Einblicke in die Frühzeit der Kohleförderung
29.03.2011 | 14:31 Uhr 2011-03-29T14:31:00+0200
Dortmund.Wo schlug die Geburtsstunde der Kohleförderung im Ruhrgebiet? Zunächst vermutet man sie nicht unbedingt dort: Da wo die Ruhr sich friedlich durchs Tal schlängelt, sich Menschen im Glücksspiel versuchen oder bei schönem Wetter hoch zum Kaiser Wilhelm Denkmal strömen, um von der Terrasse den fantastischen Weitblick bis in Sauerland zu genießen.
Obwohl nichts anderes als ein Glücksspiel war auch die Kohleförderung vor Hunderten von Jahren. Ein wenig unterhalb, kurz bevor man links zum Casino abbiegt, führt ein kleiner Pfad zum Geburtsort des Kohleabbaus im Pott. Und zwar zu einem bergbaugeschichtlichen Wanderweg am Nordwesthang des Sybergs, der sich in steilen Serpentinen an wiederhergestellten Mundlöchern alter Förderstollen und Flözen vorbei schlängelt. Aber Vorsicht: gutes Schuhwerk ist vonnöten, denn es handelt sich nicht um einen asphaltierten Wanderweg, stattdessen geht es holprig über Stock und Stein.
Dazu dokumentieren Hinweisschilder wie in einem Freilichtmuseum den Abbau von Kohle an einem der geologisch ältesten, abbaubaren Steinkohlenflöze im Ruhrgebiet und weisen auf die Standorte ehemaliger Zechenhäuser hin.
Urkundlich erwähnt wurde das Abbaugebiet erstmals 1582, als Mathias Becker, Richter in Schwerte und Westhofen, damals die Erlaubnis für die Förderung von Kohle im Tagebau erhielt. Dann wurde über Jahrhunderte in unterschiedlichen Steinkohlezechen das schwarze Gold abgebaut. Und man bekommt eine Ahnung davon, während man den Weg hinunter wandert, was für eine Knochenarbeit die Förderung damals war.
1740 erhielt die Zeche Schleifmühle eine Abbauberechtigung. 1755 gewannen sechs Mann 164 Tonne Kohle. Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit wechselten die Besitzer häufig. Die bekanntesten waren von Romberg, Heintzmann oder der in Manchester lebende Kaufmann und Politiker Friedrich Engels.
609 Tonnen Kohle
1858 genehmigte das Märkische Bergamt Bochum der Zeche Graf Wittekind einen Schürfschein zum Aufsuchen von Steinkohle in Syburg. „Vier Mann erbrachten 1873 die höchste Jahresförderung von 609 Tonnen Kohle. Wegen Unwirtschaftlichkeit wurde der Betrieb eingestellt“, steht es auf einer Tafel geschrieben. 1928 wurden die Dampfbagger beim Bau der Hengsteystraße, die parallel zum Bergbauweg verläuft, mit Kohle aus dem Flöz Sengsbank beheizt.
Heutzutage erklingen die knatternden Handwinden nur noch in Gedanken. Stattdessen begleiten Vogelgezwitscher vorbeirauschende Motorradfahrer den Spaziergang durch die Vergangenheit.
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