Envio-Nachbarn: Mehr PCB im Blut als gedacht
12.07.2010 | 22:59 Uhr 2010-07-12T22:59:00+0200
Dortmund.Die überwiegend guten Blutwerte der Mitarbeiter von Envio-Nachbarfirmen erscheinen in einem anderen Licht. Die medizinische Expertenkommission hat gängige Referenzwerte außer Acht gelassen, dafür einen eigenen Richtwert entwickelt. In der Folge wirken einige Befunde besser, als sie sind.
Das ungeschulte Auge erkannte es gar nicht: In der Statistik der ersten 104 Blutbefunde von direkten Envio-Anliegern am Freitag fehlten für drei niedrig chlorierte PCB-Gruppen die Vergleichswerte der Durchschnittsbevölkerung. So fiel nicht auf, dass die höchste Giftbelastung im Blut 440 Mal über dem Referenzwert des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit (LIGA) liegt. Der Betroffene hat damit deutlich mehr PCB im Körper als einige Envio-Mitarbeiter .
Auf Anfrage der WR bestätigt Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus diesen Sachverhalt. In der eigens gebildeten PCB-Expertenrunde habe es „eine hitzige Diskussion“ um Referenzwerte gegeben. Weil man auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen sei und auch keine offizielle Richtlinie des Umweltbundesamtes existiere, habe man die Vergleichsmarke bei drei PCB-Gruppen wegfallen lassen. Dass dies die Einordnung der Giftwerte insgesamt verzerrt, räumt Düsterhaus ein.
Neue Messlatte eingeführt
Dr. Martin Kraft, Leiter des Fachbereichs Toxikologie im Landesumweltamt (LANUV), führt eine neue Messlatte ein: den „vorläufigen Gesundheitsrichtwert“. Die von Säuglingen auf Erwachsene hochgerechnete Marke sage nicht nur statistisch etwas aus, sondern auch medizinisch. „Unterhalb dieser Grenze wird nach heutigem Stand des Wissens kein Erwachsener krank“, glaubt Kraft. Fünf Mitarbeiter von Envio-Nachbarn wird das nicht beruhigen. Ihre Blutwerte liegen darüber.
Ihr Schicksal sei „sehr erklärlich“, sagt Düsterhaus. „Sie alle haben in Halle 55 gearbeitet“, in einem Bereich also, den auch die Giftfirma Envio nutzte. Die Amtsleiterin ist sich „darüber im Klaren, dass man über solche Werte streiten kann“, sagt Düsterhaus. Wichtig für Betroffene: „Wer über irgendeiner Referenzzahl liegt, kommt in das medizinische Untersuchungsprogramm.“
Auf die nächsten Blutergebnisse hofft Düsterhaus kommende Woche. Am 22. Juli könnten dann weitere Beschäftigte von Envio-Nachbarn ihre Befunde erfahren.
21:59
@26
Sie machen es spannend. Handelt es sich um datenschutzrechtliche Gründe?
21:18
an Laertes
Dieses Schreiben kann aus bestimmten Gründen leider nicht ausgehändigt werden.
16:27
Bei dem Bürgertreff waren gerade mal 250 Menschen erschienen.
Der Rest der Dortmunder Bürger hat sich somit
eben n i c h t mit den Opfern von Envio solidarisiert.
Keine Lichterketten, keine Sitzblockaden, keine Demo, NICHTS !
Der Betrieb von Envio wird demzufolge auch in den kommenden Jahren ungehindert weiter laufen. Die Aktienkurse steigen !
Darum, Envio-Aktien kaufen: Jetzt !
15:10
Unter diesem LINK kann man die Studie finden.
Sie umfasst 330 Seiten.
http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/materialien/mat62/mat62.pdf
Ob die involvierten Experten diese Studie überhaupt kennen/in Erinnerung haben?
14:58
Im Jahr 2002 gab es eine PCB Studie vom LANDESUMWELTAMT, die sogenannte LUA-Studie
Sie ist datiert auf den 11.06.2002 und soll etwa 300 Seiten umfassen.
FAZIT dieser Studie aus dem Jahr 2002:
Die derzeitigen Vorsorge- und Interventionswerte sind zu hoch gesetzt !!
Diese neue, vom Landesumweltamt NRW in Auftrag gegebene Studie zur TOXIZITÄT von PCB bei „INHALATIVER“ Aufnahme kommt zu dem Schluss,
dass die bisherigen Vorsorge- und Interventionswerte erheblich zu HOCH angesetzt sind.
Toxikologisch begründete Vorsorge- und Interventionswerte für PCB, die unter Berücksichtigung neuester Untersuchungen an Tieren und Menschen abgeleitet werden, sind (bei Nutzung von 7 Stunden täglich):
VORSORGEWERT: 20 ng/m³
(statt bisher 300 ng/m³
INTERVENTIONSWERT: 200 ng/m³
(statt bisher 1000 – 9000 ng/m³
- durch uneinheitliche Regelungen in den
unterschiedlichen Bundesländern)
12:44
@21 Ich hatte nicht nach der Quelle gefragt, weil ich Ihnen unterstellen wollte, Sie hätten sich was aus den Fingern gesaugt, sondern, weil ich das entsprechende Dokument gern achivieren möchte.
@18: So ist es. Aus dem Vorhandensein der 6 Indikator-Kongenere wird dann hochgerechnet (grob abgeschätzt), wie hoch der Anteil der weiteren Kongenere ist. Hierbei kommt es bekanntermaßen zu Fehleinschätzungen, die duchaus gravierend sein können. Das ist laut LANUV eine Frage der Praktikabilität und des Aufwandes (Kosten).
11:27
An Laertes:
Hätten Sie dafür vielleicht eine Quelle?
Mit Dank im voraus.
#12 von Laertes , am 13.07.2010 um 22:14
Natürlich gibt es dafür eine Quelle.
Der Text wurde nicht aus den Fingern gesogen.
Es ist ein Zitat aus einem Schreiben von Dr. Martin Kraft (damals MUNLV) aus dem Jahr 2005.
09:41
Auch, wenn solche Scherze langsam weh tun und Herr Neupert den tierischen Ernst vermissen lässt, sollte er mit der Nummer mit dem Schuglas im Fernsehen auftreten. Ein guter Moderator könnte ihn brilliant in Szene setzen.
04:17
Ach, und bevor Jemand fragt, ob man bei der Entsorgung von PCB-haltigen Trafos diese nicht bei Anlieferung auf die verschiedenen PCB-Varianten und deren Menge genau überprüft - Nö.
Und das ist bei der jetzigen Gesetzeslage für die Genehmigung solcher Anlagen auch gar nicht notwendig. Es reicht - wie Firmenchef Neupert schon im Januar gegenüber der WR ausführte - ein kurzer Blick auf ein Schauglas am Öltank des Trafos, um anhand der Färbung des Isolieröls einzuschätzen, wieviel PCB denn da so übern Daumen drin sein *könnte*.
03:48
(War natürlich für #15 bestimmt:-)