Drogenabhängiger nach Messerattacke verurteilt
11.08.2009 | 17:11 Uhr 2009-08-11T17:11:00+0200
Es war gegen acht Uhr morgens, als der Passant auf dem Westenhellweg Ecke Petrikirchplatz plötzlich den Satz gehört haben will. „Los, Geld 'raus”. Sekunden später spürte er ein Messer am Hals.
Wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung verurteilte die 39. Große Strafkammer einen Drogenabhängigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Ein Urteil, das für den 30-Jährigen auch die Chance auf einen Neubeginn birgt. Einen Teil der Strafe kann der Mann in einer Therapie-Einrichtung verbringen. Hält er die Therapie durch, kann der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.
Was sich am Morgen des 9. Dezember 2008 in der menschenleeren City ereignete, möchte niemand erleben. So ein Überfall, das ist der Albtraum eines jeden Bürgers. Doch war das Opfer tatsächlich ein normaler Bürger, der morgens von der Frühschicht kam, um bei McDonalds einen Kaffee zu trinken? Oder wollte der Überfallene vielmehr mit dem Elend kranker Menschen Geld verdienen?
»Klar, der verkauft Heroin und Tabletten«
Welche Rolle der Überfallene spielte, blieb im Prozess unklar. Fakt dagegen ist: Der Angeklagte beging eine versuchte schwere räuberische Erpressung. Es war ein Messer im Spiel - und auch das „Abziehen eines Dealers, wenn das Opfer denn einer war”, sei strafbar, so der Vorsitzende Richter Peter Windgätter.
„Klar, der verkauft doch auf der Platte immer Heroin und Tabletten, den kenne ich”, erinnerte sich ein Zeuge aus der Szene vor Gericht. An jenem Morgen, da habe es „Theater gegeben”. Der Angeklagte selbst konnte sich noch daran erinnern, dass es ihm damals nach einem Streit mit der Freundin gesundheitlich sehr schlecht ging. „Ich war auf Entzug, hatte Herzrasen, mir taten alle Knochen weh.”Er habe den angeblich bekannten Dealer um Tabletten gefragt, doch der wollte Geld sehen. Nach dem versuchten Überfall floh der damals verwahrloste Junkie. Das damals leicht verletzte Opfer überschüttetet das Gericht mit einem nicht enden wollenden Wortschwall. „Ich und Drogen verkauft? Ich bitte Sie, nie im Leben.”
12:31
Der Täter ist hier das arme Opfer (abhängig), und das Opfer der Täter (mutmasslicher Dealer).