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Schul-Sozialarbeiter

Ein Mann für alle Fälle

18.06.2012 | 06:00 Uhr
Ein Mann für alle Fälle
Rainer Hubbert ist an der Albrecht-Brinkmann-Grundschule Schulsozialarbeiter. Seinen Arbeitsplatz erhielt er im Rahmen der Umsetzung des Bildungspakets (Teilhabepaket Schule und Bildung). Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   75 neue Stellen sind in Dortmund für Schulsozialarbeiter dadurch geschaffen worden. Sie sollen in den Schulen für die Leistungen werben. Einer von ihnen ist Rainer Hubbert. Er ist Mitteler zwischen Schule und Familie – denn, so zeigt die Erfahrung, die meisten Ursachen für Lern- und Schulprobleme liegen zu Hause.

Samir ist nicht da. Die Schule hat begonnen, aber der Platz des Jungen ist mal wieder leer geblieben. Es ist Zeit, den Eltern einen Besuch abzustatten. Der Schulleiter der Albrecht-Brinkmann-Grundschule hat für solche Fälle einen Mann an seiner Seite: Rainer Hubbert ist Schulsozialarbeiter und kümmert sich um Jungs wie Samir*.

Seit Oktober ist Hubbert an der Grundschule im Einsatz. Er wurde eingestellt im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT). 75 neue Stellen sind in Dortmund für Schulsozialarbeiter dadurch geschaffen worden. Sie sollen in den Schulen für die Leistungen werben. „Das ist für mich ein Türöffner“, sagt Rainer Hubbert. Er informiert und berät die Eltern, hilft ihnen, den Antrag auszufüllen. „Und so komme ich mit ihnen ins Gespräch.“ Über das Kind, die Familiensituation. „Manche Eltern sind sehr zurückhaltend, aber es gibt auch viele, die darauf eingehen.“ Immer wieder muss Hubbert den Eltern auch die Scham nehmen, die Leistungen des BuT in Anspruch zu nehmen. „Doch an dieser Schule ist das nicht die Ausnahme, sondern die Regel.“ Mehr als 60 Prozent der Schüler bekommen Leistungen aus dem BuT.

Kontakt zu Eltern ist besonders wichtig

Nicht nur die Eltern, auch die Lehrer wenden sich an den Schulsozialarbeiter, wenn eines der immerhin 470 Kinder an der Grundschule besonders auffällt. Wie Samir. Ihn besuchten Hubbert und der Schulleiter zu Hause. „Wir fanden heraus, dass die Eltern wollen, dass er zur Schule geht.“ Doch der kleine Junge sträubte sich vehement. Weil seine Eltern aus der Heimat geflüchtet waren, war Samir nicht an regelmäßigen Unterricht gewöhnt. „Und er hatte Angst vor der ungewohnten Situation.“ Die Angst versuchten der Diplom- Sozialarbeiter und die Lehrer ihm zu nehmen – heute fühlt sich Samir wohler, er hat Freunde gefunden. „Und er weiß, dass ich auch noch da bin“, betont Hubbert.

Ein weiteres Beispiel: Ein Kind, das den Unterricht störte, sich nicht konzentrieren konnte. Rainer Hubbert konnte bei einem Besuch zu Hause erkennen, was das Problem ist: Das Mädchen wohnte zusammen mit seinen beiden Eltern, zwei Geschwistern und den beiden Großeltern in einer 2,5-Zimmer-Wohnung. Eine ernste Situation, denn auf so kleinem Raum kann ein Kind sich nicht entwickeln. „Die Großeltern waren im Sommer monatelang zu Besuch“, schildert Hubbert. Er konnte den Eltern klar machen, dass die Großeltern woanders unterkommen müssen. Zusätzlich wurde das Mädchen in den Ganztag der Schule aufgenommen, um etwas mehr Ruhe zu haben. „Hätte sich bei der Familie nichts geändert, hätte ich das dem Jugendamt melden müssen.“

Um das Einsehen der Eltern muss der Sozialarbeiter oft kämpfen. „Eine afrikanische Mutter setzt andere Prioritäten als eine Mutter aus Kirchhörde“, sagt der 48-Jährige. Der kulturelle Einfluss spiele eine große Rolle bei der Erziehung. Und kulturelle Unterschiede gibt es viele an der Schule: mehr als 60 Nationen sind dort vertreten. Die Unterschiede können sich zum Beispiel in der Kleidung zeigen. Manche Eltern verstünden nicht, warum ein Kind besondere Sportschuhe braucht. Der Zustand der Kleidung sage nur wenig darüber aus, ob ein Kind vernachlässigt werde. „Das ist den Eltern oft nicht bewusst.“ Nur in wenigen Fällen, kommt Hubbert nicht weiter, zeigen die Eltern keine Einsicht. Meistens reagierten sie so wie die Eltern von Samir – sie sind froh über die Hilfe.

Von Christina Römer


Kommentare
18.06.2012
09:01
Ein Mann für alle Fälle
von WhitestarDTM | #2

Leistungen aus dem BuT? -60% der Kinder an dieser Schule erhalten sie...

Was ist denn das wieder für ein Topf? Gibt es eigentlich auch noch normale Leute die arbeiten gehen und nicht aus irgendwelchen Töpfen leben? Kippe, Handy und Köter weg, 5 Tage die Woche morgen früh raus, dann braucht es solche Töpfe nicht.

1 Antwort
Ein Mann für alle Fälle
von xxyz | #2-1

Erfolge in Dortmund!
- die Zahl der Mensch in drogenkonsumraumen erhöht
-die trinkerraume sind gut besucht
- der arbeitslosentreff hat mir Besucher
- wieder neue Fördergelder,, um Bürger beim Atmen zu unterstützen

Wer soll das bezahlen, warum traut man den Menschen nichts zu?

Sind die ganzen kummerer sichere Wählerstimmen? Hat man Angst, dass selbständige Menschen andere Parteien wählen?

18.06.2012
06:30
Ein Mann für alle Fälle
von xxyz | #1

Was ist nur aus vielen Eltern und deren Umfeld geworden? Sind ihnen die Kinder egal, hauptsache die staatlichen Zalungen laufen. Hier müssen die Eltern stärker in die Pflicht genommen werden. Sonst haben wir staatliche Erziehung für alle und zählen wahnsinnige Summen. Wie ging es fruher nur ohne die ganzen Kummerer oder sehen sie die Probleme zur jobsicherung?
Die Eltern bekommen immer mehr Geld für die Erziehung, gleichzeitig werden ihnen immer mehr Aufgaben abgenommen. Das passt nicht. Ich will auch keine staatliche Erziehung für alle!

Meine Erfahrungen sagen auch, dass in allen Kulturen sehr viel Wert auf Schule und Bildung gelegt wird. Der Aufwand, den viele arme Eltern in entwicklungslander für die Schulbildung ausüben, ist für uns unvorstellbar. Deshalb kann ich einige Passagen des Artikels nicht nachvollziehen.

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