Dortmunds FH bietet 85 duale Studienplätze an

Foto: WR RALF ROTTMANN

Dortmund. Dicke Krokodilstränen flossen vor einem Jahr, als die Landesregierung die Fachhochschule Dortmund bei der Schaffung neuer Angebote mit stark berufsbezogener Ausrichtung nicht berücksichtigte. Doch die FH überlegte sich einen Ausweg, frei nach dem Motto: Das Studium beginnt im Betrieb.

Die Hochschule ließ sich aber nicht beirren und stellte am Dienstag die ersten drei dualen Studiengänge für zunächst 85 Bewerber vor.

Industrielle Instandhaltung, Softwaretechnik und Versicherungswirtschaft - das sind die drei neuen Studiengänge, die die FH ab kommendem Wintersemester anbietet. In enger Abstimmung mit der Wirtschaft, die an den Lehrplänen fleißig mitstrickte.

Firmen machen mit

„Die Bereitschaft bei den regionalen Unternehmen ist riesig”, erklärte gestern FH-Rektor Prof. Wilhelm Schwick. Und IHK-Geschäftsführer Reinhard Schulz nickt.

„Wir sind an die Tarife in der Chemiebranche gebunden”, erläutert Dr. Andreas Bonhoff, Geschäftsführer der Evonik-Tochter Infracor, das Interesse seines Unternehmens, bei der dualen Ausbildung mitzumachen. „Wir können uns von den Mitbewerbern nur durch besser ausgebildete Mitarbeiter und mehr Know-how abheben.”

„Von den Bewerbern wird einiges abverlangt”

„Von den Bewerbern wird einiges abverlangt”, verschweigt Schwick nicht. Die Doppelausbildung müsse von großem Engagement geprägt sein. Überdurchschnittliches Mathematik-Verständnis sei Grundvoraussetzung. Die betriebliche und die Hochschul-Ausbildung laufen - je nach Studiengang - in sechs bis neun Semestern.

Im Gegenzug für den enormen Einsatz erhalten die Hochschul-Azubis einen Lohn vom jeweiligen Partner-Unternehmen, der sich am dritten Lehrjahr orientiert.

Und die Studiengebühr wird außerdem übernommen. Bei soviel Praxisbezug liegen zwei Vorteile nahe: Zum einen wird die Abbrecherquote minimal sein, während ansonsten 40 Prozent der Ingenieur-Studenten in den Sack hauen. Außerdem ist eine Übernahme bei erfolgreichem Ausbildungsverlauf wahrscheinlich.

"Weiter als viele Hochschulen"

Am Ende der Ausbildung winkt ein IHK-Abschluss ebenso wie ein Bachelor oder Master. Die Vergabe der Studienplätze erfolgt über die FH Dortmund. Schwick kann sich einen Seitenblick nicht verkneifen: „Damit sind wir weiter als viele Hochschulen im Land.” Und noch ein Seitenhieb: „Was die neuen Fachhochschulen eigentlich machen sollten, aber noch nicht tun, genau das realisieren wir.”