Das aktuelle Wetter Dortmund 8°C
Serie „Wohnen in...

Eigentum ist nicht mehr verpönt

10.08.2010 | 12:45 Uhr

1995 zogen sie weg aus Dortmund ins benachbarte Münster. Fünf Jahre später kommt der Gedanke, sich zurückzuorientieren. Beate und Jan Patzek mit ihren beiden Kindern (3 und 5 Jahre) wollen bauen. Sie besuchen das Neubaugebiet Hohenbuschei in Brackel, besichtigen die Baustelle am Phoenix-See und informieren sich über Bodenpreise. Beate (37), Grafikdesignerin und Jan (38), Gynäkologe, sind sich noch unschlüssig. Familien wie sie sind heiß umworben in Dortmund: Sie sind qualifiziert, verdienen gut und verbessern die Einwohnerstatistik. Und haben in Dortmund bei der Suche nach Eigentum die Qual der Wahl.

„Man merkt, dass Dortmund eine andere Grundstückspolitik fährt als noch vor 15 Jahren“, sagt Immobilienmakler Jürgen Trunk. Galt es früher in der Bier-, Kohle- und Stahlstadt fast schon als anrüchig, sich ein eigenes Haus anzuschaffen, wird die Eigentumsbildung seit geraumer Zeit angekurbelt wie nie. „Natürlich können wir uns nicht mit einkommensstarken Städten wie Hamburg vergleichen“, sagt Immobilienexperte Trunk. „Aber der Bedarf ist da, der Eigentumsmarkt ist stabil.“ Wer kann, kauft. Das Angebot ist da - „und die derzeitige Zinslage mit 3,5 bis 4 Prozent überaus günstig“, sagt Trunk. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werde die eigene Immobilie als sichere Altersvorsorge wiederentdeckt.

Dafür spricht einiges. Tatsächlich zieht die Konjunktur auf dem Eigentumsmarkt an, die Talsohle der vergangenen Jahre scheint durchschritten. Verglichen mit 2008 ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen als Eigentumsform 2009 um 18 Prozent auf 884 gestiegen, die der Baugenehmigungen um 116 Prozent auf 1077. Die Quote könnte in den nächsten Jahren noch höher ausfallen: Die Kommune bringt Neubaugebiete in einer Fülle an den Markt wie nie zuvor.

Die Stadtwerke entwickeln und vermarkten das Neubaugebiet Hohenbuschei in Brackel mit 960 Wohneinheiten und unterschiedlichen Haustypen, zu Quadratmeter-Preisen von 225 Euro. In der Brechtener Heide bietet die Stadt Grundstücke für 800 bis 1000 Wohnungen an, und am Vorzeigeprojekt Phoenix-See entsteht eine ganze Palette von Eigentumshäusern - die Stadtkrone Ost und die frühere Suffolk-Kaserne sind fast vollständig bebaut. Zuviel des Guten für eine 580 000 Einwohner-Stadt, deren Bürger in Gänze nicht über die größte Kaufkraft verfügen?

„Nein“, findet Wohnungsamtleiter Hans-Peter Neuhaus. Natürlich werde sich die Vermarktung einiger Gebiete über Jahre ziehen. „Aber dass die Flächen in Konkurrenz zueinander stehen, sehe ich nicht, weil unterschiedliche Käuferschichten angesprochen werden.“

Phoenix-See:
Verkauf läuft gut

Während die Grundstücke am Phoenix-See eher im hochpreisigen Segment angesiedelt seien, kämen auf Hohenbuschei und in der Brechtener Heide auch mittlere Kategorien in Betracht.

Klar ist aber auch: Nicht jedes Gebiet ist gleich stark nachgefragt. Im Baugebiet Brechtener Heide läuft der Verkauf eher schleppend, am Phoenix-See hingegen gut. Etwa ein Drittel der rund 300 Grundstücke, die allein für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser angeboten würden, seien verkauft, meldet Ursula Klischan von der Entwicklungsgesellschaft Phoenix-See. „Dabei kommen unsere Interessenten nicht allein aus Dortmund, bei uns erscheinen Bauwillige aus Haltern, Gelsenkirchen, Arnsberg.“ Die Grundstückspreise, 300 qm inklusive Erschließung, liegen für Dortmund durchaus im oberen Drittel - scheinen die Attraktivität aber nicht zu schmälern.

Tatsächlich wirkt sich die massenweise Produktion von Bauland dämpfend auf das Preisniveau aus. Im Mittel zahlen Dortmunds Häuslebauer in mäßigen Lagen 170 Euro/qm, in mittleren Lagen 225 Euro und in guten Stadtteilen schon mal 350 Euro. Nach einer Untersuchung von empirica wird ein neues Reihenhaus je nach Lage und Ausstattung mit Preisen zwischen 150 000 und 260 000 Euro angeboten; eine Doppelhaushälfte mit 180 000 bis 300 000 Euro. Ein freistehendes Einfamilienhaus, gute Lage, passable Ausstattung schlägt schon mal mit 400 000 Euro und mehr zu Buche.

Verfügte Dortmund vor rund 15 Jahren mit 18 Prozent über eine vergleichsweise geringe Eigentumsquote, dürfte die nach Schätzung von Neuhaus inzwischen bei knapp 24 Prozent liegen. Aufmerksam registrieren die Experten im Wohnungsamt einen weiteren Trend - die verstärkte Nachfrage nach einer Gebrauchtimmobilie.

Zum Vergleich: 2005 wurden 48 Käufer von gebrauchten Objekten mit öffentlichen Mitteln unterstützt, 2009 waren es 78. „Ein gebrauchtes Haus“, sagt Neuhaus, „liegt im Schnitt 50 000 bis 80 000 Euro billiger und ist somit eine echte Alternative für Familien, die sich einen Neubau nicht unbedingt leisten können.“ Familie Patzke aus Münster hat ihre Entscheidung noch nicht getroffen. Dortmund, sagt das Ehepaar, wäre aber ein guter Kompromiss. Wegen des Arbeitsplaztes: Vater Jan arbeitet in Essen.

Gregor Beushausen

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3504267/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Zum Geburtstag ein Mammut
Naturkundemuseum
Sie wollen mit Dr. Dr. Elke Möllmann den 100. Geburtstag des Naturkundemuseums feiern? Kein Problem: Kommen Sie am nächsten Sonntag doch einfach vorbei – der Eintritt ist frei. Sie wollen ein Geschenk mitbringen? Dann besorgen Sie schon mal ein paar Meter Geschenkpapier.
Polizei Dortmund sucht Zeugen für Unfallflucht
Polizei
Ein bislang unbekannter Autofahrer hat am Samstagmorgen einen 23-jährigen Fußgänger aus Dortmund angefahren und flüchtete anschließend. Das Unfallopfer wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.