Einkaufsgalerie: Grüne spielen mit
22.04.2008 | 20:23 Uhr 2008-04-22T20:23:00+0200
Der Hamburger Investor ECE wird am morgigen Donnerstag im Rat "grünes Licht" für den Bau seines 270 Mio. Euro schweren Einkaufcenters erhalten. ...
... Allerdings darf ECE nicht wie gewünscht 29 000 qm Handelsfläche neu bauen, sondern muss sich auf 27 500 qm beschränken. Auf diese Größenordnung haben sich SPD und Grüne nach langem Tauziehen verständigt. Ginge es allein nach den Grünen, würde die Einkaufsgalerie noch deutlich kleiner ausfallen. "Wir stehen dem Projekt immer noch skeptisch gegenüber", machte Planungssprecherin Ingrid Reuter aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Man halte es für wünschenswert, das Center kleiner zu fahren, habe aber feststellen müssen, dass es "in der Öffentlichkeit keinen großen Widerstand" gegen das Vorhaben gebe. Und weil die Grünen ihre politische Mehrheit nicht aufs Spiel setzen wollten, haben sie die Kröte geschluckt und folgen dem Angebot der SPD von Montag, ECE müsse wenigstens 27 500 qm bauen dürfen - WR berichtete. SPD-Vormann Ernst Prüsse macht auch gar keinen Hehl daraus, "dass es sich um eine politische Zahl handelt" - verhandelt aus dem Willen der Partner, im Rat Entscheidungskraft beweisen zu können. Denn: Im Hintergrund wartet die CDU mit offenen Armen: jederzeit bereit, dem Investor sogar die gewünschten 29 000 qm zu ermöglichen - und zu demonstrieren, dass Rot-Grün jegliche Kraft zu politischen Entscheidungen verloren habe.
So traf sich Rot-Grün "beim kleinsten, gemeinsamen Nenner", wie Grünen-Fraktionschef Mario Krüger formulierte. Ein Nenner, der bei ECE in Hamburg allerdings keine Jubelstürme auslöst. Grund ist ein nicht weniger als 17 Punkte starker Maßnahmenkatalog, den SPD und Grüne ebenfalls beschließen möchten und der vom Wunsch getragen wird, den Kauffluss an Osten- und Westenhellweg nach dem Bau des Centers nicht austrocknen zu lassen. Dazu gehört, dass die Hamburger ihren Anteil an Textilien herunterschrauben müssen, der zuletzt rund 60 Prozent betrug. Textilien sind für ECE das Zugpferd unter den Sortimenten. Um wie viel der Bereich abgespeckt werden muss, lässt Rot-Grün offen. Vorgabe der Ratsmehrheit: ECE soll (abhängig von der Marktlage) wenigstens 5000 qm für Wohnen, Möbel und Lebensmittel auf Kosten anderer Waren in seinem Center reservieren - Segmente, die bislang nicht auf dem Verkaufsplan standen. Ob das Menü für ECE schwer oder doch leicht verdaulich ist - dazu wollen sich die Hamburger heute äußern.
Schutz für die Einkaufsmeile
Natürlich rechnet Rot-Grün damit, dass die Hamburger auch Läden in ihr Center auf Thier locken, die schon an Osten- und Westenhellweg um Kunden werben. Um Leerstände auf der Einkaufsmeile zu vermeiden, darf ECE höchstens die Hälfte seiner Fläche mit Mietern füllen, das gleiche Konzept an anderer Stelle in der City anbieten. Die Silberstraße, die überbaut und für Autos gesperrt wird, soll auf der Nord-Süd-Achse für Fußgänger und Radler 24 Stunden geöffnet bleiben. 150 Läden will ECE im Center unterbringen. Morgen soll der Rat den Weg frei machen und das Bebauungsplanverfahren anschieben.
18:18
an dortnase: das UFO wäre warscheinlich bautechnisch nicht realisierbar gewesen, so Sonae (3do) Chefarchitekt Quintaela.
Das 3do hat nicht die Stadt, sondern die Geizhälse der Deutschen Bahn AG platzen lassen
16:58
Könnte die WR etwas mehr über die städtebaulichen Prämissen schreiben? Z.B. die Verunstaltung des Berlet-Hauses mit übertrieben großen Glasflächen wurde im Deutschen Architekturforum (DAF) heftig kritisiert - ich hoffe, diesbezügliche Zurückhaltung wurde ebenfalls festgeschrieben?
16:31
im vergraulen von investoren für einkaufszentren hat man in dortmund ja erfahrung....
was hätte dortmund schon alles haben können! ufo, edo....
und wann ist nun der bahnhof in sparlösung dran?
14:01
Nene, meine Herrn, die Zeiten, als die Grünen nur spielen wollten, sind lange vorbei. Nun wollen sie endlich auch mal profitieren...
22:20
Hoffentlich kippen die Hamburger die Geschichte jetzt nicht aufgrund der 17 Punkte, die nun zu berücksichtigen sind...Trotz der peinlichen Feilscherei um Quadratmeter bin ich froh, dass die Grünen letzten Endes überhaupt zum Einlenken bereit waren.