Einsatz gegen Rechts als Lehre aus der Vergangenheit

Gut 3000 Menschen haben in der Bittermark den Opfern der so genannten Karfreitagsmorde durch die Gestapo vor genau 70 Jahren gedacht. Bei der Feierstunde an dem Mahnmal für NS-Opfer spielten aber auch die aktuellen Aktivitäten von Rechtsextremisten in Dortmund eine große Rolle.

Bittermark.. Oberbürgermeister Ullrich Sierau erneuerte unter dem Beifall der Zuhörer die Forderung nach einem Verbot der Partei "Die Rechte". "Unsere Stadtgesellschaft wird sich von den braunen Umtrieben nicht einschüchtern lassen", betonte der OB.

Als unerträglich bezeichnete der Vorsitzende des Vereins Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergpark-Komitee, Ernst Söder, die Aktionen der Rechten in den vergangenen Woche. Der Eindruck vieler Antifaschisten sei, dass eine kleine Clique die ganze Stadt terrorisiere und der Stadt hilflos zusehe, erklärte Söder.

Kritik an der Justiz

Er kritisierte nicht zuletzt auch die Justiz, die etwa nach den Auseinandersetzungen vor dem Rathaus am Abend der Kommunalwahl 2014 zahlreiche Verfahren gegen Rechte eingestellt hatte und das Verbot von rechtsextremen Veranstaltungen durch die Polizei aufgehoben hatte. "Es ist an der Zeit, dass auch einmal die Justiz beginnt, ihr Verhältnis zu Recht und Freiheit neu zu ordnen", sagte Söder.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand aber das Gedenken an die knapp 300 Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter, die im März und April 1945 unmittelbar vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Dortmund noch von der Gestapo ermordet worden waren, viele von ihnen im Rombergpark und in der Bittermark. Dass die Täter in der Nachkriegszeit für diese Verbrechen nicht oder zumindest nicht angemessen bestraft worden seien, bezeichnete Oberbürgermeister Sierau als "historischen Makel".

Gast aus Frankreich

Zum ersten Mal nach mehreren Jahren Pause nahm mit Jean Chaize als Präsident der Nationalen Französischen Vereinigung der Opfer der Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland erstmals wieder ein Vertreter französischer Zwangsarbeiter an der Gedenkfeier teil. Der 93-Jährige bezeichnete das Mahnmal in der Bittermark als "außergewöhnliches Symbol für ein Land, das den Mut hat, sich seiner Vergangenheit zu stellen und sich quer durch alle Generationen für einen dauerhaften Frieden einsetzt."

Für die Generationen übergreifende Wirkung des Gedenkens in der Bittermark sorgen nicht zuletzt die "Botschafter der Erinnerung", junge Schüler und Studenten, die seit einigen Jahren die Gedenkveranstaltung mitgestalten und Erinnerungsarbeit leisten. "Sie sind unsere Brücke in die Zukunft". lobte Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

600 Teilnehmer an Gedächtnislauf

Im Vorfeld der Gedenkfeier hatten rund 600 Wanderer und Läufer am Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf teilgenommen, der vom Stadion Rote Erde in die Bittermark führte. Er erinnert an den früheren Platzwart des BVB Heinrich Czerkus, der zu den Opfern der sogenannten Karfreitagsmorde 1945 gehört.