Ein altes Spiel, aber ein junges Feld
05.07.2009 | 17:32 Uhr 2009-07-05T17:32:00+0200Schach, das uralte Brettspiel, kam vor Jahrhunderten aus dem Orient in unsere Breiten. Seine Faszination ist bis heute ungebrochen. Millionen Menschen spielen es, begeistern sich an eleganten Figurenmanövern, schönen Kombinationen und Mattattacken auf dem Brett.
Die meisten tun es zum Spaß; wer mehr Ehrgeiz entwickelt, geht in einen Schachverein. Und die Elite der Denksportler trifft sich jedes Jahr zu hochkarätigen Turnieren wie in Dortmund. Die 37. Auflage des Sparkassen Chess-Meetings ist ein vielsagender Beleg dafür, dass die Westfalen-Metropole seit langem zu den Schachhochburgen dieser Welt gehört.
Altes Spiel, aber junge Gesichter. Im Schauspielhaus können die Zuschauer ein erlesenes Teilnehmerfeld bewundern, dessen Durchschnittsalter um die 26 Jahre beträgt. Die Spitzenkönner im Schach werden immer jünger. Im Computerzeitalter kann man schon mit 13 oder 14 Jahren Großmeister werden, wie Magnus Carlsen und vor ihm auch Peter Leko und Etienne Bacrot gezeigt haben. Mit 34 Jahren ist Wladimir Kramnik der Turniersenior in Dortmund. Der Seriensieger hat als einziger die 30 schon überschritten.
Am Samstag spielte der Russe gegen Magnus Carlsen aus Norwegen, der mit 18 Jüngster im Feld ist. Wer die Partie der beiden im Saal oder im Internet verfolgte und einen langen, kompromisslosen Fight erwartete, wurde enttäuscht. Noch ehe eine Stunde vergangen war, gab Carlsen mit seiner Dame ein Dauerschach, worauf beide Spieler schon im 19. Zug die Friedenspfeife rauchten.
Beide Superstars treffen im zweiten Durchgang des doppelrundigen Turniers noch einmal aufeinander. Ob der achtfache Schachkönig von Dortmund, der dann mit Weiß Aufschlag hat, den jungen Norweger auch so leicht davonkommen lässt? Dennoch hat Carlsen bisher alles richtig gemacht. Er gewann am Anfang des Turniers, als die anderen noch die Punkte teilten und hält die starke Konkurrenz seither auf Distanz. Nicht umsonst ist der vielbewunderte Großmeister als Weltranglisten-Dritter in Dortmund an Nr. 1 gesetzt. Aber Carlsen bleibt der Gejagte. Bei sechs offenen Runden kann sich noch viel ändern. Die Küken werden auch in Dortmund erst zum Turnierende am nächsten Sonntag gezählt.
Dagobert Kohlmeyer ist ein international bekannter Schachpublizist aus Berlin. Er berichtet seit 1990 von den Dortmunder Schachtagen.
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