Dortmunds Stadtbedienstete wollen Zeche nicht zahlen
02.10.2009 | 19:37 Uhr 2009-10-02T19:37:00+0200
Dortmund. Die Bediensteten der Stadt Dortmund haben keine Lust, die Zeche fürs städtische Haushaltsloch zu zahlen. In einer Sonderausgabe der Mitarbeiter-Zeitung „Einblick” greift der Personalrat die "Giftliste" mit all ihren Sparvorschlägen an.
Die Stadtbediensteten haben keine Lust, die Zeche zu bezahlen für gesamtstaatliche Fehlentwicklungen, aber auch finanzpolitische Versäumnisse von Verwaltungsspitzen und Parteien in Dortmund.
So lautet die Kernbotschaft der Sonderausgabe der Mitarbeiter-Info „Einblick” - sie liegt der WAZ bereits vor, die der Stadtpersonalrat am Montag verteilen will. Beigefügt wird die letzte Fassung der „Giftliste” des Verwaltungsvorstands. Dessen Vorschläge dürften von der Politik weitgehend akzeptiert werden, macht sich die Arbeitnehmervertretung nichts vor, „zumal die Sparmaßnahmen vor allem zulasten der Beschäftigten gehen und kostenträchtige Aufgaben und Serviceleistungen für die Bürger weitgehend unberührt bleiben”.
Arbeitnehmervertretung sprich Klartext
Bei der Ursachenforschung für die angeblich urplötzlich eingetretene größte Finanzkrise aller Zeiten, aber auch bei der Bewertung des aktuellen Krisenmanagements durch Bald-OB Sierau und Interims-Kämmerer Stüdemann nimmt die Arbeitnehmervertretung kein Blatt vor den Mund.
Allen Großstädten brächen wegen der Krise die Haushalte weg, räumt der Personalrat ein. Zudem gelte weiterhin, "dass den Letzten die Hunde beißen” - Bund und Land hörten nicht auf, den Kommunen neue Aufgaben aufs Augen zu drücken, ohne sich um deren Finanzierung zu scheren.
Immer neue Klagelieder anzustimmen, reiche als kommunale Reaktion aber nicht aus. „Wer glaubwürdig Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung durchführen will, muss gleichzeitig die politischen Aktivitäten ergreifen, um die Ursachen der kommunalen Finanznot an den Wurzeln zu packen”, will der Personalrat von der Verwaltungsführung ebenso konkrete, energische Gegenwehr sehen wie von allen politischen Parteien.
Vorwurf an rot-grüne Ratsmehrheit
Vor allem an die rot-grüne Ratsmehrheit dürfte sich der Vowurf des Personalrats richten, schon seit Jahresbeginn in Kenntnis der bedrohlichen wirtschaftlichen Entwicklung „wohl mit Blick auf die Kommunalwahl die Augen vor dem unvermeidbar entstehenden Haushaltsloch die Augen zugemacht” zu haben - „nach dem Motto: „Was nicht sein darf, das wollen wir auch nicht wissen, und es wird wohl nicht so schlimm werden.”
Dem OB und der Kämmerin sei vorzuwerfen, „nicht schon im Frühjahr (2009) in der gebotenen Ruhe gemeinsam mit den Fachbereichen und dem Personalrat ausgewogene Konsolidierungsmaßnahmen angepackt zu haben.”
Stattdessen lasse sich jetzt - wo sich zur Finanznot auch noch die Zeitnot gesellt hat - die Verwaltungsführung in „autoritäre Frühzeiten” zurückfallen. Die Sparliste sei „wieder auf dem alten Verordnungsweg im stillen Kämmerlein der so genannten Querschnittsämter” entstanden. Man habe den Sparkommissaren freie Hand gegeben, den Beschäftigten die Hauptlast beim Sparen aufzubürden.
"Neoliberale Verarmung"
„Wir sollen also ungefragt die Zeche der neoliberalen Verarmung bezahlen.” Wo dabei der vom neuen OB proklamierte Kulturwechsel (Transparenz, Partizipation) bleibe, sei „nicht in Ansätzen zu erkennen". Der Personalrat verstehe unter Transparenz etwas anderes, als „ein Röntgenbild von einem Toten zu machen.”
Trotz des Hauruck-Verfahrens beim Erstellen der „Giftliste” kündigt die Arbeitnehmervertretung den neuen Stadtspitze Sierau / Stüdemann die Zusammenarbeit nicht auf. Noch nicht.
Für seine weitere Bereitschaft, sich kontruktiv an den Überlegungen zur Überwindung der städtischen Finanzkrise zu beteiligen, formuliert der Personalrat in der Sonderausgabe des „Einblick” im wesentlichen zwei Bedingungen.
Vor allem anderen müsse OB Sierau gleich beim Amtsantritt (am 21. Oktober) den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen erklären und dazu eine Dienstvereinbarung auf den Weg bringen. Sonst könne die Belegschaft nicht „angstfrei an der Rettung des Haushalts mitwirken”.
Zudem müsse Sierau verbindlich zusagen, den Sparvorschlägen, „die unausgreift sind und einseitig zulasten der Beschäftigten gehen”, ein entlastendes Gesamtkonzept zur Abfederung der Arbeitsverdichtung sowie ein verbessertes Personalentwicklungs- und -Personaleinsatzkonzept zur Seite zu stellen.
"Massive Arbeitsverdichtungen”
Die anvisierten personalwirtschaftlichen Maßnahmen - sie sollen dauerhaft 20 Mio Euro einsparen - führen laut Personalrat zu „massiven offenen und versteckten Arbeitsverdichtungen”. Ein feingliedriges Abfederungskonzept müsse vor allem regeln, wie die Mehrarbeit aufgefangen werden soll. Die Führungskräfte müssten darlegen, wie die Arbeitsmengen an das tatsächlich vorhandene Personal und die Arbeitszeit angepasst werden sollen. Dazu müssten vorhandene Aufgaben reduziert und die Übernahme neuer Aufgaben abgewehrt werden.
03:44
Niemand kann zur Zeit absehen, in welche Richtung die SPD wirklich marschiert.
Die nächste, bedeutungsschwere Wahl ist die Landtagswahl im bevölkerungsreichsten Bundesland. Die hiesige SPD-Landesvorsitzende ist jetzt auch BundesSPD-Vizeparteivorsitzende. Sie hat zum Thema Zusammenarbeit mit den Linken ein genauso schwaches, undifferenziertes Bild wie seinerzeit Tante Yps vor den letzten Landtags(q)wahlen in Hessen abgegeben. Die eigentlich geschasste Tante Yps sucht derzeit mit massiver Unterstützung der Parteilinken wieder den Mastdarm-Eingang zur SPD-Spitze.
Und da zweifeln Sie an der Richtung?
01:10
Bei den Kommunalpolitikern aller Parteien dürfte genug Knete zu finden sein und damit sind sie samt und sonders, gleich von welcher Partei, in Haftung zu nehmen. BürgermeisterIhnnen, Rats- und BezirksvertreterInnen sind alle verantwortlich für Dortmundistan!
00:13
Niemand kann zur Zeit absehen, in welche Richtung die SPD wirklich marschiert. Die derzeitigen personellen Spekulationen dienen lediglich dazu, die Stimmungslage der Bevölkerung zu testen. Wer zum jetzigen Zeitpunkt in diese Partei eintritt, muß m.E. nicht mehr alle Tassen im Schrank haben.
14:21
Haut der der stv. Personalratsvorsitzende Andreas Grehl (Mengeder SPD) da etwa seine eigenen Genossen in die Pfanne. Na, zu mindestens nimmt er seinen Job als Personalrat ernst!
Na gut, er (Oberamtsrat) geht auch nicht mit 1.300 Euro nach Hause Und ,als Beamter kennt er die Angst von Leuten mit Zeitverträgen nur theoretisch.
13:23
sorrx galt 24
13:23
@20
(IRONIE AN)
viel geistreicher kann ein Kommentar kaum noch sein
(IRONIE AUS)
12:18
@#20: Werden sie gezwungen für 1300 Euro im öffentlichen Dienst zu arbeiten? Ich glaube nicht.
12:12
@VWLer
Sie scheinen mir aber ein kleiner Besserwisser zu sein. Kennen sie den IAQ-Report der Universität Duisburg-Essen? Können Sie gerne im Internet ergoogeln. Die Niedriglöhner bei Vollzeitbeschäftigten machten 2006 bereits 14,3% der Gesamtbeschäftigen aus (mit Minijobbern und Teilzeitarbeitern 22% der Beschäftigten - aber uns gehts ja nur um die Vollzeitbeschäftigten). Die Niedriglohnschwelle lag 2006 bei 9,61 Euro brutto für Westdeutschland und 6,81 Euro brutto für Ostdeutschland. Also nochmal: knapp über 14% der Vollzeitbeschäftigen erhalten einen Stundenlohn UNTER 9,61 Euro im Westen bzw. UNTER 6,81 Euro im Osten. Um 1300 Euro netto zu bekommen, daß Juris weiter oben beklagt, muss man jedoch schon (bei Steuerklasse 1) 2000 Euro brutto verdienen, also ungefähr 11,56 Euro brutto. Entweder wissen Sie also selber nicht wovon Sie sprechen, oder Sie haben keinen Bezug zur Realität wenn für Sie 14% Niedriglöhner bzw. 25% der Vollzeit-Beschäftigen als Minderheit bezeichnen. Selber nichts als Ökonomendummquatsch auf Lager. Wohl grade im ersten Semester, hm?
11:19
Alle Kommentare hier sind ein ganz alter Hut. Tip, lest mal was in Hagen abgeht. Die sind Dortmund Jahre mit der Finanzmisere voraus. Ihr braucht nur alles abschreiben. Wie sich alles wiederholt wenn das Geld nicht mehr reicht.
09:56
Lieber Heiliger Florian: verschon’ mein Haus, zünd das vom Nachbarn an. An diesen Spruch erinnern mich einige der Vorschläge hier. Wie gut dass die Stadt Dortmund nicht Nokia ist.....