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Rechte Gewalt

Dortmunderin stärkt Opfern rechter Gewalt den Rücken

18.12.2012 | 16:26 Uhr
Claudia Luzar unterstützt mit ihrer Dortmunder Beratungsstelle „Back up“ Menschen, die Opfer rechter Gewalt geworden sind.Foto: Ingo Otto

Dortmund.   „Back up“ hat sie ihre Beratungsstelle genannt, was so viel hießt wie "Rücken stärken". Und genau das tut Claudia Luzar seit 14 Jahren. Sie kümmert sich um Opfer rechter Gewalt. Erst in Brandenburg, jetzt im Ruhrgebiet. Ihre Dortmunder Beratungsstelle ist die erste professionell geführte in Westdeutschland.

Ein Pionier ist jemand, der hingeht, wo noch niemand war. Oder der etwas macht, was vorher keiner getan hat. Claudia Luzar ist Pionierin. Eine, die im Osten und im Westen Deutschlands Neuland betrat. Vor 14 Jahren baute sie in Brandenburg die erste Beratung für Opfer rechter Gewalt auf; vor einem Jahr gründete Luzar mit anderen Aktiven die Beratungsstelle Back up. Das heißt: „Den Rücken stärken“. Back up ist das erste professionell geführte Büro in Westdeutschland, das jenen den Rücken stärkt, die von neuen Nazis beleidigt, bedrängt und verletzt werden. Und das bedeutet: viel Pionierarbeit.

Neonazis, Fremdenhass, tiefer, brauner Sumpf – ein Phänomen vielerorts in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg. Aber Claudia Luzar warnt davor, mit dem Finger auf die ostdeutsche Provinz zu zeigen. „Rechte Gewalt gibt es dort und hier in NRW. Man muss sogar sagen: Der Osten ist bei der Bekämpfung dieser Taten einen Schritt weiter als wir.“

Rostock-Lichtenhagen war für Luzar ein aufrüttelnder Schock

„Parteiisch“ will die 37-Jährige, die aus Hamm stammt, sein, „parteiisch auf der Seite der Opfer, aber von keiner politischen Partei abhängig“. Ihr Parteiprogramm sei: Menschlichkeit. Die ersten Kapitel dafür schrieb Luzar kurz nach der Wende, 1992, als in Rostock-Lichtenhagen ein brauner Mob Asylbewerber jagte. Sie sah die Bilder, und eine Frage drängte sich auf: „Wie kann es sein, dass Menschen klatschen, wenn andere Angst haben?“

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Rostock-Lichtenhagen war „ein Fanal für die rechte Szene“

Der Politikwissenschaftler Thomas Prenzel hat Ursachen und Folgen der Krawalle in Rostock-Lichtenhagen erforscht. Er erklärt, warum man von einem „Pogrom“ sprechen darf, welches Interesse die Behörden daran hatten und warum Roma-Gruppen auf eine Einladung zur Gedenkfeier warten mussten.

Eine Frage, die Legionen von Psychologen beschäftigen könnte. Claudia Luzar fällt auch nach 20 Jahren die Antwort schwer, aber die Bilder von Rostock haben ihren Lebensweg beeinflusst. Sie studierte in Berlin Politik, immer mit einem Auge auf der rechten Szene. Sie gründete 1998 in Potsdam die erste Opferberatung („Was für ein Kontrast: Die schöne Landschaft und diese Düsternis in den Köpfen mancher Bürger!“), sie ging nach Costa Rica und Kenia und zurück nach Westfalen, ist heute Politikwissenschaftlerin an der Uni Bielefeld. Zu guten Erfahrungen gesellte sich eine bittere Erkenntnis: Rassismus ist international. Er blüht dann, wenn der Staat sich nicht kümmert. Er wächst, wenn sich Bürger nicht auf die Demokratie verlassen können.

Rechte versuchen Dortmund-Dorstfeld und Bochum-Langendreer zu beherrschen

Claudia Luzar hinterlässt im Gespräch den Eindruck einer energischen Frau. Sie gestikuliert viel, steht unter Strom, gibt rasche, druckfähige Antworten, pendelt zwischen freundlich und ernst. Rechte Gewalt in den neuen Bundesländern, sagt sie, ist etwas anders als die in den alten. „Im Osten sind die Opfer fast immer isoliert, gehören zu den Schwächsten: Punks, Menschen, die leicht behindert sind, Flüchtlinge. In Nordrhein-Westfalen ist die rechte Gewalt organisierter, und sie richtet sich auch gegen Menschen, die nicht in das genannte Opferbild passen.“ So wird gemobbt, beleidigt, geschlagen.

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Rechte versuchen, Straßen oder Wohnquartiere für sich zu beanspruchen – in Dortmund-Dorstfeld, in Bochum-Langendreer, in Wuppertal, in Aachen, aber auch im beschaulichen Münster- und Sauerland. Viele Opfer fühlen sich im Stich gelassen. Denn oft schauen Polizisten und Orts-Politiker weg oder zumindest nicht richtig hin.

Dortmunder Politik positionierte sich für Luzar zu zögerlich

„Aber es bewegt sich was“, meint Luzar, „Back up arbeitet in Dortmund eng mit dem Staatsschutz zusammen, die Politik dort hat sich nach längerem Zögern endlich klar gegen Rechts positioniert. In Bochum läuft es ähnlich, und in Langendreer gibt es eine starke Zivilgesellschaft, die nicht wegschaut, wenn was passiert.“

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Claudia Luzar sucht keinen Streit mit der rechten Szene. „Ich lehne deren Ideologie ab, aber nicht sie als Menschen. Ich grüße, bin höflich, bleibe ruhig. Mit diesem Verhalten können die Rechten schwer umgehen.“

Back up kümmert sich auch um die Angst der Opfer

Ob sie manchmal Angst hat? „Ich bin in der Mitte der Gesellschaft. Jeder Obdachlose und Asylbewerber ist mehr in Gefahr“, sagt sie. Angst, das ist die Begleiterin der Opfer. Über 80 betreut die Organisation Back up inzwischen, stärkt ihnen den Rücken, besorgt juristischen Beistand, Ärzte und auch Psychologen.

Die Angst hört manchmal gar nicht mehr auf, wie im Falle des Mordanschlags auf einen Duisburger Gastwirt vor acht Jahren. Der Migrant hatte beim Zurücksetzen seines Autos eine Selbstschussanlage ausgelöst, die auf den Fahrersitz gerichtet war. „Er weiß bis heute nicht, wer das war“, erzählt Luzar. Back up kümmert sich um ihn.

Matthias Korfmann



Kommentare
31.12.2012
11:22
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Name von Moderation entfernt | #7

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31.12.2012
08:19
Dortmunderin stärkt Opfern rechter Gewalt den Rücken
von IhrRichter | #6

Es muss heißen "Opfern rechtesradikaler Gewalt" oder "linksradikaler Gewalt".
Menschen mit rechter politischer Einstellung sind genauso verfassungstreu wie mit linker. Das erklärt schon Wiki.

Mag man natürlich nicht hören, man schert lieber alle über einen Kamm.

1 Antwort
Dortmunderin stärkt Opfern rechter Gewalt den Rücken
von Catman55 | #6-1

der Titel ist schon richtig...

31.12.2012
05:13
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Name von Moderation entfernt | #5

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30.12.2012
22:12
Dortmunderin stärkt Opfern rechter Gewalt den Rücken
von narit | #4

Ich finde die Arbeit von BackUp wirklich toll und würde mir wünschen, dass diese sehr wichtige Arbeit auch weiterhin finanziell unterstützt wird. Und an alle, die wie #3 meinen, allen Gewaltopfern sollte geholfen werden, kann ich nur sagen: Ja, ein sehr guter Gedanke, engagiert Euch! Aber hier ist eben endlich einmal etwas entstanden, was es früher nicht gab und es ist wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass auch diese Opfer nicht allein gelassen werden.

30.12.2012
18:25
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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #3-1

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30.12.2012
17:56
Dortmunderin stärkt Opfern rechter Gewalt den Rücken
von xxyz | #2

Ich würde mir wünschen, wenn den Opfern von Straftaten generell der Rücken gestärkt würde. Das ist zurzeit nicht der Fall.

Wir haben in vielen Bereichen einen Anstieg der Gewalt, der von den Medien nur im Einzelfall präsentiert wird. Es fehlen die kritischen Fragen, warum bspw. so wenig gegen die hohen Steigerungsraten bei Einbrüchen verbunden mit einer geringen Aufklärungsrate getan wird.

Auch hier gibt es Opfer, die dann häufig die Mitteilung bekommen, dass sie eine Anzeige aufgeben sollen, die dann zur Versicherung geht. Jeder Einbruch, Raub etc. hat aber auch psychologische Folgen. Auch diese Opfer fragen sich, warum es sie getroffen hat. Sind sie besonders bedroht, weil sie bspw. alte Frauen sind?

Die Polizei fängt Täter, sie werden aber meistens nicht wirksam bestraft. Selbst Mehrfachtäter mit hohen Fallzahlen können ungehindert ihrem "Job" nachgehen. Das Gericht interessiert sich kaum für die Opfer. Es gibt bei Bedrohungen dann max. ein Näherungsverbot (siehe Säureanschlag).

30.12.2012
15:33
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