Dortmunderin (69) lebt seit 15 Jahren ohne Geld
30.06.2011 | 18:38 Uhr 2011-06-30T18:38:00+0200
Dortmund. Anfangs sollte es nur ein Experiment für maximal ein Jahr sein. Mittlerweile ist es 15 Jahre her, dass Heidemarie Schwermer sich entschloss, ohne Geld zu leben. Sie tut es bis heute.
Am Anfang sollte es nur ein Experiment sein und maximal ein Jahr dauern. Mittlerweile ist es 15 Jahre her, dass Heidemarie Schwermer sich entschloss, ohne Geld zu leben. Sie tut es bis heute.
Die gebürtige Ostpreußin ist Jahrgang 1942, schon im Kleinkindalter lernte sie auf der Flucht nach Süddeutschland, was es heißt, ohne Besitz zu leben. „Plötzlich waren wir nichts mehr wert, weil wir keinen Besitz mehr hatten“, erinnert sie sich. Schließlich fand die Familie Unterschlupf auf einem Bauernhof. „Zu Ostern durften wir Eier suchen und ein paar Wochen lang gab es für alle reichlich zu essen.
Mutter und Großmutter halfen den Gastgebern bei der täglichen Arbeit. Es war ein Tauschen und Teilen, Geben und Nehmen in freundlicher Atmosphäre, und fast hätte ich darüber das Leid der vergangenen Monate vergessen.“, schreibt Schwermer in ihrem Buch „Das Sterntalerexperiment: Mein Leben ohne Geld“.
Nach Kriegsende blieb ihr Leben geprägt von den Gedanken um Werte, Würde und der Frage nach dem Wie.
Tauschen statt kaufen
Als junge Frau ließ sie sich von ihrem Beruf als Lehrerin beurlauben und ging nach Südamerika. Heirat und zwei Kinder folgten.
Zurück in Deutschland ließ sie sich als Motopädin und Psychotherapeutin ausbilden, 1986 eröffnete sie mit einer Freundin eine eigene Praxis in Dortmund. Es folgte die Gründung des Tauschrings „Gib und Nimm“. Heidemarie Schwermer wandte sich immer mehr ab von der Konsumgesellschaft: „Ich habe so viele Sachen getauscht, dass ich mir irgendwann gedacht habe: ‘Du musst ja eigentlich gar nichts mehr kaufen!’“
Freundeskreis war entsetzt
Im Mai 1996 dann der große Schnitt. Girokonto, eigene Wohnung, Krankenversicherung, von all diesen Dingen trennte sich die mittlerweile 69-Jährige „erst einmal für ein Jahr. Ich hätte nie gedacht, dass man so leben kann.“ Genauso dachten auch ihre Freunde und die zwei Kinder: „Die haben mich für verrückt erklärt. Eine Freundin hat sogar geweint, weil sie dachte, dass ich total abstürzen würde.“
Sie hatte mit Hürden gerechnet auf dem Weg in die Selbstständigkeit der anderen Art. Doch weder Krankenkasse noch Einwohnermeldeamt legten ihr Steine in den Weg.
Keine Sorgen um die Zukunft
Mit dem Blick auf das Heute gerichtet geht Heidemarie Schwermer seitdem durch ihr Leben. Sorgen macht sie sich keine, jedenfalls nicht um die Zukunft: „Ich lebe im Hier“, wischt sie Fragen nach ihrer Altersvorsorge vom Tisch. Krankheit, Alter, mal ein Besuch beim Zahnarzt? Darüber macht sie sich Gedanken, wenn es soweit ist. Seit 15 Jahren war sie nicht mehr beim Arzt, es war einfach nicht nötig. „Ich habe mittlerweile großes Selbstvertrauen“, sagt sie gelassen, „Was soll einem denn passieren?“
Jetzt lebt sie bei Freunden auf der ganzen Welt, hütet Häuser, hilft hier einem Freund, hält dort einen Vortrag oder gibt eine psychotherapeutische Beratung. Im Tausch erhält sie alles, was sie zum Leben braucht. „Ich bin immer im Bewegung, alles ist im Fluss“, beantwortet Schwermer die Frage nach ihrer Heimat.
Rente wird verschenkt
Seit vier Jahren ist sie wieder Mitglied in einer Krankenkasse, bezieht eine Rente, die sie komplett verschenkt. Genau wie die Einnahmen aus ihrem ersten Buch. Zwar hätte sie auf die Rente verzichten können. „Aber mit diesem Geld kann ich viele Menschen glücklich machen“, sagt sie lächelnd. „Ich kriege schon raus, wer was braucht.“
Die anfänglichen Existenzängste hat sie schnell überwunden. Dafür fühlt sie sich jetzt unabhängiger, freier, zwangloser. „Ich lebe mehr im Augenblick. Es gibt für alles eine Lösung.“
19:56
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Seit mehr als 35 Jahren verheiratet lebe ich schon deutlich länger ohne eigenes Geld als diese Dame.
Es funktioniert, aber die ewige Bettelei geht einem anfangs doch sehr gegen den Strich.
19:31
@ #36
Das ist der Punkt - Geld ist immer noch nix anderes als ein flexibles, (angeblich) sicheres Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen und Zinsen sind Kosten für die Verwendung dieses Tauschmittels.
Wenn nun Jemand dieses flexible Tauschmittel aus Überzeugung oder Not weitestgehend vermeidet und trotzdem auf einem Markt mit seinen Waren und Dienstleistungen überlebt, dann ist weder die Volkswirtschaft in Gefahr noch bricht die Welt zusammen.
Zumindest in Krisenzeiten wie nach dem Krieg ist die geldlose Tauschwirtschaft der Motor für eine spätere positive Wirtschafts-Entwicklung.
18:53
#35 sorry, aber das ist doch verlogene Sozialromantik. Diese hier beschriebene Frau braucht selbstverständlich Geld. Sie kauft nur nicht selber ein, sondern lässt das durch Freunde erledigen.
Die von Ihnen erwähnte Anne Donath ist da schon ehrlicher. Sie bedient keine Alt68er Klischees um den Absatz ihres Buches anzukurbeln. Die kann man wesentlich ernster nehmen.
Wobei aber auch klar ist, das eine Gesellschaft in der alle Bürger auf dieses Niveau zurückschalten nicht funktionieren wird.
Beide sind egal wie man es dreht oder wendet auf eine funktionierende Volkswirtschaft angewiesen - eine Volkswirtschaft die nur mit einen flexiblen Tauschmittel funktioniert.
15:44
Es ist immer wieder die gleiche Art von Pöbelei.
Hier wird mal ein andere Geschichte eines Menschen erzählt, endlich mal wieder eine interessante Story. Sicher, dass bei einem solchen Thema Meinungsverschiedenheiten entstehen, aber muss denn wieder gepöbelt werden ?
Man mag das gut oder weniger gut finden, man darf auch seinen Kommentar dazu schreiben, aber versucht doch bitte einmal auf einem vernünftigen Niveau zu diskutieren.
Zur Sache :
Diese Art zu Leben zeigt uns doch nur auf, wie es gehen kann, ohne sich irgendwelchen Zwängen zu unterwerfen. Diese Frau hat sich das vorher sehr gut überlegt, hat auch den Verstand zu entscheiden wie hoch der Risikofaktor ist, in den Abgrund zu stürzen. Fakt ist : sie hat es 15 Jahre geschafft, sich an nur Werten zu orientieren die sie zum Leben braucht :
Mut, Wille, Einsicht, Demut !
Sie hat meines Erachtens den größten Respekt verdient !
Wenn es auch zur Zeit für mich noch nicht möglich ist, so zu Leben, so habe ich für mich jetzt bereits entschieden, mich in ca. 20 Jahren auf das nötigste ( was immer das auch sei ) zu reduzieren. Alles was mich bedrängen könnte, wird abgeschafft. Ich habe gelernt, das Konsum nicht glüclkich macht !
Ähnliche Geschichten gibt es von einer Frau aus dem Süden Deutschlands.
Zu suchen unter Die Frau die einfach nur Lebt
15:37
ok Vaikl welches System stellen Sie sich vor?
15:15
@ #32
Ihr Anfänglich zahlt man drauf, um später zu profitieren ist der Kardinal-Denkfehler, den ich meinte. Solch ein sozialstaatliches System gab und gibt es in Deutschland nicht, das scheinen höchstens die zu begreifen, die demnächst sowieso fast ohne Rente sind.
15:01
Immer interessant zu lesen, mit welchen hilflosen und abgegriffenen Floskeln selbstverliebte Nonkonformisten auf Kritik reagieren!
14:41
Immer interessant zu lesen, wie sich der deutsche Neid-, Klein- und Spießbürger hilflos an nonkonformistischen Lebensweisen abschimpft und dabei beim uralten Thema Solidarsystem immer wieder die gleichen Denkfehler begeht.
14:08
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13:49
Ach ja, sie lebt bei Freunden auf der ganzen Welt? Und wie kommt sie dahin? Bekommt sie die Flüge geschenkt? Und um essen zu können nutzt sie andere Menschen aus? Und wenn sie wirklich mal zum Arzt muß? Dann bekommt sie die Behandlung geschenkt? Hört sich ja gut an: lebe ohne Geld. Vielleicht klappt es ja, sich als Parasit durch zu schnorren.