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Bild abgehängt – falsche Rücksichtnahme auf Flüchtlinge?

22.03.2016 | 11:20 Uhr
Bild abgehängt – falsche Rücksichtnahme auf Flüchtlinge?
Franz Ott stellt in der Auslandsgesellschaft aus - aber nicht dieses Bild.Foto: Tilman Abegg

Dortmund.  Mit Unverständnis reagierten junge Flüchtlinge in einer Ausstellung auf ein Bild von Franz Ott. Das Bild wurde abgehängt. Daran regt sich nun Kritik.

In einer Anfang März eröffneten Ausstellung mit Bildern von Franz Ott reagierten viele jugendliche Geflüchtete auf ein Bild mit heftigem Unverständnis. Am 1. März entschieden die Auslandsgesellschaft (AG) und der Künstler Franz Ott, das Bild im Foyer der AG wieder abzuhängen. Ein Fehler aus falscher Rücksichtnahme?

Als Ott das Bild kurz vor der Eröffnung am 3. März aufgehängt hatte, kam es im Foyer zu tumultartigen Szenen, sagt Martina Plum von der AG. Viele der männlichen Geflüchteten rasteten aus, die einen pöbelten mit obszönen Gesten vor dem Bild herum, die anderen forderten empört, das Bild sofort abzuhängen, weil es eine Frau in einer für sie unerträglich erniedrigenden Situation zeige. Ott und Plum hängten das Bild wieder ab.

Empörte Reaktionen junger Flüchtlinge

Die Entscheidung rief Empörung hervor. Das Bild abzuhängen sei unangebracht. Die Reaktionen der jugendlichen Geflüchteten seien Zeichen eines Konflikts mit unserer Lebensart. Die Abnahme des Bildes komme der Vermeidung dieses Konfliktes gleich, und das sei falsch. Denn Konflikte könne man nur lösen, wenn man sie ausdiskutiert.

Darüber hinaus sei diese Entscheidung Wasser auf die Mühlen der rechten Szene, die ja immer wieder vor einer "zunehmenden Islamisierung" oder ähnlichen Schreckgespenstern warnt. Die könnte sich durch Entscheidungen wie diese bestätigt fühlen und noch mehr Zustimmung erhalten.

Diese Reaktionen erreichten Martina Plum

In den Tagen nach unserem Bericht habe sie etwa zehn Mails mit "äußerst wüsten Beschimpfungen" erhalten, sagte Plum. Die Absender würfen ihr Zensur vor und werteten die Abhängung des Bildes als Unterdrückung der Meinungsfreiheit, "so hat auch das Dritte Reich angefangen", zitierte Plum aus einer Mail.

Diese Reaktionen erreichten Franz Ott

Ott postete den Link auf unseren Online-Artikel auf seinem Facebook-Profil. In den Kommentaren darunter sei daraufhin unter etwa zehn seiner Künstlerfreunde eine hitzige Diskussion entbrannt, sagt Ott: Falsche Entscheidung, sagten die meisten. Die Kunst dürfe auf die religiösen Gefühle ihrer Betrachter keine Rücksicht nehmen.

Das sagt der Maler Franz Ott

Das Bild mit dem Titel "Sklaverei ist vorbei" sei gedacht als kritischer Kommentar zu unserer Gesellschaft, sagt Franz Ott. Unserer Gesellschaft, die Gleichberechtigung zwar oft behaupte, aber noch lange nicht erreicht habe. Er hatte das Bild bewusst ausgewählt: Den 100 bis 140 minderjährigen und unbegleiteten Geflüchteten, die in der AG täglich ihre Deutschkurse besuchen, wollte er damit andeuten, dass Deutschland kein Paradies ist.

Ausstellung in der Auslandsgesellschaft
Darum hängte Maler Franz Ott dieses Bild wieder ab

Vor einer schweren Entscheidung stand der Maler Franz Ott am Mittwoch: Beim Aufbau seiner Ausstellung im Foyer der Auslandsgesellschaft legte ihm die...

Das Argument, die Entscheidung gieße Wasser auf die Mühlen der politisch Rechten, überzeugt Franz Ott nicht. Politisch rechte Menschen seien ja nicht gerade dafür bekannt, die Kunstfreiheit zu schützen. Wenn sie sich jetzt empören würden, müssten sie damit sich selbst widersprechen.

Seine Entscheidung bereue er nicht. Allerdings, und das sei ihm wichtig: Rücksicht auf die Religion habe dabei keine Rolle gespielt. Er wollte mit dem Bild aufklären. Als er erfuhr, dass sein Bild als sexuelle Provokation hoffnungslos missverstanden wurde, wollte er es lieber abhängen, als die von ihrer Flucht traumatisierten jungen Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Das sagt Martina Plum von der Auslandsgesellschaft

Auch Plum sagt: "Es geht dabei nicht um Religionen, sondern um ein friedliches Miteinander." Natürlich müsse man Konflikte möglichst immer ausdiskutieren, Völkerverständigung sei die Hauptaufgabe der AG. In diesem Fall wäre das jedoch zu aufwendig gewesen. Sie plane dagegen nach wie vor, einen Diskussionsabend mit den Jugendlichen, dem Künstler und seinem strittigen Bild zu organisieren.

Die Ausstellung von Franz Ott in der Auslandsgesellschaft, Steinstraße 48, ist zu sehen bis 6. April (Mittwoch), geöffnet Mo-Fr 8-18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Tilman Abegg

Kommentare
23.03.2016
08:30
Bild abgehängt – falsche Rücksichtnahme auf Flüchtlinge?
von Sammycool | #38

Oh Mann, wie werden die erst schauen wenn der Sommer kommt und die Mädels mit Miniröckchen und Hotpants rumlaufen ???
Bin schon gespannt auf die...
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Bild abgehängt – falsche Rücksichtnahme auf Flüchtlinge?
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2016-03-22 11:20
Dortmund