Dresden tritt wegen Pokalausschluss gegen DFB-Fußballmuseum in Dortmund nach
28.11.2011 | 18:14 Uhr 2011-11-28T18:14:00+0100
Dortmund. Weil der Ausschluss für Dynamo im DFB-Pokal überzogen sei, verweigert das Dresdner Fußballmuseum die Zusammenarbeit mit dem DFB-Museum in Dortmund. Daher werde es keine seltenen Trikots, etwa aus der Nazi-Zeit, als Leihgabe geben. Das kulturelle Nachtreten aus dem Osten - und so reagiert der Westen.
Ätsch! Ost stichelt gegen West: Weil der DFB-Pokal-Auschluss von Dynamo Dresden völlig überzogen sei, verweigert das Dresdner Fußballmuseum nun jegliche Zusammenarbeit mit dem Team des geplanten DFB-Fußballmuseums in Dortmund.
Der Chef des Dresdner Fußballmuseums im „Glücksgas Stadion“, Jens Genschmar, hat Konsequenzen aus der drakonischen Strafe gegen Dynamo gezogen. Auf den DFB ist er derzeit überhaupt nicht gut zu sprechen. Der Fußballbund hatte nämlich jüngst entschieden: Die regelmäßig randalierenden Rowdy-Anhänger von Dresden seien nicht zu tolerieren. Als Konsequenz darf Zweitligist Dynamo Dresden beim kommenden DFB-Pokal nur zugucken. Kicken ist verboten. Das tat weh.
Und weil sich die Gemüter in Sachsen noch nicht beruhigt haben, hat Genschmar sich einen Schritt überlegt, mit dem er Dortmund und den DFB ärgern kann. Er tritt nach - auf dem Gebiet der Kultur.
Weil Worte nicht mehr gewechselt werden, kündigte Genschmar via Pressemitteillung die Zusammenarbeit mit der Stiftung des DFB-Museums in Dortmund auf. Die Organisatoren der geplanten Pilgerstätte für Fußballbegeisterte am Dortmunder Hauptbahnhof müssen nun einige der rund 10.200 recherchierten musealen Wunschobjekte von ihrer Liste streichen. 19 Sporthistoriker und Wissenschaftlern müssen Ersatz-Objekte suchen; sollte Dresden bei seiner harten Linie bleiben. Danach sieht es aus.
Ältestes Trikot der Nationalmannschaft
Bereits vereinbarte Absprachen mit Dortmund über Dauerleihgaben seien nicht länger gültig, erklärt Dresdens Museumschef Jens Genschmar gegenüber DerWesten. „Ich kann doch nicht so tun, als wenn nichts gewesen wäre. Das Strafmaß für Dynamo ist völlig überzogen“, verteidigt Genschmar seine Entscheidung. Der Pokal-Ausschluss symbolisiere die „Ungleichbehandlung" west- und ostdeutscher Vereine durch den DFB.
Und jetzt schlägt gewissermaßen Ostdeutschland gegen den DFB mit Sitz im westdeutschen Frankfurt zurück. Seltene Trikots aus der Nazi-Zeit werden in Sachsen bleiben. Auch interessante Exponate zur ostdeutschen Fußballgeschichte, etwa der erfolgreichen Ära von Dynamo Dresden in der Bundesliga, haben keine Chance mehr, in das geplante Fußballmuseum in Dortmund verliehen zu werden.
Und der enttäuschte Genschmar hat noch ein Ass in der Vitrine: das älteste vorhandene und einzig bekannte Trikot von der Olympiade 1928 in Amsterdam. Bleibt im Osten. Ersatz für dieses „einmalige Trikot“ zu organisieren, sei so gut wie unmöglich, stichelt der Museumschef. „Die Stiftung in Dortmund schreibt seit 2006 ehemalige Nationalspieler an und bittet um kostenlose Leihgaben. Aber mit wenig Erfolg, wie ich so höre.“
Museum kann 2014 auch ohne Hilfe aus Dresden eröffnen
Die Dortmunder Museumsverantwortlichen sind wütend. Es brodelt hinter den Kulissen. Geschäftsführer Manuel Neukirchner muss sich zusammenreißen. Und lässt daher nur verständnislos verlauten: „Wir haben die Entscheidung zur Kenntnis genommen. Das ist schade.“ Einen kleinen Seitenhieb kann er sich bei aller wohlüberlegten Wortwahl nicht verkneifen. „Unsere Ausstellung wird auch ohne die Unterstützung aus dem Dresdner Fußballmuseum realisiert werden können“, erklärt er auf Anfrage von DerWesten. Absprachen über konkrete Exponate wie das Trikot von 1928 seien nicht getroffen worden, widersprach zudem ein Stiftungssprecher den Darstellungen Genschmars.
Das DFB-Fußballmuseum am Dortmunder Hauptbahnhfo soll 2014 eröffnen. Der DFB hatte die Baukosten für den ingesamt 36 Millionen Euro teuren und 6000 Quadratmeter großen Fußballtempel auf 14,5 Millionen Euro gedeckelt.
Also viel Aufregung um Nichts? Fakt ist: Das Dresdner Fußballmuseum hat seltene Trikots. Zudem wird ohne die Dresdner Exponate die Historie des ostdeutschen Fußballs im Dortmunder DFB-Museum weniger üppig präsentiert werden.
Akt der Glaubwürdigkeit
Genschmar bereut seine Entscheidung nicht. Er habe 1.000 Mails aus ganz Deutschland bekommen, in denen Fans ihre Sympathie für seine Haltung bekundet hätten. Er selbst habe mit der Aktion seine Glaubwürdigkeit bewahrt.
14:11
Vorab: Den Ausschluß Dresdens halte ich für korrekt. Endlich wird mal ein Zeichen, wenn auch ein hartes, gegen Gewalt im Fußball gesetzt und mit Dresden trifft es keinen Unschuldigen.
Zur Ungleichberechtigung ost- und westdeutscher Vereine fällt mir ein, dass man Leipzig für die WM 2006 ein neues Stadion gebaut hat, obwohl die Stadt nur von Viertligisten umgeben ist. 2006 ist schon so lange her, dass man das glatt vergessen kann..
11:21
Wehn interessiert schon soe ein albernes Museum!
20:08
Erst einmal : Ob in Dortmund Leigaben aus Dresden vermißt werden wage ich zu bezweifeln.Des weiteren merke ich an es ist normal und gerecht wenn der DFB solche Strafen ausspricht warum reget ihr euch so darüber auf.Es ist Fakt das die sogenannten
Dynamofans diese Strafen heraufbeschworen haben.Da gibt es nichts zu entschuldigen oder zu beschönigen.Und es hat weiß Gott nichts mit West gegen Ost zu tun.Wenn der DFB meint das auch ein Westverein zu bestrafen ist wird er es auch machen.Diese ganze Sache hat doch nichts mit Fußball zu tun.Denkt mal an Großbritanien.Da wurde Liverpool von sämtlichen Euro -Wettbewerben für ein paar Jahre ausgeschlossen.Und siehe da,jetzt sind dort die Fans vorbildlich.
15:41
Sehr gut, ich habe heute schon auf Sie gewartet. Sie geben sich bei der Verteidigung Ihres (diskussionswürdigen) Standpunktes keine Blöße, das imponiert mir zunächst! Richtiger wird er dadurch aber nicht. Denn wir stellen zunächst fest: Gewalt beim Fußball ist ein gesamtdeutsches Problem mit dem sich endlich auch mal der DFB differenziert beschäftigen muss. Nichts weiteres wollte ich mit #32 zum Ausdruck bringen. Da hilft es nix, die Vereine (bzw. wie im vorliegenden Fall die Sportler) zu sanktionieren, die Ihrerseits jedes Register ziehen würden, die Gewalttäter vom Sport fernzuhalten. Noch weniger hilft es dann Urteile zu fällen, die A) unausgeglichen sind (ius respicit aequitatem?) B) die jahrelange Fanarbeit von dutzend haupt- und ehrenamtlichen Personen quasi in Abrede stellt C) keine Alternativen aufzeigen können, wie dem künftig noch besser Einhalt geboten werden kann. Ich bin weißgott kein Freund dieser nie endenden Ost-West-Diskussion, dennoch bin ich der Meinung, dass bei DEM Urteil Hr. Genschmar als Dynamo-Anhänger sein Gutes Recht wahrgenommen hat, die Zusammenarbeit mit dem DFB einzustellen (auf Ost-West-Debatten hätte ich persönlich. jedoch verzichtet) So und nun wieder back to topic: Der Artikel - und dabei bleibe ich - ist eine temperierte, aber nicht minder vorsätzliche Provokation in Richtung Fußballmuseum im Konkreten und Ostdeutschland im Allgemeinen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie dieses nicht hier "vor Allen" eingestehen wollen, denke aber, dass Sie soviel Unterscheidungsvermögen haben müssten um zu erkennen, dass der Artikel vor kruder Meinungsmache trieft, mithin nicht dem Begriff der journalistischen B e r i c h terstattung gerecht wird. Beispiele wurden hier schon zu genüge zusammengetragen und von Ihnen bislang auch nicht stichhaltig entkräftet. Nennen Sie mir beispielsweise einen beliebigen Artikel der FAZ oder der Neuen Zürcher der mit: "Ätsch! Ost stichelt gegen West" beginnt!? Oder bemühen Sie einmal Ihre Suchfunktion mit dem Wort "Ost" und zählen Sie. Noch ein Beispiel: Schauen Sie sich die ersten beiden Absätze des Hamburger Abendblattes hierzu an: http://www.abendblatt.de/sport/fussball/article2107053/Wegen-Pokal-Ausschluss-Dresdner-Museum-kuendigt-DFB.html . Auch dieser Autor kritisiert Genschmar, da er die Ungleichbehandlung für angeblich hält. Dennoch finden Sie darin keine polemischen Äußerungen a la "stichelt der Museumschef"; "Das kulturelle Nachtreten aus dem Osten";"Und jetzt schlägt gewissermaßen Ostdeutschland gegen den DFB mit Sitz im westdeutschen Frankfurt zurück. Seltene Trikots aus der Nazi-Zeit werden in Sachsen bleiben." Wie erklären Sie sich das? Wissen Sie, Sie können gerne bei Ihrer Meinung bleiben, für mich jedoch ist und bleibt dieser Artiekl nicht nur "Boulevard" sondern schon Tabloid im Stile der Sun.
15:06
Ich glaube nicht daß nur ein Besucher weniger nach Dortmund ins DFB Museum kommt nur weil Trikots aus der Nazi-Zeit nicht gezeigt werden,die sind in Dresden übrigens ganz gut aufgehoben.
Trikots aus der Nazi-Zeit wären viel besser in der Schalke-Vitrine aufbewahrt.
Waren sie schon einmal in Dresden ? Wie kommen sie zu der unverschämten Behauptung, dass Nazi-Zeug da gut aufgehoben ist ?
14:43
Die Frage wird sein, warum bestraft man Dresden so extrem hart? In Hoffenheim gab es mit Hilfe des Vereins (oder auch nicht) einen "Schrillen Ton - Skandal" komischerweise lässt der DFB hier auf eine Strafe auf sich warten.
In Rostock wurden Raketen in den Gästeblock gefeuert (genauso auch mal umgekehrt vn den Pauli Anhängern), werden diese jetzt beide aus der 2 Liga ausgeschlossen? Gerade Rostock ist ja auch kein unbekannter Verein.
In Berlin (beim Abstieg) gab es im Stadion Randalierer, warum darf dieser Verein noch in der Buundesliga spielen?
Es gibt viele andere Sachen die man hier aufzählen kann, ich bin kein Dresden Sympathiesant, es gibt netter Clubs, aber dieses Strafmass ist zu hoch und wenn man die Messlatte so hoch hängt, dann müssen einige Clubs Angst haben noch in der Buli spielen zu dürfen. Übrigens gab es auch Randale bei BVB gegen Schalke, auch Bengalos der Schalker, werden diese jetzt aus der Buli entfernt?
LG
Stephan
14:21
Nur für die ausgeglichene Linkberichterstattung, beide Artikel gerade mal gute 2 Monate alt:
http://ostfussball.com/dynamo-dresden-vs-eintracht-frankfurt-im-spiegel-der-medien-986/
http://ostfussball.com/dresden-den-wessi-ultras-aufs-maul-1000/
11:52
Köstlich die letzten Kommentare hier. Chauvinismus, Undifferenziertheit, Pauschalisierungen. Da hat der Autor mit seinem perfiden Artikel offenbar ganze Arbeit geleistet. Bravo!
"Die Dresdener sollten sich lieber einmal ernsthaft mit ihren gewaltbereiten Mitbürgern auseinandersetzen" In Dresden wird seit 2003 vom Verein, der Stadt und dem Land intensiv sozialpädagogische Arbeit betrieben. Die Gewalt rund um das Stadion ging seither deutlich zurück während sie andernorts eher zunimmt. Wenn man weit weg sitzt, lässt sich aber schnell urteilen, gell? Natürlich kam es in Dortmund zu nicht tolerierbaren Exzessen, die allerdings mittlerweile auch bei Spielen von Dynamo Dresden eine absolute Ausnahme darstellen und nicht die Regel. Dennoch die Frage an Sie: "Haben Sie praktikable Lösungen auf Lager, WIE Vereine die Gewalt in und um Stadien in den Griff bekommen? Wenn nein, kann ich ihren Kommentar leider nicht ernstnehmen.
#27 und #29 schießt allerdings den Vogel ab: "Ohne Ostdeutschen Fußball würde er in Zukunft noch besser dastehen,weil es dann friedlicher zugehen würde." Für Sie als Hinschauer mal eine kurze Chronik westdeutscher Friedlichkeiten aus dieser Saison (ich klammere bewusst süd- und norddeutsche Städte aus, um mich nicht auf das gleiche Niveau wie Sie begeben zu müssen):
Köln: http://www.derwesten.de/sport/fussball/s04/koelner-urin-becher-werfern-auf-schalke-droht-vereinsausschluss-id4969456.html
Gelsenkirchen: http://www.derwesten.de/incoming/polizei-ermittelt-nach-angriffen-auf-merk-id5166135.html
Dortmund: http://www.derwesten.de/sport/verletzte-bei-ausschreitungen-rauchbombe-neben-toennies-id6108983.html
Essen: http://www.derwesten.de/staedte/essen/linienrichter-bei-kreisligaspiel-in-essen-mit-pyrotechnik-beworfen-id6102126.html
Krefeld: http://www.derwesten.de/sport/fussball/krawalle-in-krefeld-polizisten-bei-nrw-liga-spiel-verletzt-id6030143.html
11:40
Soviel Engagement gegen ihre " Problemfans " wie Dresden jetzt gegenüber dem DFB zeigt würde schon helfen diese Chaoten fern zu halten.
11:33
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