Einbrecher radelt Polizei am Tatort in die Arme
25.01.2010 | 18:08 Uhr 2010-01-25T18:08:00+0100
Dortmund. Bei der Wahl zu „Dortmunds dusseligstem Einbrecher” hätte er gute Chancen auf einen Spitzenplatz: Es war wahrlich keine Meisterleistung, für die der 39-Jährige jetzt wieder zwei Jahre hinter Schloss und Riegel wandert. So lautete am Montag das Urteil des Amtsgerichts.
Gleich zweimal, am 25. September und am 18. Oktober 2009, brach der Vater eines Kindes nachts in das Geschäft „Rad Engels” an der Lange Straße ein. Jedesmal mit mächtigem Getöse, jedes Mal ging dabei die Schaufensterscheibe zu Bruch. Und jedes Mal hinterließ der Mann nicht nur ein Trümmerfeld und mehrere kaputte Räder, sondern klaute auch ein wertvolles Montainbike. Nach seiner letzten „großen Tat” kam er dann auf die geniale Idee, mit dem ebenso auffälligen wie teuren Rad noch einmal am Tatort vorbeizuradeln. Just in jenem Moment, als mehrere Beamte mit der Spurensicherung beschäftigt waren.
»Mein Mandant wollte nicht wieder ins Gefängnis«
Es kam, was kommen musste: Das zuvor vom Geschäftsinhaber exakt beschriebene Mountainbike im Wert von 1000 Euro fiel den Beamten sofort auf. „Stehenbleiben, Polizei”, hallte es durch die Lange Straße. Der Angeklagte sprang von seiner Beute und gab Fersengeld. Weit kam er allerdings nicht- und das Theater ging weiter.
„Die Haft hatte meinen Mandanten so beeindruckt, dass er nicht schon wieder ins Gefängnis wollte”, begründete Verteidiger Jens Koch das, was sich erst im Polizeiwagen und dann auf der Wache abspielte. Wild schlug der Einbrecher um sich. Und warf sich, als er fixiert werden sollte, dermaßen heftig auf seiner Matte hin und her, dass sich eine Polizistin an der Hand verletzte.
»Die Geschwindigkeit Ihrer Rückfälle macht mir Sorgen«
Knapp einen Monat war er nach seiner letzten Haftstrafe wieder auf freiem Fuß, als ihm die unheilvolle Idee mit den Fahrraddiebstählen kam. „Das Überbrückungsgeld war sofort weg”, sagte der Mann, der seine Missetaten umfassend gestand und dadurch den Prozess erheblich verkürzte. Kaum wieder draußen, will er gleich wieder Geld für Kokain gebraucht haben.
Einst hatte er die Sparkasse in Brechten überfallen
Dies sei auch der Grund gewesen, damals die Sparkasse in Brechten zu überfallen, erzählte er weiter. Vier Jahre und sechs Monate Gefängnisstrafe hatte der gelernte Versicherungskaufmann einst im Landgericht dafür kassiert: „Nach dem Tod meines Vaters lief der Laden nicht mehr.” Ein Sohn aus geordneten bürgerlichen Verhältnissen, der „mit Karacho in die Schwerkriminalität rauschte”, so Amtsrichter Dr. Reiner Kollenberg: „Was mir wirklich Sorgen macht, das ist Ihre hohe Rückfall-Geschwindigkeit.”
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