Drei Abmahnungen an einem Tag bei Continental Dortmund
02.12.2011 | 09:05 Uhr 2011-12-02T09:05:00+0100
Dortmund. Eine 54-jährige Montagearbeiterin bei Continental kämpft nach 20 Dienstjahren um ihren Arbeitsplatz. Einmal konnte sie bereits erfolgreich auf Weiterbeschäftigung klagen. Doch jetzt überzieht sie der Arbeitgeber mit Abmahnungen. Kollegen und Gewerkschaften wittern ein Komplott.
Die Auseinandersetzungen zwischen der Montagearbeiterin Ilona Kolberg und ihrem Arbeitgeber Continental finden eine Fortsetzung.
Wie berichtet, war der 54-Jährigen krankheitshalber gekündigt worden. Sie hatte auf Wiedereinstellung geklagt und ihren Prozess im September vor dem Arbeitsgericht gewonnen. Loswerden will man sie trotzdem noch. Nach dem Urteil kassierte sie bereits vier Abmahnungen, davon drei an einem Tag.
Verstehen tut sie es nicht. Mit einer bereits im Mai erhaltenen Abmahnung seien es bereits fünf, die sie auf sich versammelt. „In 20 Jahren Arbeit bei Continental ist es noch nicht mal zu einer Ermahnung gekommen“, sagt sie. Nun sieht sie sich mit Argusaugen verfolgt. „Es ist lachhaft, wenn es nicht so ernst wäre. Man hat sich auf mich eingeschossen.“
Lächerliche Vorwürfe
Das Gefühl haben Kollegen auch. Andreas Kossack, Vertrauensmann bei Conti, hat auf das Gezerre bei der letzten Belegschaftsversammlung hingewiesen.
„Dieses Vorgehen bei einer Kollegin, die 20 Jahre keine Abmahnung erhalten hat, riecht schon von Weitem ziemlich faul“, meinte er. Und: „Offensichtlich soll auf Teufel komm’ raus eine weitere Kündigung vorbereitet werden.“
Ilona Kolberg hat nicht ganz großen Anlass, es anders zu sehen. Die Vorwürfe seien lächerlich. Mal hätte sie die „persönliche Verteilzeit“ (Zeit für Toilettengänge, Rauchen, frische Luft schnappen) von 21 Minuten am Tag überschritten, ein anderes Mal die Arbeitsleistung nicht gebracht oder die Produktion absichtlich gestoppt .
Abmahnungen aus Personalakte entfernen
Es ist nicht ganz unbekannt, dass sich Conti gerne von Mitarbeitern trennen möchte, aber auch Kolberg möchte nicht zu denen gehören, die konstruiert gehen müssen. „Ich bin 54 Jahre alt, ich weiß, dass ich nichts mehr finde“, sagt sie. Aber sie hat während des letzten Prozesses das Kämpfen gelernt. „Ich würde es auf eine Klage ankommen lassen“, sagt sie, „davor habe ich keine Angst.“
Der Rechtsberater bei der IG Metall, Ulrich Stadtler, hält die Vorwürfe für wenig substanziell. Er hat Gegendarstellungen formuliert. „Sie gehen heute noch raus“, meint er gestern. Ziel sei es, den Arbeitgeber dazu zu bringen, die Abmahnungen wieder aus der Personalakte zu entfernen.
Bei Continental hält man sich zurück. Die Stellungnahme der Personalchefin Gabriela Küppers verlief erwartet knapp: „Ich werde dazu nichts sagen.“
20:15
Ich will auszugsweise den Text Pressemitteilung des "Solidaritätskreis Conti- Kolleginnen und Kollegen" vom 9.12.2011 dokumentieren:
"Voller Erfolg für Ilona Kolberg – aber der Kampf geht weiter !
Am 6.9.2011 hat Ilona Kolberg vor dem Dortmunder Arbeitsgericht ihre Kündigungsschutzklage gegen Continental gewonnen. Im „Namen des Volkes“ wurde festgestellt -
„1. (…) dass das Arbeitsverhältnis zwischen den Parteien nicht durch die Kündigung der Beklagten vom 1.8.2008 aufgelöst wurde.
2. Die Beklagte wird verurteilt, die Klägerin bis zum rechtskräftigen Abschluss des Rechtsstreits zu unveränderten Bedingungen als Arbeiterin weiter zu beschäftigen.
3. Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte.
4. Der Streitwert wird auf 10.980,- € festgesetzt.“
Das war ein Erfolg der breiten Solidarität und dem festen Willen von Ilona Kolberg, die krankheitsbedingte Kündigung durch Continental nicht hinzunehmen. In dem dreijährigen Kampf von Ilona gegen ihre Kündigung wurde aber auch deutlich, dass die Geschäftsführung von Continental aus politisch-motivierten Gründen weiter an der Kündigung fest hält. Ein Ausdruck davon sind jetzt schon 5 Abmahnungen, die Ilona während der Prozessbeschäftigung von der Personalabteilung erhalten hat. Davon wurden drei Abmahnungen an einem Tag ausgesprochen.
Die politische Motivation für dieses Vorgehen ist, dass Continental in Dortmund ab 2012 über 500 Arbeitsplätze am Standort durch Produktionsverlagerungen vernichten will. 180 Leiharbeiter sollen im Jahr 2012 ihren Arbeitsplatz verlieren. Ab 1. Oktober 2012 können laut „Sozial“-Plan die ersten Kündigungen für 340 fest angestellte Kolleginnen und Kollegen ausgesprochen werden. Deshalb kann Continental keine positiven Beispiele brauchen, wie der Kampf um jeden Arbeitsplatz erfolgreich geführt werden kann.
Deshalb ist die Solidarität mit Ilona Kolberg dringend erforderlich und gleichzeitig auch eine Kampfansage an die bevorstehenden Massenentlassungen! Wir fordern:
Rücknahme aller 5 Abmahungen von Ilona Kolberg durch Continental!
Beschäftigung von Ilona Kolberg zu den selben Bedingungen, wie vor der Kündigung!"
Die gesamte Presseerklärung ist auf der Homepage des Solidaritätskreises dokumentiert!
16:50
Es ist in der Tat kein guter Stil, wenn ein Arbeitgeber nach einem verlorenen Kündigungsschutzprozeß eine solche Abmahnwelle lostritt. Unabahängig davon gilt, dass es für Arbeitgeber oftmals zu schwer ist, sich von Arbeitskräften zu trennen - was auch ein Grund dafür ist, das ältere Arbeitnehmer kaum noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Diese grundsätzlichen Unausgewogenheiten im Verhältnis Arbeitgeber-Arbeitnehmer spielen nach meinem ersten Eindruck hier aber wohl keine Rolle. Continental sollte sich vielmehr darauf besinnen, dass es in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist, einen Arbeitnehmer über 20 jahre lang zu beschäftigen, ohne dass es offenbar zu Abmahnungen oder ähnlichem gekommen ist. Die Mitarbeiterin sollte nach so langer Betriebszugehörigkeit sicherlich etwas mehr Verantwortungsgefühl auf der Arbeitgeberseite erwarten dürfen!
14:03
ich hab gerade vor 5 wochen neue winterreifen von conti gekauft. aber das waren dann sicherlich die letzten. zukünftig zur konkurrenz, allerdings aus deutschland, mindestens aus europa.
17:43
Es wird versucht eine kämpferische Kollegin los zu werden. Ilona hat es mit dem "Solidaritätskreis Conti- Kolleginnen und Kollegen"geschafft und einer Solidarität, die über Deutschland hinaus ging, ihre Kündigungsschutzklage gegen Continental zu gewinnen. Jetzt will man sie auf diese Weise mürbe machen. Schließlich sollen ab nächstes Jahr über 500 Kolleginnen und Kollegen (180 Leiharbeiter und 340 fest angestellte Kolleginnen und Kollegen) ihre Arbeit verlieren. Deshalb ist es wichtig, die Solidarität weiter zu entwickeln. Den "Solidaritätskreis..." findet man im Internet, wenn man "Solidarität" und Conti in die Suchmaschine eingibt.
13:06
Man sollte sich wirklich einmal die Mühe machen und eine Web-Site gestalten, auf der Firmen wegen ihres Umgangsstiles an den Pranger gestellt und somit boykottiert werden.
01:19
Stehen wieder Gewinnoptimierungen für die Con-Aktionäre an? Da passt es die älteren höher verdienenden Mitarbeiter zu entlassen. Anschließend kann man dem "Amazon-Modell" folgen und Leute über die ARGE beschäftigen und bezahlen lassen. Nicht gut Continental
23:49
Sehr geehrte Frau Küppers von Conti,
auch wer nichts dazu sagt, sagt etwas. Denn wenn an den Vorwürfen nichts dran ist, dann sagt man: Das stimmt so nicht oder das ist nicht richtig.
17:52
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17:02
...ich tanke nicht bei ARAL
...ich kaufe kein NOKIA
...ich kaufe kein Gerät mehr von SIEMENS
...ich fahre keine Reifen mehr von CONTINENTAL
15:28
Jeder macht sich so Lächerlich wie er kann.
http://www.conti-online.com/generator/www/com/de/continental/hr/themen/berufserfahrene/menschen_bei_continental/hidden/tm_strohdach_de.html