Dortmunds Ex-Feuerwehrchef applaudiert Nazis

Foto: Franz Luthe

Dortmund. Einer der höchsten Beamten der Stadt hat am Freitagabend an der Demonstration von Neo-Nazis an der Katharinentreppe teilgenommen: Klaus Schäfer, Ex-Feuerwehrchef und aktuell Leiter des Institus für Feuerwehrtechnologie. Die Stadt suspendierte ihn umgehend.

Etwa 80 Rechtsradikale haben am Freitag nach Angaben der Polizei vor dem Hauptbahnhof eine Kundgebung abgehalten. Dabei wurden sie von knapp 90 Gegendemonstranten ausgepfiffen. Für Aufsehen sorgte die Tatsache, dass Klaus Schäfer, der ehemalige Chef der Dortmunder Feuerwehr und aktuelle Leiter des städtischen Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Stadt Dortmund (IFR), mitten unter den rechten Teilnehmern stand und ihnen applaudierte.

Schwarze Jacke und Sonnenbrille

Related content Schäfer, einer der höchsten Beamten der Stadt, kam mit schwarzer Jacke und Sonnebrille bekleidet, zusammen mit einem Tross der Autonomen Nationalisten an die Katharinen-Treppe. Dort begrüßte er viele der Teilnehmer per Handschlag und applaudierte anschließend den Rednern. Darauf angesprochen, sagte er der Westfälischen Rundschau, dass er das Motto der Kundgebung „Arbeitsplätze und gerechte Löhne für alle Deutschen” voll unterstütze. Zum politischen Charakter der Kundgebung wollte Schäfer ebenso keinen Kommentar abgeben wie auf die Frage, ob er bereits mehrfach rechte Veranstaltungen besucht habe und die Ziele der Autonomen Nationalisten teile. Ob er die Sonnenbrille trage, um nicht erkannt zu werden? Schäfer: "Die trage ich, weil ich Heuschnupfen habe.”

Franz-Josef Drabig, Unterbezirksvorsitzender der SPD, in der Schäfer Mitglied ist, reagierte auf Anfrage der WR bestürzt. "Ich bin menschlich zutiefst enttäuscht. Wir werden den Sachverhalt genauestens prüfen und gegebenenfalls ein Parteiordnungsverfahren einleiten." Wenn Schäfer mit den Rechten marschiere und sympathisiere, gehöre er "aus der SPD ausgeschlossen". Stadtdirektor Siegfried Pogadl als höchster Vorgesetzter zog umgehend Konsequenzen und suspendierte Schäfer vom Dienst.

Sowohl die linke Gegendemonstration, die nach Dorstfeld führte, als auch der Marsch der Rechten wenig später auf derselben Route in den Westen der Stadt blieben frei von Ausschreitungen und friedlich.

Internetseite der Feuerwehr: "Kein Platz für Radikale"

Auf der Internetseite der Dortmunder Feuerwehr stand unter der Überschrift "Kein Platz für Radikale" ebenfalls schnell die Suspendierung Schäfers. In einem Gespräch um 21.15 Uhr teilten Stadtdirektor Siegfried Pogadl und Stadtkämmerer Jörg Stüdemann dies dem Institutsleiter des IFR mit. Ein Gespräch zwischen Klaus Schäfer und seinem Dienstherren ist für den 3. Mai, 12 Uhr, terminiert. Hierbei steht es ihm frei, eine Personen seines Vertrauens oder einen Rechtsbeistand mitzubringen. Bis dahin darf er die Diensträume der Stadt Dortmund nicht betreten. Unterstützend wurden Polizei und Staatsschutz in die aktuellen Ermittlungen einbezogen.

Klaus Schäfer war bis Ende 2008 Amtsleiter der Dortmunder Feuerwehr. Im Januar 2009 verließ Schäfer die Feuerwehr und übernahm die Leitung des Stadtamtes 39 (Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie). awi/greg