppat sieht das so. Die Verantwortlichen dieses PCB-Skandals sollen endlich zur Rechenschaft gezogen werden.
Gute Überzeugungsarbeit
Der Kölner Birkenstock, der schon den DDR-Spion Karl Wienand und zuletzt Jörg Kachelmann verteidigte, hofft, dass man in dem Verfahren „mit westfälischer Sachlichkeit zu richtigen Urteilen kommt. Da will ich gerne mitarbeiten.“ Ins Boot geholt wurde er von Ulrike Märkel, Ratsvertreterin der Grünen in Dortmund. „Meine Entscheidung ist nach drei Minuten gefallen“, sagt Birkenstock. „Frau Märkel hat gute Überzeugungsarbeit geleistet.“
Die IG BCE übernimmt zwar die Kosten dieser Nebenklage - Geld ist dennoch weiter nötig, dass die Geschädigten ihre Interessen kompetent vertreten lassen können. Ein Gutachten zur Gefährlichkeit von PCB muss noch finanziert werden. Eine parteiübergreifende Initiative will dafür Geld sammeln. Unter www.envio-opferfonds.org gibt es weitere Einzelheiten.
Am 9. Mai beginnt der Prozess. 15 Verhandlungstage sind zunächst angesetzt. Die Nebenkläger-Vertreter haben untereinander noch keinen Kontakt. Aber man werde sich kollegial verhalten, sagt Birkenstock. „Wir werden die Staatsanwaltschaft in sinnvoller Weise unterstützen, um dem Gericht die Aufgabe zu erleichtern, eine Schuld festzustellen.“
21:30
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20:41
Hoffentlich fordert das Gericht, die Staatsanwaltschaft und der Opferanwalt die Dokumentation gem. § 6 des Arbeitsschutzgesetzes an und vernachlässigt dabei nicht das Wirksamkeitsgebot gem. § 3 (1) S.2 ArbSchG betreffend die s.g. Maßnahmen des Arbeitsschutzes. - Schließlich übt das Arbeitschutzgesetz eine Konzentrationswirkung auf alle anderen Schutznormen in der Arbeitswelt aus.
Sich.-Ing. Jörg Hensel
Freier Sachverständiger für Arbeitsschutz
Gewerbeaufsicht i.R.
18:53
... mit einem professionellem Konkurs die Konsequenzen für Fehlleistungen, Umweltvergehen und sogar Vergiftungen der eigenen Mitarbeiter immer auf die Allgemeinheit zu wälzen, wird sich in diesem Land, mit diesen naiven Politikern nichts ändern!
Die meisten Politiker/Innen sitzen doch selber in den Aufsichtsräten solcher Firmen und bekommen für die legale Nichtbeaufsichtigung (die Politiker/Innen haben ja meistens keine Ahnung von der internen Firmenmaterie!) Ihre Aufwandsentschädigungen, oder?
16:46
Disziplinarverfahren helfen am allerwenigsten den Opfern, sie vertuschen im Übrigen nur die Wurzeln des Übels, in diesem Fall u.A. die SPD-gewollte Industriefreundlichkeit für die "Großen" im Land, die die Kosten für ihre Altlasten nicht zahlen wollen. Die Freibriefe bei den Kontrollen der Entsorgungsfachbetriebe und die unsägliche Durchdringung der Industrie bei den Zertifizierungsstellen werden jetzt auch von einem grünen Remmel nicht angegangen, da könnten noch so viel Ämterköpfe rollen...
Ich befürchte allerdings ebenso, dass ein "Staranwalt" Birkenstock nicht unbedingt nur Gutes für die Klägerseite bedeutet. Schließlich blieb er auf hohen Kosten für seine zahlreichen Gutachten im Kachelmann-Prozess sitzen, als jener sein Birkenstock-Mandat aufkündigte.
Bei der möglichen Prozessdauer werden sich die Medien schon vor dem Ende verabschiedet haben und erst dann wird sich zeigen, ob Birkenstock den Zorn gegen die Contergan-Prozessvergleiche auch in Erfolg für die Envio-Opfer umsetzt.
16:24
Dr. Reinhard Birkenstock ist nicht unbedingt mein Fall, er ist zu medienwirksam. Aber vielleicht braucht man in diesem Prozess einen Anwalt, der nicht nachgibt. Zu schnell wurden in vergleichbaren Prozessen, insbesondere wenn staatliche Stellen nicht ganz unschuldig sind, irgendwelche ominösen Vergleiche vereinbart.
Meiner Meinung nach hätten gegen Bedienstete der Stadt und der Bezirksregierung längst Disziplinarverfahren eröffnet werden müssen.
Hier haben die Krähen wieder gesiegt.
23:34
Es geht nicht um die LANUV-Befunde, sondern um frühe, konkrete Hinweise aus der Runde der damaligen Envio-Mitarbeiter. Jeder Prozessbeteiligter sollte sich fragen, warum es auf *Dortmunder* Seite so lange dauerte, bis man diese beiden Datenquellen logisch miteinander verknüft hat - zumal sich die Mitarbeiter in der grünen Ratsfraktion zunächst kompetente Ansprechpartner erhofften.
Märkel, sorry, freudsche Fehlleistung meinerseits...
20:32
@2:
Wer soll erwarten, dass die Behörden bei einem PCB-Entsorgen auf dem Nachbargrundstück suchen, wenn im Kleingarten erhöhte PCB-Werte gefunden werden?
Die Stadtspitze war doch zu sehr damit beschäftigt, Umweltpreise zu vergeben. Wer kann da noch Hinweisen nachgehen?
P.S. Märkel nicht Merkel
19:54
Keine Frage, ich werde spenden. Allerdings nicht, weil dort schon "illustre" Namen wie die Dortmunder Hafen AG oder unsere grüne Ratsfrau Merkel als Spender auftauchen. Der Stadtableger Hafen sollte sich fragen, wie sich sein heutiges Engagement mit der früher von dessen Vorständen und vor allem von Sierau gemachten Aussage verträgt, man dürfe nicht "vergessen", dass durch den Skandal und die notwendige mediale Berichterstattung auch der Hafen als Arbeitgeber "gefährdert" werde.
Und Frau Merkel sollte sich evt. erstmal mit Birkenstock austauschen, wann *sie* erste Kenntnis von den Zuständen bei Envio erhielt und wie lange es dann dauerte, bis sie diese Informationen an zuständige Behörden, z.B. an ihren Parteifreund und Umweltdezernenten Steitz weiterleitete.
Man sollte in solchen Prozessen niemals der Verteidigung in die Hände spielen, weil Hinweise zur strafrechtlichen Verfolgung und Verhinderung weiterer Straftaten unnötig lange zurückgehalten wurden - warum auch immer.
18:44
Wer den Fall in den Medien verfolgt hat und auch die WDR Reportage gesehen hat, fragt sich, was in unserem Rechtssystem falsch läuft.
Es hätte schon lange zu persönlichen Konsequenzen kommen müssen, und die Liste der Beschuldigten ist deutlich zu klein.
Ich wünsche den Betroffenen alles Gute für ihre Gesundheit und hoffe, dass die Justiz den Fall insbesondere aus der Sicht der Arbeiter und Angestellten sieht. Szenario:
Was wäre, wenn ich dort gearbeitet hätte.
Dann dürfte der Ausgang des Verfahrens klar sein.
Ebenso muss an die Kosten für die Reinigung des Gelände gedacht werden. Hier müssen auch die Privatvermögen der Beteiligten herangezogen werden.