Eine helfende Hand für ältere Einwanderer
01.09.2008 | 18:59 Uhr 2008-09-01T18:59:21+0200Sie wurden in den 60er Jahren gerufen, um dabei mitzuhelfen Deutschland wirtschaftlich wieder aufzubauen. Jetzt sind die türkischen Gastarbeiter der ersten Generation im Rentenalter und benötigen zum Teil selbst Hilfe. Sie sind pflegebedürftig. ...
... Emin-El heißt ein ambulanter Pflegedienst, der sich um diese Menschen kümmert. Ins Deutsche übersetzt bedeutet der türkische Name des Unternehmens so viel wie "helfende Hand". "Ein Name, der Sicherheit und Vertrauen ausdrückt", sagt Adil Yücel. Der Betriebswirt betreut für das Pflegebüro Bahrenberg unter anderem den Aufbau eines von türkischen Pflegediensten.
Das Pflegesystem in Deutschland sei seiner Meinung nach zwar sehr gut ausgebaut, jedoch gerade für die türkischstämmigen Menschen der ersten Generation schwer zugänglich: "Da gibt es einen hohen Pflegebedarf. Doch viele ältere Türken können nur wenig oder gar kein Deutsch." Ob nun diese Gruppe zu wenig Integrationsbereitschaft gezeigt oder der deutsche Staat seine Gastarbeiter damals zu wenig gefördert hätte, ist für Adil Yücel heute egal. "Sie leben hier und brauchen Hilfe. Und die bieten wir an." Unter dem Zeichen des roten Halbmonds, im Orient allgemein ein Zeichen für Gesundheit, hat Emin-El im November 2007 seine erstes Büro in Dortmund an der Münsterstraße eröffnet. Die Standortwahl ist kein Zufall: In der Nordstadt lebt knapp ein drittel der 26 000 Türken in Dortmund.
Zusammen mit dem Büroleiter Ismayil Caliskan arbeiten sechs Mitarbeiter für die Gesundheit türkisch und arabischstämmiger Menschen. Neben der häuslichen Pflege bietet Emin-El Physiotherapie, medizinische Fußpflege und hauswirtschaftliche Unterstützung an. Die allesamt muslimischen Krankenschwestern und -pfleger bekommen einen besseren Zugang zur häufig stark religiös geprägten Kundschaft als deutsche Helfer.
Aufklärungsbedarf ist sehr hoch
Die Tatsache, dass sich die Pfleger um die männlichen Kunden kümmern und Frauen ausschließlich von Frauen versorgt werden, komme dem Schamgefühl der älteren Menschen aus dem islamischen Kulturkreis entgegen.
Die Unterstützung beginnt häufig jedoch erst mit der Beratung. Denn der Aufklärungsbedarf der Zielgruppe von Emin-El ist ebenfalls sehr hoch. Oftmals wüssten die älteren Männer und Frauen gar nicht, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen könnten. "Viele können die Pflegeleistungen gar nicht bezahlen. Deshalb informieren wir auch über Möglichkeiten der Finanzierung über die Sozialhilfe", sagt Adil Yücel.
Emin-El versteht sich auch als Chance für die Muslime der zweiten und dritten Generation. Adil Yücel: "Wir bieten ihnen Job- und Ausbildungsmöglichkeiten in der Gesundheitsbranche." Offenbar ein Markt mit wirtschaftlicher Perspektive. In Kürze will Emin-El an der Bornstraße seine zweite Filiale eröffnen.
Ende der Serie
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