Dortmunds U42: Eine Fahrt durch alle Facetten der Stadt

Zechensiedlungen, Plattenbau-Sünden und stuckverzierte Altbauten - endlose Felder, eine boomende Einkaufsmeile und das größte Fußballstadion Deutschlands: Wer sich ein Bild vom Leben in Dortmund machen will, muss eigentlich nur einmal 34 Minuten lang U42 fahren.

Dortmund.. Die Reise beginnt in den Feldern. Da, wo die Großstadt noch richtig grün ist. Der Dortmunder Vorort Grevel ist noch ein echtes Dorf mit Traktoren und eigenem Mikro-Kosmos. Hier beginnt die Linie der Stadtbahn U42. Von hier aus fährt man in 34 Minuten einmal quer durch die Stadt. Durch Arbeiterviertel, durch das Problemquartier Nordstadt, unter der Fußgängerzone der Innenstadt entlang, bis ins gentrifizierte Kreuzviertel und ganz bürgerliche Siedlungen. 34 Minuten durch ein Soziotop des Ruhrgebiets.

Stefan Thabe kennt die Stadt in- und auswendig. Vor 48 Jahren ist er in Dortmund geboren, seit 2011 leitet er die Stadtentwicklung bei der Verwaltung. Die Qualifikation für diesen Job hat Thabe von der Straße: Um sich das Studium zu finanzieren, war er Taxifahrer. "Ich kenne jeden Stadtteil", sagt er.

Wenn Sie mit dem Mauszeiger über die blauen Kreise fahren, erscheinen Informationen zu den Stadtteilen entlang der Linie:


Um darzustellen, wie unterschiedlich die einzelnen Stadtteile sind, gibt es viele Kennzahlen. Entlang der Strecke haben drei verschiedene Parteien die letzten Kommunalwahlen gewonnen, die Arbeitslosenquote schwankt von 7,9 über 24,8 und zurück bis 7,5 Prozent. In manchen Wahllokalen haben rechtsextreme Parteien 7,4 Prozent der Stimmen gesammelt, wenige Kilometer weiter stehen sie bei 0,2 Prozent.

Steigt man im ländlichen Dorf Grevel in die Bahn ein, fährt man zunächst durch den Stadtbezirk Scharnhorst - lange Jahre als Schmuddel-Viertel verschrien. Nach dem Krieg wurden Siedlungen für Zehntausende Arbeiter hochgezogen, hier wohnen heute viele Migranten, vor allem Ost-Europäer, die sehr bildungsorientiert seien, wie Stefan Thabe erklärt: "Hier sind wir quasi fertig mit den Erneuerungsmaßnahmen." Doch nicht selten hört man hier in der Bahn Jugendliche mit Messern oder Softair-Waffen handeln. Interessant: Viele 70-Jährige wohnen hier immer noch in ihrer ersten Wohnung - naturgemäß wird es in einigen Jahren einen Umbruch geben.