Envio: Ärzte verantwortlich für Kündigungen
04.08.2010 | 21:05 Uhr 2010-08-04T21:05:00+0200
Dortmund.Weil Envio keinen Arzt gefunden habe, der ihre Weiterbeschäftigung befürwortet hätte, seien sie nicht mehr tragbar – diesen Kündigungsgrund erfuhren die von Envio zum 31. August vor die Tür gesetzten Mitarbeiter am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung. Sechs der acht Betroffenen waren anwesend und mochten es kaum glauben.
Zwei Rechtsbeistände, deren Mandanten gegen die Entlassung klagen, halten die Kündigungen für anfechtbar. Unterdessen hat Envio signalisiert, am „Runden Tisch“ sitzen zu wollen, der die Folgen des PCB-Skandals aufarbeitet.
„Unglaublich und unglaubhaft“
„Auf vieles war ich gefasst. Aber darauf nicht.“ Der Mann hatte eine Begründung seiner Kündigung erwartet. Auch ein Bekenntnis des Firmenchefs zu seiner Verantwortung; Worte des Bedauerns. Doch von Dr. Dirk Neupert kam nichts dergleichen. Nur der Hinweis: „Die Ärzte geben keine Freigabe für unsere Arbeitsplätze“, so der Betroffene.
„Unglaublich und unglaubhaft“, sagt der Mann, dessen Klage gegen die Kündigung läuft. Da gebe der Verursacher des PCB-Skandals „die erste Erklärung seit Monaten, und dann so eine.“ Als Neupert gesagt habe, die Kündigungen seien nicht seine Idee, sondern die seines jüngst verpflichteten Krisenberaters Stockmann gewesen – spätestens da fragte sich der Betroffene: „Was mache ich hier überhaupt?“
Runder Tisch füllt sich
Envio war zum Versammlungsverlauf gestern nicht zu sprechen, sagte aber dem vom Land eingesetzten Krisenmoderator Eberhard Weber eine Teilnahme am Runden Tisch zu, der die Folgen des PCB-Skandals abarbeiten soll. „Unter den Kriterien der Offenheit und Transparenz haben sie ihre Mitarbeit angekündigt“, berichtete Weber nach einem 30-Minuten-Gespräch. Am Abend zog er auch die Bewohnerinitiative zur PCB-Verseuchung im Hafen in die Runde.
Für Rechtsanwalt Rolf Quittmann, der einen weiteren gekündigten Kläger vertritt, stellt sich nach der Betriebsversammlung „die Frage, ob Envio personen- oder betriebsbedingt kündigt“.
04:43
Es gibt ein Riesenproblem bei der Anerkennung des Berufskrankheits-Status durch irgendeine Berufsgenossenschaft, egal welche sich jetzt öffentlich zu populistischen Maßnahmen bereit erklärt:
Da sowohl die ABB Services GmbH als auch deren Nachfolger-Firma Envio Recycling GmbH & Co. KG (bevor das zu einer AG mutierte) davon wusste, dass das Betriebsgelände im Dortmunder Hafen stark mit PCB belastet war und trotzdem keinerlei gesundheitsschützenden Maßnahmen ergriffen und auch keine arbeits-medizinischen Untersuchungen auf PCB-Belastung im Blut der Mitarbeiter veranlasst hatten, kann sich jede Berufsgenossenschaft auf die Haftung ihrer einzahlenden Mitglieder - in diesem Fall Envio *oder* die beteiligten Personalverleiher - zurücklehnen und jegliche Zahlungen oder Maßnahmen verweigern.
Darüber kann auch ein runder Tisch nur die Deckel hin und her schieben.
17:23
Lese gerade in der RN:
Die Bezirksregierung Arnsberg hat am Donnerstag gegenüber der Firma Envio die Hinterlegung einer zusätzlichen Sicherheitsleistung in Höhe von 1,5 Millionen Euro angeordnet. Die Anordnung erfolgt in Abstimmung mit dem Umweltministerium.
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/lokalnachrichten_dortmund/Envio-soll-1-5-Millionen-hinterlegen;art930,991044
Gut so und weiter so!!
12:45
@8, joergel
Ich würde für die nicht mehr arbeiten wollen. Die Betroffenen sollten sofort eine Art Betriebsrente in guter ausreichender Höhe erhalten, mit Stadt, Bezirk und Land als Bürgen. Wenn envio nicht zahlen will (alles Geld längst im eigenen Firmendickicht verschwunden), muß eben gegen Neupert et al. geklagt werden. Das ist aber den Geschädigten nicht zuzumuten, das sollen dann diejenigen verantwortlichen Stellen tun, die envio trotz aller konkreten Warnungen so lange haben machen lassen, die den Laden unter Mißachtung ihrer Sorgfaltspflicht hofiert und dekoriert haben; auf eine Art, die umso unerträglicher erscheint, je mehr man von den Zusammenhängen erfährt.
@1, vaikl
Wer da nun Offenheit und Transparenz am runden Tisch mit envio kolportiert, hat wohl noch nicht begriffen, mit wem er es zu tun hat. Ich denke auch, Herr Weber sollte deutlich zurückhaltender sein und sich gewahr machen, wie die bisherige Kooperation seitens envio ausgesehen hat, bevor er solche Phrasen verbreitet.
12:08
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11:52
Eine Kündigung ohne Angabe von Gründen dürfte vor keinem Arbeitsgericht Bestand haben. Es muß angegeben werden ob sie aus betrieblichen Gründen oder verschulden des Arbeitnehmers erfolgte. Letzteres hätte einer vorherigen Abmahnung bzw. einer Straftat des Arbeitsnehmers bedurft.
Den Betroffenen ist daher zu raten vor das Arbeitsgericht zu ziehen und auf Wiedereinstellung zu klagen. Im schlechtesten Fall bekommen sie je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit eine entsprechend hohe Abfindung.
11:33
Mir stellt sich nicht die Frage ob Envio personen- oder betriebsbedingt kündigt, sondern nur wie man den vergifteten Menschen zu ihrem Recht verhelfen kann und Neupert endgültig das Handwerk legt.
11:29
Dr. Mengeles äh Neuperts Zynismus hat mit unserem Kapitalismus nichts zu tun. Unternehmer wie Götz Werner oder Dirk Rossmann kann man mit diesem Lumpen nicht auf eine Stufe stellen
11:18
Das ist wahrlich an Menschenverachtung kaum noch zu überbieten. Pfui Deubel noch mal. Wann wird diesen Ausbeutern und Meschenschindern endlich mal das Handwerk gelegt! Es wird allerhöchste Zeit, daß endlich mal ein ordentlicher Ruck durch Deutschland geht und solche Dreckskonzerne in die Schranken verwiesen werden!
10:06
Erst macht das Unternehmen die Leute krank - dann werden Sie gefeuert, da Sie kapuutt sind!!
Aber unser Kapitalismus ist ja ein Segen für die Menschheit - alle anderen System sind ja Teufelszeug!!!
10:02
Ich würde als Arbeitsrichter jedem der Betroffenen eine hohe Abfindung, auch aus dem Privatvermögen aller Verantwortlichen zusprechen!