Dortmunder wittern Gefahr durch neuen Duftstoff im Gas

DEW21 gibt Broschüren heraus, auf denen sich eine Probe des Gasgeruchs findet. Riecht nach Erdnüssen, lautete die spontane Reaktion von Redaktions-Praktikantin Evgeniya Lukanova. Andere Redaktionsmitglieder erinnerte der Geruch an muffige Turnschuhe, Kleber oder Lacke.
DEW21 gibt Broschüren heraus, auf denen sich eine Probe des Gasgeruchs findet. Riecht nach Erdnüssen, lautete die spontane Reaktion von Redaktions-Praktikantin Evgeniya Lukanova. Andere Redaktionsmitglieder erinnerte der Geruch an muffige Turnschuhe, Kleber oder Lacke.
Was wir bereits wissen
Dortmunder fürchten, dass Gaslecks nicht rechtzeitig entdeckt werden, weil der neue Duftsoff nicht alarmierend stinkt. Der Gasversorger widerspricht.

Dortmund.. Dagmar Hültenschmidt ist pensionierte Chemie-Lehrerin, hat also durchaus eine sensible Nase. Über Ostern rätselte sie drei Tage lang, was im Haus so muffig riecht. Sie vermutete einen verstopften Abfluss. Erst später stellte sich heraus, dass Gas austrat. Sie rief Ostermontag beim Dortmunder Energieversorger DEW21 an, kurze Zeit später kamen Techniker vorbei. Diese entdeckten Lecks in der Gasleitung in Hültenschmidts Haus und drehten den Gashahn sofort ab.

Nun ist Hültenschmidt pensionierte Chemie-Lehrerin und kennt sich durchaus mit Gerüchen aus. Wenn sie den Gasgeruch also schon nicht erkennt, wie ergeht es dann erst manchem Geruchs-Laien? "Ich finde das gefährlich", sagt die 63-Jährige.

Dortmund von unten Auch ihr Bekannter Herbert Meyerhans, ein Apotheker, pflichtet Hültenschmidt bei. Für ihn riecht Gas wie ein vor sich hin rottender Komposthaufen; nicht angenehm zwar, aber eben auch nicht gefährlich nach Gas. "Der Geruch ist für mich kein Warnsignal", sagt Meyerhans.

2006 wurde Gas-Geruch umgestellt

Gas riecht nicht überall gleich. Beziehungsweise: Zunächst einmal riecht Gas gar nicht, es ist geruchlos. Weil für jeden nachvollziehbar gefährlich ist, wird Gas deshalb ein Warngeruchsstoff beigemischt.

Früher - bei DEW21 bis zum Jahr 2006 - roch Gas schwefelig, nach faulen Eiern. Das konnte jeder zuordnen. Weil der damals dem Erdgas beigemischte Zusatzstoff Schwefeldioxid aber erstens umweltschädlich ist und zweitens auch die Substanz von Leitungen stark angriff, setzen viele Versorger - so auch DEW21 - längst auf den Warngeruchsstoff namens Gasodor-S-Free.

Jenen Geruch, den viele Leute eben nicht als Gasgeruch identifizieren. Im Jahr 2009 trat im Haus einer Dortmunder Familie wochenlang Gas aus, weil niemand den muffigen Geruch zuordnen konnte. Eine Katastrophe blieb glücklicherweise aus.

DEW: "Keine gestiegenen Beschwerden"

Bei DEW21 kann Pressesprecherin Jana-Larissa Marx nicht von Problemen mit dem Gasgeruch berichten: "Wir haben keine gestiegenen Beschwerden." Vor der Umstellung 2006 wurden alle Kunden informiert, DEW verteilte Broschüren samt Geruchsprobe, um den neuen Warngeruch bekannt zu machen. Es gebe aktuell keinen Grund, den Geruch zu wechseln.

Auch bei der Feuerwehr Dortmund ist nur von wenigen Fällen die Rede, in denen sich Leute wegen eines undefinierbaren Geruchs melden, der sich später als Gas entpuppt.

Dagmar Hültenschmidt bleibt trotzdem dabei, dass der aktuelle Gasgeruch nicht alarmierend genug ist. Es müsse, sagt sie, doch leicht möglich sein, Gas einen neuen - umweltfreundlichen - Duft beizumischen, den jeder mit Gas und drohender Gefahr verbindet.