Dresden tritt wegen Pokalausschluss gegen DFB-Fußballmuseum in Dortmund nach

Aus Dresden soll es keine Exponate mehr für das DFB-Fußballmuseum in Dortmund geben. Der Dresdner Museums-Chef  hat sämtliche Exponatswünsche verweigert. Hintergrund ist der DFB-Pokal-Ausschluss von Dynamo Dresden.
Aus Dresden soll es keine Exponate mehr für das DFB-Fußballmuseum in Dortmund geben. Der Dresdner Museums-Chef hat sämtliche Exponatswünsche verweigert. Hintergrund ist der DFB-Pokal-Ausschluss von Dynamo Dresden.
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Was wir bereits wissen
Weil der Ausschluss für Dynamo im DFB-Pokal überzogen sei, verweigert das Dresdner Fußballmuseum die Zusammenarbeit mit dem DFB-Museum in Dortmund. Daher werde es keine seltenen Trikots, etwa aus der Nazi-Zeit, als Leihgabe geben. Das kulturelle Nachtreten aus dem Osten - und so reagiert der Westen.

Dortmund.. Ätsch! Ost stichelt gegen West: Weil der DFB-Pokal-Auschluss von Dynamo Dresden völlig überzogen sei, verweigert das Dresdner Fußballmuseum nun jegliche Zusammenarbeit mit dem Team des geplanten DFB-Fußballmuseums in Dortmund.

Der Chef des Dresdner Fußballmuseums im „Glücksgas Stadion“, Jens Genschmar, hat Konsequenzen aus der drakonischen Strafe gegen Dynamo gezogen. Auf den DFB ist er derzeit überhaupt nicht gut zu sprechen. Der Fußballbund hatte nämlich jüngst entschieden: Die regelmäßig randalierenden Rowdy-Anhänger von Dresden seien nicht zu tolerieren. Als Konsequenz darf Zweitligist Dynamo Dresden beim kommenden DFB-Pokal nur zugucken. Kicken ist verboten. Das tat weh.

Und weil sich die Gemüter in Sachsen noch nicht beruhigt haben, hat Genschmar sich einen Schritt überlegt, mit dem er Dortmund und den DFB ärgern kann. Er tritt nach - auf dem Gebiet der Kultur.

Weil Worte nicht mehr gewechselt werden, kündigte Genschmar via Pressemitteillung die Zusammenarbeit mit der Stiftung des DFB-Museums in Dortmund auf. Die Organisatoren der geplanten Pilgerstätte für Fußballbegeisterte am Dortmunder Hauptbahnhof müssen nun einige der rund 10.200 recherchierten musealen Wunschobjekte von ihrer Liste streichen. 19 Sporthistoriker und Wissenschaftlern müssen Ersatz-Objekte suchen; sollte Dresden bei seiner harten Linie bleiben. Danach sieht es aus.

Ältestes Trikot der Nationalmannschaft

Bereits vereinbarte Absprachen mit Dortmund über Dauerleihgaben seien nicht länger gültig, erklärt Dresdens Museumschef Jens Genschmar gegenüber DerWesten. „Ich kann doch nicht so tun, als wenn nichts gewesen wäre. Das Strafmaß für Dynamo ist völlig überzogen“, verteidigt Genschmar seine Entscheidung. Der Pokal-Ausschluss symbolisiere die „Ungleichbehandlung" west- und ostdeutscher Vereine durch den DFB.

Und jetzt schlägt gewissermaßen Ostdeutschland gegen den DFB mit Sitz im westdeutschen Frankfurt zurück. Seltene Trikots aus der Nazi-Zeit werden in Sachsen bleiben. Auch interessante Exponate zur ostdeutschen Fußballgeschichte, etwa der erfolgreichen Ära von Dynamo Dresden in der Bundesliga, haben keine Chance mehr, in das geplante Fußballmuseum in Dortmund verliehen zu werden.

Und der enttäuschte Genschmar hat noch ein Ass in der Vitrine: das älteste vorhandene und einzig bekannte Trikot von der Olympiade 1928 in Amsterdam. Bleibt im Osten. Ersatz für dieses „einmalige Trikot“ zu organisieren, sei so gut wie unmöglich, stichelt der Museumschef. „Die Stiftung in Dortmund schreibt seit 2006 ehemalige Nationalspieler an und bittet um kostenlose Leihgaben. Aber mit wenig Erfolg, wie ich so höre.“

Museum kann 2014 auch ohne Hilfe aus Dresden eröffnen

Die Dortmunder Museumsverantwortlichen sind wütend. Es brodelt hinter den Kulissen. Geschäftsführer Manuel Neukirchner muss sich zusammenreißen. Und lässt daher nur verständnislos verlauten: „Wir haben die Entscheidung zur Kenntnis genommen. Das ist schade.“ Einen kleinen Seitenhieb kann er sich bei aller wohlüberlegten Wortwahl nicht verkneifen. „Unsere Ausstellung wird auch ohne die Unterstützung aus dem Dresdner Fußballmuseum realisiert werden können“, erklärt er auf Anfrage von DerWesten. Absprachen über konkrete Exponate wie das Trikot von 1928 seien nicht getroffen worden, widersprach zudem ein Stiftungssprecher den Darstellungen Genschmars.

Also viel Aufregung um Nichts? Fakt ist: Das Dresdner Fußballmuseum hat seltene Trikots. Zudem wird ohne die Dresdner Exponate die Historie des ostdeutschen Fußballs im Dortmunder DFB-Museum weniger üppig präsentiert werden.

Akt der Glaubwürdigkeit

Genschmar bereut seine Entscheidung nicht. Er habe 1.000 Mails aus ganz Deutschland bekommen, in denen Fans ihre Sympathie für seine Haltung bekundet hätten. Er selbst habe mit der Aktion seine Glaubwürdigkeit bewahrt.