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Dortmunder Vereine warten verzweifelt auf Kunstrasen-Plätze

12.09.2012 | 08:00 Uhr
Dortmunder Vereine warten verzweifelt auf Kunstrasen-Plätze
Auf einem Tennenplatz ist die Verletzungsgefahr beim Sport deutlich höher als auf einem Kunstrasen.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   8,8 Millionen Euro sollen für neue Kunstrasen bei Dortmunder Sportvereinen aufgebracht werden. Doch das Geld in der Stadtkasse ist knapp. Während die Prüfungen laufen, laufen den Vereinen die Nachwuchstalente davon.

Die SPD hat zur Wiederholungswahl plakativ damit geworben . Die Vereine warten händeringend auf die Einlösung des Versprechens. Und doch ist auch das zweite Kunstrasenprogramm kein Kinderspiel. 8,8 Millionen Euro für 14 neue Plätze wollen erst mal in der Stadtkasse gefunden werden. Während die Planer der Sport- und Freizeitbetriebe sorgfältig prüfen, laufen den Vereinen die Zeit und die Nachwuchsspieler davon. Wer will sich schon die Knie auf dem Tennenplatz aufreißen, wenn es beim erfolgreicheren Verein nebenan auch anders geht?

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Schotter birgt Verletzungsgefahr

74 städtische Sportplätze haben die Sportbetriebe unter ihren Fittichen. Sieben mit Naturrasen, 54 Tennenplätze (gern auch Schotterplätze genannt) und nur 16 Kunstrasenplätze. Letztere sind der ersten Stufe des Kunstrasenprogramms zu verdanken. Zwar gleichmäßig über alle Stadtbezirke verteilt, aber beiweitem nicht der Nachfrage der Vereine entsprechend.

Die Nachteile der Tennenplätze liegen auf der Hand, bzw. auf dem Boden: die hohe Verletzungsgefahr. Die lange Ausfallzeit durch Regen, Matsch und Eis. Dass ein Platz Wochen, wenn nicht Monate gesperrt ist und wichtige Trainingseinheiten flachfallen, keine Seltenheit. Und: Eltern überlegen es sich heute drei Mal, bei welchem Verein sie ihr Kind anmelden. Dabei gilt immer öfter: Wichtig ist der Platz.

Drei bis vier Jahre für die Umsetzung

Jürgen Grondziewski, Fußball-Kreisvorsitzender, kann davon ein Lied singen: „Wir haben 96 Fußballvereine – und alle wollen Kunstrasen .“ Warum? „Weil die guten Jungs sonst abwandern, weil die Leistungsträger fast alle auf Kunstrasen spielen, weil Kunstrasen einfach zieht.“

TuS Eichlinghofen
Kunstrasen zum 125. Geburtstag

Das Stadion an der Hövel hat der TuS Eichlinghofen schon richtig aufgemöbelt. Unter anderem mit neuen Tribünen. Daabei hat die Stadt finanziell unter die Arme gegriffen, der Verein selber zugepackt, Und jetzt stehen die Chancen für den lange ersehnten Kunstrasen scheinbar besser denn je.

Auch die Politik hat das erkannt. Hatte in einer ersten Rutsche 16 Kunstrasenplätze angelegt. Angefangen hat man 2008 – fertig werden die letzten Plätze in diesen Tagen. Derweil hat der Rat im Dezember den zweiten Aufschlag beschlossen. Diesmal geplant: 13 Fußballplätze und ein Hockeyplatz. Dauer bis zur Umsetzung: weitere drei bis vier Jahre, sagt Detlef Wienhöfer von den Sport- und Freizeitbetrieben.

Ein Platz für bis zu 1,1 Millionen Euro

Dabei gehe es diesmal nicht nach dem Gießkannenprinzip – pro Stadtbezirk mindestens ein Platz – sondern etwa nach der Zahl der vor Ort spielenden Mannschaften und dem Zustand der Plätze. Und natürlich: Nach dem vom Kämmerer bereitgestellten Geld. Noch liefen die Bauvoranfragen. Es gehe um Baugenehmigungen, sogar um das Suchen von Bomben im Untergrund, so Wienhöfer.

Kunstrasenplatz
Kein Spielbetrieb ohne Infrastruktur

Am Donnerstag gab der Landesbeauftragte für den aufgelösten Rat, Harald Heinze, im Rathaus grünes Licht für den Bau einer Kunstrasenanlage in Lütgendortmund. Die Sportstätte an der Evastraße soll in Zukunft gemeinsame Heimat für die beiden Lütgendortmunder Traditionsclubs Hellweg und Urania...

Spätestens danach, vielleicht Ende des Jahres, werde es um Geld gehen: „Der günstigste Rasenplatz hat uns bisher 640.000 Euro gekostet“, so Wienhöfer. Ein teurer, mit 400-Meter-Laufbahn, schnell 1,1 Millionen Euro. Sollen die Spieler abends nicht im Dunkeln tappen, kann der Verein eine Flutlicht-Anlage installieren – oder auch nicht. Denn die Kosten bleiben am Verein hängen.

Eine Frage des Geldes

Wer glaubt, das zweite Kunstrasenprogramm würde im Schnelldurchlauf kommen, irrt. „Das wird ein Stufenprogramm, je nachdem, wie viel Geld der Kämmerer zur Verfügung stellt.“ Und wer bekommt als nächster den Zuschlag? Gute Frage. Vor allem eine des Geldes.

Ein Rechenbeispiel: Wenn der Kämmerer 1,4 Millionen für 2013 loseisen könnte, müssten sich die Planer fragen, wie sie das Geld möglichst sinnvoll einsetzen. Da läge es näher, zwei Plätze für 700.000 Euro auf den Weg zu bringen als nur einen teuren. Je mehr Vereinen geholfen ist, desto geringer dürften deren Probleme werden.

Peter Ring



Kommentare
12.09.2012
14:15
Dortmunder Vereine warten verzweifelt auf Kunstrasen-Plätze
von dschidschi5 | #2

"Verzweifelt" - das hört sich an, als wäre etwas Schlimmes passiert.....Liebe NRZ, welches Wort wollen Sie benutzen, wenn Sie wirklich etwas Dramatisches beschreiben müssen.
Zur Sache: Was spricht übrigens dagegen, dass die Vereine selber den Kunstrasen bezahlen?
Sie wollen ihn doch auch benutzen. Wieso soll eigentlich die Allgemeinheit für das Hobby der Vereinsmitglieder bezahlen? Meine Hobbies muss ich auch selber finanzieren.

12.09.2012
08:24
Wo sind die Strassenfußballer
von xxyz | #1

Fußball auf gut eingezäunten Hochglanz-Plätzen und viele Mami-Taxis, die den Nachwuchs durch die halbe Stadt fahren.

Kunstrasenplätze sind teuer. Im Dortmunder NOrden wurde im Regelfall 2 Plätze zu einem Kunstrasenplatz zusammengefasst, der dann auch direkt eingezäunt wurde. Der normale Freizeitkicker hat keine Chance mehr, Fußball zu spielen. Es gibt kaum Wiesen, Schulhöfe sind eingezäunt, "Affenkäfige" wurde weggeklagt.

Nur der Fußballreporter bleibt nostalgisch und träumt vom Strassenfussballer. Wo sollen die guten alten Pöhler spielen, wenn selbst die letzten eingezäunten Sportplätze einem Hochsicherheitsbereich gleichen?

Zusätzlich werden die Kids überwiegend von Mama oder Papa zum Fußball gebracht.

Diese Entwicklung in kontraproduktiv. Ich mag sie nicht.

Wo bleiben denn die Investitionen in Sporthallen (Klopapier wäre nicht schlecht). Laufbahnen etc. gibt es auch nicht mehr. Die Finnenbahn verkommt :-).

Naja, Dortmund will eine Hochglanz-Fußballstadt werden.

1 Antwort
Dortmunder Vereine warten verzweifelt auf Kunstrasen-Plätze
von Hagrid | #1-1

Tja - für die Freizeitkicker gibt es doch inzwischen die "Soccer-Hallen" ;-)

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