Dortmunder TU macht Tempo bei Reform der Reform
22.12.2009 | 06:12 Uhr 2009-12-22T06:12:00+0100
Dortmund. Die Technische Universität Dortmund will die Mängel der Bologna-Studiengänge schnellstmöglich beseitigen. Das kündigte TU-Rektorin Ursula Gather im Gespräch mit der WAZ an.
Damit reagiert die Hochschule auf die bundesweiten Bildungsproteste, die im November auch die Dortmunder TU erreicht hatten und in einer spontanen Hörsaalbesetzung durch Studierende gipfelten.
Bereits bis Ende Februar will die TU eine detaillierte Mängelliste für die umstrittenen Abschlüsse Bachelor und Master vorlegen. Dafür habe man einen ehrgeizigen „Bologna-Fahrplan” aufgelegt. In den ersten Wochen des neuen Jahres treffen sich Prodekane, Fachschaften, das Rektorat und der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (Asta) in mehreren Sitzungen, um die Probleme zu diskutieren. Das Ergebnis werde im März dem NRW-Wissenschaftsministerium präsentiert. Gather warnte aber davor, bei der Reform der Reform übers Ziel hinaus zu schießen. So berechtigt die Kritik in einzelnen Punkten sei: „Bei einer Entschlackung der Studiengänge darf nicht die Qualität des Studiums über Bord gehen”, sagte die TU-Rektorin.
Gather benannte mehrere Schwachstellen der Bologna-Reform, bei denen dringend Handlungsbedarf bestehe. Scharf kritisierte sie das System der so genannten Akkreditierung von Studiengängen. Dabei handelt es sich um eine Art Zulassung für jedes einzelne Fach durch eine Agentur. Dieser „extrem pingeliger Prozess” binde sehr viele Ressourcen. Gather: „Da ist vieles aus dem Ruder gelaufen.” Es gelte, diese Kleinteiligkeit zu Gunsten einer Systemakkreditierung einer gesamten Hochschule zu ersetzen.
Etwas freier handhaben müsse man zudem die strenge Obergrenze von fünf Jahren für ein kombiniertes Bachelor/Master-Studium. „Diese Limitierung auf fünf Jahre ist ein ziemlich harter Deckel”, sagte Gather. Zudem sei es wohl ein Fehler gewesen, die sehr strukturierte Studienordnung der Naturwissenschaften und der technischen Fächer den Geisteswissenschaften überzustülpen.
Für die Studentenproteste der letzten Monate äußerte Prof. Gather durchaus Verständnis. „Die Demos waren richtig, der Hörsaalbesetzung an der TU mussten wir aber letztlich nach einer Woche ein Ende setzen. Die berechtigten Interessen anderer müssen auch erfüllt werden.” Wie berichtet, räumte die Polizei den Hörsaal, nachdem die zuletzt rund 30 Protestler der mehrmaligen Aufforderung der Hochschulleitung nicht gefolgt waren.
Der Bildungsprotest habe eine Eigendynamik entwickelt, weil sich die Unzufriedenheit vieler mit konservativen Kräften getroffen habe, die einfach nur zum alten System zurück wollten. Dass es auch unter TU-Professoren Vorbehalte gegenüber Bologna gibt, bekam die Rektorin von einem Kollegen aus dem eigenen Fachgebiet frei Haus geliefert. Statistik-Professor Walter Krämer hatte unlängst Bachelor und Master öffentlich als Mickey-Mouse-Abschlüsse bezeichnet und symbolisch vor laufenden Kameras einen Bachelor-Schein verbrannt. Bei derlei Agitation versteht die Dortmunder Rektorin offenbar keinen Spaß: Die Würde der Universität erfordere auch in der Kritik einen gewissen Stil, sagte sie unserer Zeitung. Gather: „Ich gehe davon aus, dass die Kollegen, die kritisch sind, sich nun einbringen.”
17:16
Hätte man vor Jahren die Studenten mitbestimmen lassen, wäre dieses ganze Gedöns nicht nötig gewesen. Aber man wollte eben allein den Professoren und den Bertelsmännern die Entscheidungen überlassen, weil es wohl effizienter ist, als die Studenten demokratisch mitbestimmen zu lassen. Ähnlich den autoritären Regimes, die die Gleichschaltung, Gleichmacherei (Vereinheitlichung der Studienbedingungen) und keinen Widerspruch mögen.
04:08
Gather kommen Sie doch unserer Bitte nach, die Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch, die sie gegen ihre Studierenden stellen zurückzuziehen. Das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk.
Ansonsten: Frohe Weihnachten !
17:17
Genau Palix, zielgerichtet, nur wer bestimmt das Ziel. Jedenfalls in DEM System NICHT mehr der Student. Hauptsache jung, willig und billig(!) und zu allem bereit, wen interessiert schon das Gesülze an der Uni. Über den Tellerand hinausschauen schadet zwar nicht dem Eigennutz - im Gegenteil, aber im Zweifel dem zukünftigen Chef. Dem passen sich die Unis an und heissen jetzt Business-Schools usw. Da wird dann lean gepaukt und von Middelhoff&Consorten gefördert
Grüsse nach Dummhausen
h ttp://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal
16:47
@#2 cyberceltic: Leider auch unrecht!
Der Master ist (zur Zeit) gleich viel wert wie ein Diplom, das stimmt. Aber der Bachelor ist kein Vordiplom, wie viele glauben.
Geplant war nicht eine Halbierung der Studiums in Ba/Ma (3+2 Jahre), sondern der Bachelor sollte Diplom und Magister ERSETZEN.
Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss und kann daher wenn nötig auch 4-5 Jahre dauern. Zusätzliche Qualifikationen, die nicht explizit für den Berufsalltag benötigt werden, können dann im Master erworben werden
.
Für die einen ist der Bachelor ein zielgerichtetes, entschlacktes Studium, für die anderen eine unbezahlte Ausbildung.
16:10
Die Frau will jetzt ein zweiter Humboldt werden?
13:31
@#1: Der Bachelor ist ja auch gar nicht als Ersatz für den Dipl.Ing. gedacht, sondern der Master.
Erst mal informieren, bevor man Kritik übt.
13:18
Der Bachelorabschluss ist doch der Abschluss eines Schmalspurstudiums.
Ein klares downgrading im Vergleich zum Dipl.-Ing.