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Ein Riese erwacht zum Leben

29.07.2010 | 18:51 Uhr
Ein Riese erwacht zum Leben
Dortmunds größte Baustelle, das ECE Einkaufscenter, auf dem Gelände der ehemaligen Thier-Brauerei. Foto: Franz Luthe

Dortmund.Mit einer Investition von 300 Millionen Euro gehört die Thier-Galerie zu den feudaleren Baumaßnahmen in Dortmund. Allein der Umfang der Baustelle, der der Westenhellweg, der Hohe Wall und die Silberstraße wie eine zu enge Weste anliegen, macht die wirtschaftliche Macht in spe deutlich. 33 000 Quadratmeter Verkaufsfläche sollen’s werden - aber bis dahin wird noch mancher Kubikmeter Beton vergossen.

Ein bisschen mehr als zwei Monate Zeit bleiben noch, um den Rohbau abzuschließen. Wenn am 4. Oktober der Richtkranz über der Baustelle schwebt, dürfen alle, die an der Thier-Galerie mitarbeiten, den Schalter endlich umlegen: auf Ausbau, auf schön.

Keine einfache Baustelle

Dann kann sich Oberpolier Wolfgang Kohnle langsam auf eine neue Baustelle freuen. „Es ist keine einfache“, meint er, „man muss das Material so bestellen, wie es verbaut wird, weil’s keine Lagerflächen gibt.“ Um den Verkehr ringsum nicht zum Erliegen kommen zu lassen, „kriegt jeder Lkw ein Zeitfenster zum Anliefern“, sagt ECE-Projektleiter Jan Steinhauer.

Elf Meter tief ist die Baugrube, das Gebäude ruht auf Sandstein und auf Lehm. Acht Kräne sind in Bewegung, um die Baustelle mit Material zu versorgen. Holz, Stahl, Beton sind die Zutaten der Ursuppe fast eines jeden Neubaus. 32 000 Kubikmeter Beton sind bereits vergossen, 50 000 könnten es werden.

Angelo Larocca gehört zu der Kolonne, die wöchentlich 350 Tonnen Eisen verflechtet - Mikado mit Stahlstangen zur Armierung, um den Böden Festigkeit zu geben. Apropos Festigkeit: „Als es so warm war, mussten wir die Flächen mit Wasser kühlen, weil Beton nicht über 30 Grad warm verarbeitet werden soll“, sagt Kohnle. Im Sommer + 38, im Winter - 12, dann muss er warmgehalten werden.

Die Bodenplatte des Erdgeschosses ist derzeit ein Stangenwald aus 2500 Stahlstützen. Sie halten über Querträger die Schalbretter, auf denen die Bodenplatte des ersten Obergeschosses zum Aushärten ruht. Vier Geschosse für Verkauf und für Büroflächen sollen es werden, oben drüber thronen drei Geschosse für etwa 730 Autos.

Über den Vermietungsstand sagt der Sprecher des Investors ECE, Christian Stamerjohanns, nichts. „Wir gucken bis zuletzt nach dem besten Mix“, meint er. Es gibt Läden von 30 bis 40 qm Größe bis hin zu Fluchten von 7000 qm.

160 Leute derzeit

160 Leute sind derzeit auf der Baustelle beschäftigt, mit Beginn des Ausbaus werden es 1000, schätzt Stamerjohanns. „Die ersten kommen sechs Monate vor der Eröffnung, die meisten zwei bis drei Monate vorher.“

Die Filialisten kommen mit Konzepten, den kleinen Einzelhändlern biete man Hilfe beim Ausbau an . Verkaufen tut dann jeder alleine.

Dirk Berger

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Kommentare
01.08.2010
20:04
Ein Riese erwacht zum Leben
von ronald70 | #10

Das ECE ändert, dass man die Silberstraße nicht mehr durchfahren kann, was vor allem eine zusätzliche verheerende Behinderung des Radverkehrs in der City darstellt, da man nun regulär mit dem Rad sogut wie gar nicht mehr in die City fahren kann, da ja, die Kampstraße auch schon extra radfeindlich umgebaut wurde. Man kann nur noch in die City schieben, also kann man das Rad am besten gleich ganz zu Hause lassen - oder man muss in der Dortmunder City als Radfahrer die StVO einfach ignorieren.

01.08.2010
12:51
Ein Riese erwacht zum Leben
von der allmaechtige wirds richten | #9

@7 ronald70.
da setzt aber vermutlich ein umdenken bei den planern ein. soeben wurde der radverkehr auf einem teil des vogelpothswegs vom buergersteig auf die strasse verlegt (im zuge der neuasphaltierung). insgesamt gibt es aber noch viel bedarf: z.b. suedlicher teil der schuetzenstrasse oder moeller/lindemannstr mit den vielen querstrassenquerungen.
radverkehr gehoert auf die strasse mit einer separtaten spur und nicht auf den buergersteig.

zum ece: ich sehe nicht, was das am radverkehr durch die city aendert!? ansonsten sollte man die wirkung auf den einzelhandel in der city mal abwarten. die brueckstr spricht von der struktur eher junges publikum an. das ist im ece wohl nicht der erste adressat.

31.07.2010
14:31
Ein Riese erwacht zum Leben
von ronald70 | #8

Danke für die Zustimmung, @DoBiDo. Ich sehe es allerdings nicht so, dass die Infrastruktur fürs Radfahren in Dortmund in den letzten 20 Jahren besser geworden ist. Im Gegenteil ist es durch einige Pseudo-Radwege (mit verpflichtender Benutzung), die dazugekommen sind, oft noch schlechter geworden. Es sind oft nur Verdrängungsplanungen. Weg von der
Fahrbahn, dafür immer nach dem Motto: Radfahrer sollen sich doch lieber mit den Füßgängern anlegen statt, dass die Autofahrer sich gestört fühlen könnten. Dabei sind Radwege am Fahrbahnrand oder gleich Radfahren auf der Fahrbahn (je nach Straßenkategorie) wegen besserem Gesehen-werden meistens viel sicherer als die Hoppelpflaster-Pseudo-Radwege mit diversen Hindernissen und eckiger Wegeführung auf den Gehwegen.

Sämtliche Radwege in der Innenstadt von Dortmund sind ganz offensichtlich von Leuten geplant, die entweder nie selbst Rad fahren oder eben nur mal am Wochende ins Grüne mit dem Rad fahren. Und je mehr Alibi-Radwege in Dortmund ohne jede praktische Ahnung vom Radfahren in der Stadt zu haben gebaut wurden, desto schlimmer wird es in der Praxis meistens. Dortmund tut nach wie vor alles, um das Radfahren möglichst unattraktiv zu machen, auch, wenn die Stadt-Marketing-Leute nach außen gern das Gegenteil behaupten. Dortmund plant und baut nach wie vor für die Auto fahrenden Vorstädter aus Kirchhörde und der Bittermark und natürlich für die Kaufkraft aus dem Sauerland. Die können alle bequem auf Kosten der Innenstadtbewohner nach Dortmund rein fahren und schön überdacht parken.

Innenstadtbewohner sind in Dortmund zunehmend die Dummen. Und diese Entwicklung nimmt weiter zu, nicht ab. Auch, wenn es uns gern genau umgekehrt verkauft wird. Alles Propaganda, die die meisten leider auch noch glauben.

31.07.2010
14:03
Blockierter Kommentar.
von DoBiDo | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

31.07.2010
14:03
Ein Riese erwacht zum Leben
von DoBiDo | #6

@ 5 ronald 70

Sie haben vollkommen recht. Fahradfahren in Dortmund ist zwar insgesamt in den Jahren immer etwas besser und sicherer geworden aber der Zustand des Radwegesystems ist noch weit von auch nur zufriedenstellenden Ergebnissen entfernt. Radfahren in der City ist und bleibt gefährlich und eine Zumutung. Das dies auch den Ignoranten in der Planungs- und Bauverwaltung geschuldet ist, vermute ich auch.

Eine sichere und zügige Ost-West Verbidung für den Radverkehr durch die City und Fahrradabstellanlagen in der City sind dringend erforderlich.

31.07.2010
10:03
Ein Riese erwacht zum Leben
von ronald70 | #5

@DEWFan: Das ist ja das Problem, dass man in Dortmund immer die beiden schwächsten Verkehrsteilnehmergruppen (Fußgänger und Radfahrer) per Infrastuktur mit einander in Konflikte geraten lässt. Radfahrer sind keine Fußgänger und haben auf deren Wegen auch nichts zu suchen. Es gibt keinen separaten Radweg durch die Kampstraße; ab der neuen Aufflasterung ist im Fußgängerstrom absolut kein flüssiges Durchkommen für Radfahrer. Ich verstehe nicht, wieso alle immer meinen, Radfahrer müssten immer schleichen oder am besten gleich schieben. Es MUSS eine flüssige Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt für Radfahrer geben. Radfahrer dafür genauso um den Wall zu schicken wie Autofahrer ist schlicht unzumutbar. Auch die Kaufleute unterschätzen die Kaufkraft der Radfahrer ganz sicher um einen hohen Faktor. Dass es in der City keine einzige Rad-Abstell-Anlage gibt, die diesen Namen auch verdient hat, ist ebenfalls ein Zeichen dafür. Nur für Autos werden immer mehr Parkhäuser gebaut, Radfahrer müssen nach wie vor im Regen und mit viel zu geringen Abständen parken.

Dazu kommt die neue Anschlusstelle am Westentor. Wenn man stadtauswärts aus der Kqampstraße kommend in die Rheinische Straße fahren will, so muss man streng nach StVO auch als Radfahrer erst rechts abbiegen Richtung Bahnhof, dann über zwei Inseln über die Fußgängerampel auf die andere Straßenseite am Wall, um dann endlich Richtung Süden mit Abzweig in die Rheinische Straße fahren zu können. Macht natürlich keiner, aber der direkte Weg ist für Radfahrer nun mal nicht offiziell vorgesehen (beschildert). Und die breiten Fußwege auch als Radwege vorzusehen (was nicht wirklich der Fall ist), birgt ebenfalls ständig Konflikte zwichen Radfahrern und Fußgängern, speziell an den Überwegen am Wall.

Das ganze ist schlicht eine völlig gedanklenlose und inkompetente Planung und Umsetzung, auch schon rein städtebaulich, weil man die fortgesetzte Achse der Kampstraße ins neue U-Gelände hinein gerade für Fußgänger und Radfahrer funktional völlig vernachlässigt und somit eine große Chance verpasst hat. Gnadenlos schlecht, diese Planung! Aber typisch für Dortmund. Da sitzen halt leider nur Dilettanten im Planungs- und Bauamt.

Dass man nun die südliche Ost-West-Verbindung Silberstraße auch noch dicht macht, ist nur ein weiteres Zeichen dieses Dilettantismus. Note 6! Setzen!

31.07.2010
02:26
Ein Riese erwacht zum Leben
von Benno | #4

Schönes Bild, das mit dem sich erhebenden Riesen.

Wenn der ECE-Riese losmarschiert, könnte er allerdings die ohnehin schon arg gebeutelte Brückstrasse plattreten und sollte er fallen, dann ist der Kolateralschaden auf dem Westenhellweg gewaltig.

30.07.2010
16:37
Ein Riese erwacht zum Leben
von DEWFan | #3

@ronald70:
Die City innerhalb des Wallrings ist beileibe kein Radler-Paradies zwischen Fußgängerzonen, Verkehrsverschwenkungen und parkenden Autos,
da gebe ich Ihnen recht.

Aber Ihr Argument mit der Kampstraße kann ich nicht nachvollziehen! Die ist jetzt wesentlich radfreundlicher, dank der breiten Gehwege und der Verkehrsberuhigung. Vorher musste man dort gezwungender Maßen links abbiegen oder mitten durch den Fußgängerpulk, wenn man trozdem gerade aus wollte. (Fahrrichtung Osten, kurz hinter Petrikirche)

In Westrichtung in Höhe der Sparkasse kam man automatisch in die Rechtabbiegespur oder musste sich in die linke Spur einreihen. Das war für Radfahrer inmitten der Autos schon ein gewagtes Manöver.

30.07.2010
13:18
Ein Riese erwacht zum Leben
von armer ronald | #2

Es gibt Leute.... die haben Probleme!

30.07.2010
10:49
Ein Riese erwacht zum Leben
von ronald70 | #1

Das Bauwerk ist aus meiner sicht vor allem eine starke Maßnahme dafür, den Radverkehr in der Innenstadt fast völlig zu Erliegen zu bringen, nachdem auch der Umbau der Kampstraße dieses Ziel schon wunderbar gefördert hat. Eine Ost-West-Verbindung für Radfahrer durch die City ist nun endlich völlig passé. Bravo!

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